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Exklusiv vor der TV-Premiere : Filmbesprechung mit Uwe Tellkamp

Wie nah bleibt die Verfilmung an Uwe Tellkamps Romanvorlage? Welches DDR-Bild will der Zweiteiler erzählen? Warum hatte der westdeutsche Produzent so großes Interesse an diesem Ost-Stoff? Und wie hat dem Romanautor die Verfilmung gefallen? Antworten auf diese Fragen gibt die "Was meinen Sie?"-Sendung am Mittwochabend. MDR 1 RADIO SACHSEN-Moderator Andreas Berger hat den Regisseur Christian Schwochow, den Produzenten Nico Hoffmann und den Romanautor Uwe Tellkamp im Interview.

Tellkamp: "Ich weiß, dass mein Buch Schwächen hat"

Gruppenbild der Familien Hoffmann und Rohde
MDR 1 RADIO SACHSEN

Uwe Tellkamp: "Der Film geht einen eigenen Weg

19.09.2012, 20:04 Uhr | 16:24 min

Obwohl es sich nicht um eine detailgetreue Verfilmung seines Romans handelt, ist Uwe Tellkamp begeistert vom Spielfilm. Er wäre vielmehr enttäuscht gewesen, wenn sich der Regisseur sklavisch ans Buch gehalten hätte. Auch dass im Film beispielsweise die Dresdenthematik fehlt und der Stoff den Zwängen des Mediums entsprechend gekürzt und umstrukturiert wurde, empfindet Tellkamp als "richtig und legitim". "Der Film geht seinen eigenen Weg - das ist ein Kunstwerk des Regisseurs und seines Drehbuchautors". Bescheiden meint er: "Ich hab mich darüber gefreut, dass mein Stoff wenigstens dafür taugt, andere dazu anzuregen, etwas Eigenes daraus zu machen. Also kann's doch so furchtbar schlecht gar nicht sein."

Trotz des Erfolges seines Romans, für den er 2008 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde, geht er kritisch mit seinem "Werk" um: "Ich weiß sehr gut, dass das Buch Schwächen hat, die mich umtreiben". Im Film seien gewisse Motivationen und gewisse Handlungsverläufe besser gelöst. "Hut ab, ich hab' auch schon gefragt, ob ich die im nächsten Buch nutzen kann", erzählt der Dresdner.

Beeindruckt haben ihn vor allem die Frauenfiguren im Film: "Anne, Judith, Reina – das sind ganz starke eindrückliche Frauen. Im Buch überzeugen mich diese Frauenfiguren nicht so. Auch dafür Dank an das Filmteam." Momentan arbeitet der Schriftsteller an der Fortschreibung des "Turms". Der wird aber formal ganz anders als das Erfolgsbuch werden. "Nicht mehr so barock, entschlackter, schlanker", kündigt Tellkamp an, "es geht weg vom Ornament hin zur Schönheit im Plot, in der Handlung oder in den Strukturen unterhalb der Sprachoberfläche."

"Mehr als Stasi-Schweine und Oppositionelle"

Regisseur Christian Schwochow während der Dreharbeiten zum TV-Zweiteiler "Der Turm"
MDR 1 RADIO SACHSEN

Schwochow: "Das Buch ließ mich nicht mehr los"

19.09.2012, 20:04 Uhr | 11:40 min

"Du wirst keinen besseren Regisseur als mich finden", so hat sich Christian Schwochow beim Produzenten Nico Hofmann von teamWorx um die Regie für den "Turm" beworben. Bevor er das Drehbuch von Thomas Kirchner kannte, hätte er sich eine Verfilmung allerdings nicht vorstellen können: "Ich dachte, dass das Buch für den Film schwer zu knacken ist." Als er dann aber den Tausend-Seiten-Roman konzentriert auf zwei Mal 90 Seiten auf dem Tisch liegen hatte, wollte er diesen Film unbedingt machen. "Ich hatte das Gefühl, das ist ein Blick auf DDR-Geschichte, den ich so noch nicht kannte. Und das hat mich interessiert." Der Zweiteiler soll also nicht die stereotypen Bilder über die DDR bestätigen, sondern zeigen, dass die DDR mehr war "als ein Land, das nur aus Stasi-Schweinen und Oppositionellen" bestand, sondern dass man auch in der DDR gelebt, geliebt und gelacht hat.

Die DDR bekommt Farbe

Nico Hofmann
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Nico Hofmann: "Jetzt kriegt die DDR Farbe"

19.09.2012, 20:04 Uhr | 06:13 min

Filmproduzent Nico Hofmann - der TV-Zweiteiler ist eine teamWorx-Produktion in Koproduktion mit dem MDR - war schon sehr früh vom "Turm" fasziniert. "Ich hatte die Druckfahne vom Roman und hab's an einem Wochenende gelesen", erinnert sich der gebürtige Heidelberger. Noch vor dem Buchpreis hat er sich bei Uwe Tellkamps Verlag um die Filmrechte beworben. Für ihn ist der Film eine ungeheure Bereicherung, denn bisher sei die DDR-Geschichte immer nur schwarz-weiß dargestellt worden: "Jetzt kriegt die DDR zum ersten Mal Farbe."

Auch für Schauspielerin Claudia Michelsen ist "Der Turm" eine "Ausnahmeproduktion" und sie ist froh, dass sie die Rolle der Anne (Mutter von Christian Hoffmann) spielen durfte. "Die Anne macht eine tolle Entwicklung durch - sie fängt ganz zurückgenommen und duldend an, und am Ende lebt sie eigentlich nur noch ihre eigene Vision."

Claudia Michelsen spielt die hintergangene Ehefrau Anne Hoffmann.
MDR 1 RADIO SACHSEN

"Die Anne muss man einfach spielen"

Im Gespräch mit MDR-Moderator Andreas Berger erzählt Schauspielerin Claudia Michelsen ihre Sicht auf die Rolle der Anne im TV-Zweiteiler "Der Turm".

19.09.2012, 20:04 Uhr | 05:18 min

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2014, 19:55 Uhr