MDR FERNSEHEN | 13.11.2011 | 23:30 Uhr : Glauben auf Russisch - Unterwegs auf Don und Wolga
Eine orthodoxe Kapelle schwimmt auf einem Kahn auf Wolga und Don umher. Sicher ein ungewöhnlicher Anblick, doch für viele Dorfbewohner in Südrussland sind solche Schiffe die einzige Möglichkeit eine Kirche zu besuchen. Der Zweite Weltkrieg und die Zeit der Sowjetunion zerstörten die meisten Gotteshäuser und besonders in kleineren Dörfern ist aus finanziellen Gründen nicht an einen Wiederaufbau zu denken.
Ein Film von Nello Correale
In "Glauben auf Russisch - Unterwegs auf Don und Wolga" begleitet Nello Correale Vater Ghennadij, der früher Schweißer war, aber nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion orthodoxer Priester wurde. Von Juni bis September schippert er mit seiner Bootskirche die Flüsse entlang. Ghennadij kümmert sich um die Erhaltung des Schiffes, das Leben an Bord, das Essen und die Navigation. Manchmal kommen seine Frau und seine zwei Söhne an Bord um ihm zu helfen. Schon früh am Morgen beginnt sein Arbeitstag. Flugblätter werden in den Dörfern am Ufer verteilt, die die Ankunft der schwimmenden Kirche ankündigen. Diese Dörfer sind das Abbild der Probleme und der Armut in der russischen Provinz. Zwei bis drei Tage bleibt das Schiff meist in der Nähe der Dörfer vor Anker. In dieser Zeit werden religiöse Zeremonien abgehalten, Häuser gesegnet und Kinder getauft.
70 Jahre lang mussten die Menschen in Russland ihren Glauben verstecken. Jetzt sehen sie, wie die Kirche direkt am Ufer ihres Dorfes anlegt. ' Ghennadij spendet ihnen Trost und hilft ihnen dabei, ihren Glauben wieder zu finden und aufzufrischen.
Eine Reise durch die entlegendsten Winkel Russlands
Durch den ungewöhnlichen Weg über Wasser, entdeckt man mit dem Dokumentarfilm 'Die schwimmende Kirche' ein verstecktes Russland und seine Beziehung zur Religion nach dem Fall des Sowjetregimes. Correale betritt die entlegendsten und abgeschiedensten russischen Gemeinden, die tief gezeichnet sind von ihrer bewegten Geschichte.
Die Mission der schwimmenden Kirche ist das bedeutendste Werk der Neu-Evangelisation; sie zeigt das Wiederaufleben der Geschichte und des Erinnerns. Außerdem beleuchtet sie die Beziehung zwischen Christen und Islamisten, die genau an dieser Stelle immer versucht haben, ihre Grenzen zu ziehen.
