Dok Leipzig 2011

Animadok : Warmes Wasser Aus Der Wand

In dem Animationsfilm "Warmes Wasser Aus Der Wand" verarbeitet der Filmemacher Hendrik Niefeld seine Erinnerungen an die DDR. Zu sehen ist der Film bei DOK Leipzig in der Programmreihe "Animadok" - und exklusiv bei MDR.DE.

Warmes Wasser aus der Wand

Filme und Fernsehbeiträge über die DDR sind oft ostalgisch-verklärend oder erinnern an geschehenes Unrecht oder bringen à la "Sonnenallee" die Vergangenheit in ein unterhaltsames Format. Auch Hendrik Niefeld blickt in seinem Animationsfilm "Warmes Wasser aus der Wand" auf die DDR zurück. Aber es ist kein wertender Blick, sondern eine Verarbeitung von persönlichen Erinnerungen an eine vergangene Zeit, die zugleich auch Teil der kollektiven Erinnerung sind.

Nur für Ostdeutsche?

Niefeld hat die Wende als Zwölfjähriger erlebt. Einen großen Teil seiner Kindheitserinnerungen durchziehen darum zahlreiche DDR-Erfahrungen, die sich vor allem sprachlich äußern. Als Grundlage seines Film hat er darum einen Text aus typischen Wendungen, Ausdrücke oder Phrasen aus dieser Zeit entwickelt, die er aus dem Gedächtnis und aus Gesprächen mit anderen zusammengetragen hat. Zuschauer mit Ostbiografie werden manches davon wiedererkennen und dabei eigene Assoziationen entwickeln. Wie aber werden Westdeutsche oder gar Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen den Film aufnehmen? Darauf ist Niefeld selbst gespannt, wenn sein Film in Leipzig erstmals vor einem internationalen Publikum aufgeführt.

Schemenhaft wie die Erinnerung

Zu diesem Text, der hervorragend von Profisprecher Henrik Wöhler eingesprochen und mit einer Soundkulisse von Kay Schober unterlegt wurde,  hat Hendrik Niefeld eine reduzierte Bildsprache entwickelt. Die aus groben, flächigen Grafiken bestehenden Bilder mögen am Anfang etwas irritieren. Das liegt vielleicht auch daran, dass das Auge von aktuellen Computeranimationen anderes an einen überbordenden Detailreichtum gewöhnt ist. Aber Niefeld hat sich bewusst für einfache Bilder entschieden. Sie entsprechen dem Wesen der Erinnerung, die ebenfalls weitgehend schemenhaft bleibt, aber an einigen Stellen doch voller Details steckt: in Riegen aufgestellte Schüler bei einem Appell in einer Turnhalle etwa oder ein Stapel mit bunten Plaste-Wäschekörben.

Animadok: Hendrik Niefeld über seinen Film

Portraitaufnahme des Animationskünstlers Hendrik Niefeld. Warmes Wasser Aus Der Wand Warmes Wasser Aus Der Wand

In "Warmes Wasser Aus Der Wand" reflektiert Hendrik Niefeld Erinnerungen an die DDR. Anhand von drei Szenen kommentiert er hier, was für ihn bei der Entstehung des Films eine Rolle gespielt hat. [Bilder]


Freundschaftsdienste

"Warmes Wasser Aus Der Wand" war ein persönliches Projekt von Hendik Niefeld und ist ganz ohne Geld entstanden. Die professionelle Unterstützung von Sprecher und Sounddesigner waren Freundschaftsdienste. Über Freundschaft soll es auch in seinem nächsten Film gehen, den er diesmal mit einem Budget realisieren möchte. Denn "Freundschaften", so Niefeld, "darf man nicht überstrapazieren."

Die Animadok-Filmreihe im Überblick

Filmausschnitt: Warmes Wasser Aus Der Wand Filmausschnitt: Wee Wise Words - Environment Filmausschnitt: 1989 (When I was 5 years old)

Animierte Dokumentarfilme - eine Besonderheit von DOK Leipzig. Dieses Jahr ganz frisch: Neun kurze Filme, direkt aus dem Leben gegriffen und kunstvoll animiert: Hier gibt's die Produktionen im Überblick. [Bilder]


Vorführungstermine

Do, 20.10.2011
9:15 Uhr und 17:00 Uhr
Passage-Kinos, Astoria

Zur Person

Hendrik Niefeld wurde 1977 in der Nähe von Berlin geboren und ist in Chemnitz aufgewachsen. Er studierte bis zum Vordiplom Kommunikationsdesign an der Burg Giebichenstein in Halle und arbeitete in Berlin als Designer und Animator. Von 2002 bis 2006 studierte er an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Am dort angesiedelten Institut für Animation, Visual Effects und digitale Postproduktion schloss er mit einem Diplom Film und Medien ab. Heute lebt er in Leipzig und ist als Filmemacher und Bildender Künstler tätig.

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