Dok Leipzig 2012

AG Animationsfilm : Eine Stimme für den deutschen Animationsfilm

In Leipzig ist am Donnerstag die AG Animationsfilm gegründet worde. Sie soll die Interessen all jener vertreten, die als Produzenten, Animatoren oder anderweitig an der Entstehung und Verbreitung von Animationsfilmen beteiligt sind. "Jetzt hat die Animationsfilmbranche endlich eine Stimme und kann sich in der filmpolitischen Diskussion Gehör verschaffen", freut sich Annegret Richter, Initiatorin, Gründungsmitglied und Leiterin des Animationsfilmprogramms von DOK Leipzig.

Bislang ohne eigene Lobby

Bislang wurde ein Teil der Interessen von anderen Verbänden wie der Produzentenallianz, der AG Dokfilm oder der AG Kurzfilm vertreten. Eine eigene Trickfilm-Lobby gab es dagegen noch nicht. Und die ist dringend nötig, so die einhellige Meinung der zahlreichen Vertreter, die zur Gründungsversammlung nach Leipzig gekommen waren. Denn der Animationsanteil in den deutschen Programmen geht immer weiter zurück. Und obwohl viele deutsche Filme von hoher Qualität sind, wie auch die Auswahl bei DOK Leipzig beweist, schaffen es nur wenige in deutsche Programme. Künstlerische Animationsfilme und Erwachsenenanimation sind zudem fast nicht gefragt.

"Auswandern oder nach Baden-Württemberg gehen"

Für Produktionsfirmen und Künstler ist diese Situation existenziell. "Wir müssten alle auswandern oder nach Baden-Württemberg gehen", beschreibt Richard Lutterbeck, Geschäftsführer des Kölner TrickStudios Lutterbeck, lakonisch die Lage, denn die Animationsfilmer in Stuttgart und Umgebung arbeiten in Deutschland noch unter den besten Bedingungen. Animatoren in anderen Regionen, die sich nach einer hervorragenden Ausbildung einen Job suchen, von dem sie leben können, gehen häufig ins Ausland, wo sie bei Firmen wie Disney, Pixar und anderen Größen gute Chancen und beste Bedingungen haben. "Die Situation des deutschen Animationsfilms ist fünf vor zwölf," sagte Grit Wißkirchen von Balance Film aus Dresden und beklagte damit vor allem die schwierige Frage der Finanzierung: "Wer gibt denn heute noch Geld für die Projektentwicklung?"

Gründung nach intensiver Diskussion

Trotz dieser Einigkeit war die sofortige Gründung der AG Animationsfilm bei DOK Leipzig und die Verabschiedung eines "Leipziger Manifestes" umstritten. Denn manche hielten die Gründung des Branchenverbands für übereilt. Einigen war sie zu sehr auf das Verhältnis zum Fernsehen ausgerichtet. Andere befürchteten spätere Auseinandersetzungen, wenn nicht zunächst alle Unklarheiten aus der Satzung diskutiert werden.

Am Ende wurde nach einer intensiven Diskussion die AG Animationsfilm mit 26 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen. Ein neunköpfiger Vorstand, dessen Mitglieder aus allen Bereichen der Branche und allen Trickfilmregionen Deutschlands kommt, wird jetzt die Arbeit aufnehmen. Tobias Wengert repräsentiert dabei das animationsstarke Südwestdeutschland. In Gegensatz zu seinen Vorstandskollegen ist er weder Produzent noch Animator, sondern Trickfilmvermittler und Autor. Derzeit zeigt er mit einer Ausstellung in deutschen Kinos die Entstehung bekannter Trickfilme, unter anderem auch im sächsischen Freiberg. Seine Begeisterung für den Animationsfilm will der Stuttgarter auch in seine Arbeit in dem Branchenverband einfließen lassen:

"Mit meinen Projekten will ich zeigen, welche tollen Schöpfungsprozesse ein Animationsfilm durchläuft. Ich möchte stärker ins Bewusstsein der Leute bringen, dass dieses Genre eine Kunstform ist. Genau das will ich auch im Vorstand der AG Animationsfilm vorantreiben."

Tobias Wengert, Trickfilmvermittler und Autor

Zuletzt aktualisiert: 03. November 2012, 11:21 Uhr

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