Animadok : Warmes Wasser Aus Der Wand
In dem Animationsfilm "Warmes Wasser Aus Der Wand" verarbeitet der Filmemacher Hendrik Niefeld seine Erinnerungen an die DDR. Zu sehen ist der Film bei DOK Leipzig in der Programmreihe "Animadok" - und exklusiv bei MDR.DE.
Filme und Fernsehbeiträge über die DDR sind oft ostalgisch-verklärend oder erinnern an geschehenes Unrecht oder bringen à la "Sonnenallee" die Vergangenheit in ein unterhaltsames Format. Auch Hendrik Niefeld blickt in seinem Animationsfilm "Warmes Wasser aus der Wand" auf die DDR zurück. Aber es ist kein wertender Blick, sondern eine Verarbeitung von persönlichen Erinnerungen an eine vergangene Zeit, die zugleich auch Teil der kollektiven Erinnerung sind.
Nur für Ostdeutsche?
Niefeld hat die Wende als Zwölfjähriger erlebt. Einen großen Teil seiner Kindheitserinnerungen durchziehen darum zahlreiche DDR-Erfahrungen, die sich vor allem sprachlich äußern. Als Grundlage seines Film hat er darum einen Text aus typischen Wendungen, Ausdrücke oder Phrasen aus dieser Zeit entwickelt, die er aus dem Gedächtnis und aus Gesprächen mit anderen zusammengetragen hat. Zuschauer mit Ostbiografie werden manches davon wiedererkennen und dabei eigene Assoziationen entwickeln. Wie aber werden Westdeutsche oder gar Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen den Film aufnehmen? Darauf ist Niefeld selbst gespannt, wenn sein Film in Leipzig erstmals vor einem internationalen Publikum aufgeführt.
Schemenhaft wie die Erinnerung
Zu diesem Text, der hervorragend von Profisprecher Henrik Wöhler eingesprochen und mit einer Soundkulisse von Kay Schober unterlegt wurde, hat Hendrik Niefeld eine reduzierte Bildsprache entwickelt. Die aus groben, flächigen Grafiken bestehenden Bilder mögen am Anfang etwas irritieren. Das liegt vielleicht auch daran, dass das Auge von aktuellen Computeranimationen anderes an einen überbordenden Detailreichtum gewöhnt ist. Aber Niefeld hat sich bewusst für einfache Bilder entschieden. Sie entsprechen dem Wesen der Erinnerung, die ebenfalls weitgehend schemenhaft bleibt, aber an einigen Stellen doch voller Details steckt: in Riegen aufgestellte Schüler bei einem Appell in einer Turnhalle etwa oder ein Stapel mit bunten Plaste-Wäschekörben.
Freundschaftsdienste
"Warmes Wasser Aus Der Wand" war ein persönliches Projekt von Hendik Niefeld und ist ganz ohne Geld entstanden. Die professionelle Unterstützung von Sprecher und Sounddesigner waren Freundschaftsdienste. Über Freundschaft soll es auch in seinem nächsten Film gehen, den er diesmal mit einem Budget realisieren möchte. Denn "Freundschaften", so Niefeld, "darf man nicht überstrapazieren."
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In diesem Artikel:
Vorführungstermine
Do, 20.10.2011
9:15 Uhr und 17:00 Uhr
Passage-Kinos, Astoria
Zur Person
Hendrik Niefeld wurde 1977 in der Nähe von Berlin geboren und ist in Chemnitz aufgewachsen. Er studierte bis zum Vordiplom Kommunikationsdesign an der Burg Giebichenstein in Halle und arbeitete in Berlin als Designer und Animator. Von 2002 bis 2006 studierte er an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Am dort angesiedelten Institut für Animation, Visual Effects und digitale Postproduktion schloss er mit einem Diplom Film und Medien ab. Heute lebt er in Leipzig und ist als Filmemacher und Bildender Künstler tätig.






