Internationales Filmfestival | 17.-23.10.2011 : "Themen, die die Welt bewegen" - DOK Leipzig 2011
Starke deutsche Produktionen, neue Filme aus dem "Arabischen Frühling" und eine Retrospektive mit Frühwerken großer Filmemacher dominierten in dieser Woche das Programm der Leipziger Kinos. Da fand selbst ein Kulturstaatminister schon zur Eröffnung lobende Worte.
Mit einem vollen Programm, spannenden Themen und großen Namen begrüßte das 54. Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm erneut Filmfans aus aller Welt. "International ist DOK Leipzig inzwischen eines der wichtigsten Dokumentarfilmfestivals", sagte Festivaldirektor Claas Danielsen zu Beginn am 17. Oktober. Kulturstaatsminister Bernd Neumann fand anlässlich der Eröffnung des Festivals dafür noch deutlichere Worte:
Neuer Preis für deutschen Dokumentarfilm
Erfreut zeigte sich die Festivalleitung über einen neuen Preis: Das Goethe Institut verleiht in diesem Jahr erstmals seinen Dokumentarfilmpreis an einen Film aus dem Deutschen Wettbewerb. Die mit 2.000 Eure dotierte Ehrung finanziert die Untertitelung in bis zu zehn Sprachen. Zudem wird der Preisträgerfilm über das weltweite Netz der Goethe-Institute international zu sehen sein. Insgesamt verleiht das Festival in diesem Jahr Preise in Höhe von 74.500 Euro. Aus über 3.000 Filmen hat die Auswahlkommission des Festivals ihre Auswahl für die Wettbewerbe und das Internationale Programm getroffen. Insgesamt liefen 341 Filme in Wettbewerben, Retrospektiven und Sonderreihen.
Themenschwerpunkte Globalisierung, Migration und Arbeitswelt
Festivaldirektor Claas Danielsen hob bei der Programmvorstellung in Leipzig besondere Themen hervor, denen sich immer mehr Filmemacher in ihren Arbeiten widmen, darunter die Situation von Flüchtlingen und das Thema Migration, die Veränderung der Arbeitswelt und Fragen der Globalisierung. "Große Entwürfe zu Themen, die die Welt bewegen", seien dieses Jahr viel vertreten ergänzte die Leiterin des Dokumentarfilmsprogramms, Dr. Grit Lemke.
Herausragende deutsche Filme
"Herausragend" seien im aktuellen Wettbewerbsjahrgang vor allem die deutschen Beiträge, wie "Work Hard - Play Hard" von Carmen Losman, der die Ausbeutung des Menschen als Humankapital in der Arbeitswelt thematisiert. Auch die deutschen Beiträge "Bad Weather" von Giovanni Giommi über eine Bordellinsel in Bangladesh und "Vivan las Antipodas" von Victor Kossakovsky über das Geheimnis der entgegegengesetzten Orte auf dem Erdball sind im internationalen Wettbewerb für Dokumentarfilm zu sehen.
MDR-Produktionen im Wettbewerb
Dokumentarfilme aus dem MDR-Sendegebiet sind mit acht Produktionen ebenfalls stark vertreten, zum Teil auch in den Wettbewerben, wie "Bielutin - In the Garden of Time". Regisseur Clément Cogitore porträtiert darin das alternde russische Bohéme-Ehepaar Bielutin. Die MDR-Produktion lief im Mai bereits im Rahmen des Filmfestivals in Cannes und wird bei DOK Leipzig im Internationalen Wettbewerb für kurze Dokumentarfilme gezeigt. "Bakhmaro" von Salomé Jashi , der im Nachwuchswettbwerb "Generation DOK" zu sehen ist, porträtiert ein (meistens) leeres Restaurant in Georgien - Stillstand im Niemandsland.
Animadok - ein ungewöhnliches Genre feiert Jubiläum
Auch im Animationsfilmprogramm stand die Qualität der deutschen Produktionen ganz vorne. "Noch narrativer und poetischer, sehr reflektiert und persönlich" seien viele Filmbeiträge in diesem Jahr, sagte Animationsfilm-Chefin Annegret Richter. Besonders politisch seien die Beiträge im Animadok-Programm. Das Hybrid-Genre zwischen Dokumentar- und Animationsfilm als "Spezialität" des Leipziger Filmfestivals feiert sein 15-jähriges Jubiläum mit der Sonderreihe "Crossing Identities". Einen besonderen Film aus der aktuellen "Animadok"-Filmreihe können MDR.DE-User bei uns exklusiv anschauen: Henrik Niefelds Film "Warmes Wasser aus der Wand" spielt mit DDR-Erinnerungen und wurde in Leipzig produziert. Hier gibt es den kompletten Film und ein Interview mit dem Filmemacher:
Animationsfilmer: In Deutschland ohne Lobby
Muss der Animationsfilm in Derutschland gestärkt werden? Analog der bereits seit 1980 aktiven Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) als Interessenvertretung der Dokumentarfilmer in Deutschland, plante auch die deutsche Animationsfilm-Szene die Gründung eines Berufsverbands. "Die Animationsfilmbranche in Deutschland hat keine Lobby", sagte Annegret Richter. In der Festivalwoche fand die Gründung der AG Animationsfilm schließlich statt.
Filme aus dem "Arabischen Frühling"
Neben den Wettbewerben lockte DOK Leipzig auch in diesem Jahr wieder mit ungewöhnlichen Sonderprogrammen, Retrospektiven und Länderschwerpunkten. Für großes Interesse sorgten bereits im Vorfeld die Filme des "Arabischen Frühlings", die die Innensicht der revolutionären Umwälzungen in der Region zeigen. Viele Regisseure und Regisseurinnen seien "mittendrin" gewesen, sagte Dr. Grit Lemke. Auch eine Retrospektive mit Filmen rund um das Jahr des Mauerbaus 1961, sorgt für Aufsehen: In dem Programm, das den Blick weiten will auf "die Welt, in die diese Mauer hineingebaut wurde", sind unter anderem frühe Filme von Regisseuren wie István Szabó, Jiří Menzel oder Direct-Cinema-Pionier Robert Drew zu sehen.
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DOK Leipzig
Gegründet wurde das Festival 1955 vom Club der Filmschaffenden der DDR als "Gesamtdeutsche Leipziger Woche für Kultur- und Dokumentarfilm" und stellte damit das erste unabhängige Filmfestival der DDR dar.
Das Leipziger Festival hat sich nach dem Fall der Mauer mit einem qualitativ hochwertigen Programm und seit 2004 mit neuen Branchenangeboten auch international zu einem der dynamischsten Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm weiterentwickelt.
Der künstlerische Animationsfilm ist bereits seit Jahrzehnten integraler Teil des Festivals, seit 1995 ist er mit einem eigenständigen Wettbewerb vertreten. Als Zwei-Sparten-Festival ist Leipzig damit in seiner Art einzigartig.
2010 konnte das Festival erneut einen neuen Zuschauerrekord verzeichnen: 35.000 Besucher kamen in die DOK-Film-Kinos. 2009 waren es 31.000 Filmfans gewesen.
Festival-Filme sehen!
DOK Leipzig ist ein internationaler Branchentreffpunkt, aber dennoch ganz explizit auch ein Publikumsfestival. Auch "ganz normale" Filmfans haben hier die Chance, Produktionen als Weltpremieren zu genießen, Filmemacher zu ihren Werken zu befragen oder frische Nachwuchsproduktionen zu erleben.
Starke Partner: MDR & DOK Leipzig
Der MITTELDEUTSCHE RUNDFUNK und das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm DOK Leipzig sind seit vielen Jahren enge Kooperations- und Medienpartner.So verleiht der MDR den "MDR-Filmpreis für einen herausragenden osteuropäischen Dokumentarfilm" in Verbindung mit 3.000 Euro, zeigt mit "Best of MDR" eine eigene Filmreihe, das Kulturradio FIGARO veranstaltet eine Podiumsdiskussion zum Thema "1961 - Die Welt, als sie sich teilte" und mehr. Die feierliche Eröffnungsveranstaltung am 17.10.2011 moderiert MDR-Moderatorin Prof. Evelyn Fischer.






