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Als 1952 in beiden deutschen Staaten das Fernsehen seine ersten Schritte unternahm, war das keine Stunde Null in Deutschland. DDR wie auch BRD konnten auf Erfahrungen und technische Hinterlassenschaften eines Fernsehens zurückgreifen, das in den Jahren der Hitlerherrschaft an die Öffentlichkeit getreten war.

Vielfach hat sich der Eindruck festgesetzt, die ersten Fernsehbilder seien während der Olympischen Spiele 1936 ausgestrahlt worden. Die Geburtsstunde des Fernsehens liegt aber auch in Deutschland wesentlich früher. Wo man sie genau ansetzt, bleibt allerdings Geschmackssache.

Technische Grundlagen am Ende der Weimarer Republik

Muss man diese Geburtsstunde bei den ersten "Kopiertelegraphen" im 19. Jahrhundert suchen, als erstmals Bildvorlagen zeilenweise abgetastet und per Draht Bildinformationen versandt wurden?
Oder kann man - wie die Nazis - Paul Nipkow als Erfinder des Fernsehens betrachten, weil der die Idee entwickelte, Bilder in Punkte zu zerlegen, ohne eine für das spätere Fernsehen praktikable Anwendung zu entwickeln?
Ist die Erfindung der Kathodenstrahlröhre im Jahre 1897, der "Braunschen Röhre", die vom Prinzip her unserer heutigen Fernsehbildröhre entspricht, der entscheidende Schritt gewesen?
Oder waren es die öffentlichen Aufführungen unscharfer bewegter Bilder auf der 5. Großen Deutschen Funkausstellung 1928, die man als Geburtsstunde bezeichnen kann?

1929 strahlte die Deutsche Reichspost die ersten drahtlosen Versuchs-"Fernsehbilder" aus. Für den Empfang benötigte man ein ganz normales Radiogerät, an das eine Bildröhre zusätzlich angeschlossen werden konnte. Gesendet wurden stehende Bilder und auch Ausschnitte aus Filmen. 1931 begleiteten bereits Tonübertragungen die bewegten Bilder.

Zunächst wurde auf der Seite des Bildgebers die mechanische, an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit stehende Nipkow-Scheibe eingesetzt. Anfang der 30-er Jahre führte Manfred von Ardenne die Braunsche Röhre auch für die Bildabtastung ein - damit war das vollelektronische Fernsehen auch in Deutschland entwickelt worden. Mit Hilfe des elektronischen Bildabtasters konnte die Präzision des Bildes auf ein Niveau erhöht werden, wie es für das spätere Schwarz-Weiß-Fernsehen Norm war. Vor allem ließen sich jetzt auch schnelle Bewegungen erfassen, ohne dass der Mensch am Bildschirm spürte, dass vor seinem Auge zahllose aneinander gereihte Bilder über die Fernsehbildröhre schossen.

Zum Ende Weimarer Republik waren - zeitgleich mit anderen führenden Industriestaaten - die technischen Bedingungen für das Fernsehen weitgehend geschaffen. Deutschland befand sich damit bei diesem Medium im internationalen Vorderfeld - das war beim 1923 geschaffenen öffentlichen Hörfunk noch nicht der Falle gewesen. Öffentlich genutzt wurde das Fernsehen in Deutschland freilich noch nicht.

Das Fernsehen wird "Führungsmittel"

Die 1933 zur Herrschaft gelangte Nazipartei verstand die öffentlichen Medien als "Führungsmittel" für die Gesellschaft. Vor allem das noch recht junge und daher auch die Menschen faszinierende öffentliche Radio setzte die Naziführung recht erfolgreich für ihre Ziele ein. Ausschlaggebend für den Erfolg war die Neuheit des Mediums, weniger die publizistische Qualität.

Es sollte noch ein, zwei Jahre dauern, ehe auch die Naziführer am Fernsehen Interesse fanden. Dass die Reichspost seit dem 1. April 1934 über den UKW-Sender Berlin-Witzleben nun einen regelmäßigen Fernseh-Versuchsdienst ausstrahlte, wurde von den neuen Herren weder gefördert noch behindert. Als dann im März 1935 über den nunmehrigen Fernsehsender Berlin-Witzleben der erste regelmäßige Fernsehprogrammdienst der Welt ausgestrahlt wurde, nutzte das der Nazistaat schon propagandistisch - auch dadurch, dass dieser Sender den Namen "Paul Nipkow" erhielt, der jetzt als Erfinder des Fernsehens gefeiert wurde und der sich als solcher auch feiern ließ.

Übergang zum öffentlichen Fernsehen

Von einem öffentlichen Fernsehen konnte noch immer keine Rede sein. Zur Mitte des Jahres 1935 gab es in Berlin gerade mal fünfzig Fernsehempfangsgeräte. Fernsehen war in der folgenden Zeit - auch während der Olympischen Spiele 1936 - vor allem in Berliner Fernsehstuben zu empfangen, wo das Fernsehbild auf große Bildwände projiziert wurde. Im Gegensatz zum Kino konnten aber weniger wegen Übertragungsqualität Zuschauer gebunden werden. Es war mehr der Reiz des technisch Neuen, der faszinierte.

Um einen störungsfreien Empfang zu sichern, begannen nach 1936 in Berlin auch Arbeiten, um Breitband-Ortskabel für Fernseh-Übertragungen zu verlegen. Neben Unternehmen und staatlichen Stellen erhielten bis zum Kriegsausbruch nur Fernsehstuben einen solchen Kabelanschluss. Auch in Hamburg gab es solche Aktivitäten, die ab 1941 Fernsehübertragungen an einigen wenigen Stellen erlaubten. Bombeneinwirkungen unterbrachen diese Versorgung aber schon 1943.

Fernsehen - eher ein Unterhaltungsmedium

Die ersten öffentlichen Fernsehprogramme wurden zunächst dreimal in der Woche für jeweils etwa anderthalb Stunden ausgestrahlt. Gezeigt wurden Filme - es gab aber auch schon "Ansager", die durch das Programm führten. Ein Viertel des Programms - so Schätzungen - waren vordergründige Propagandasendungen: Ansprachen oder Propagandastreifen. Wegen der geringen Reichweite des Fernsehens lohnte aber der Ausbau politischer Propaganda sich nicht. Leichte, unverfängliche Unterhaltung war dagegen weitaus stärker vertreten. Diese Tendenz verstärkte sich noch in der Kriegszeit. Auch die Sendezeit wurde weiter ausgebaut.

Während des Krieges wurden die wenigen Fernsehgeräte ausschließlich in Lazaretten aufgestellt. Nachdem der Bombenkrieg Sendeanlagen in Berlin zerstört hatte, beschränkte sich 1943 der Empfang auf die an Fernsehkabel angeschlossenen Geräte. Ende 1944 wurde das Fernsehen kriegsbedingt völlig eingestellt.

Geringe Verbreitung

Ein Massenpublikum konnte das Fernsehen im Nazireich nicht erreichen. Zwar war noch im Sommer 1939 ein erstes Fernsehempfangsgerät entwickelt worden, das auch für den Empfang in Wohnungen geeignet war. Der Kriegsausbruch verhinderte aber die geplante Massenproduktion. Das Gerät sollte einen 19,5 mal 22,5 Zentimeter großen Bildschirm besitzen. Das hätte einer "32-er Bildröhre" entsprochen.

Auch für Verbreitung über Berlin hinaus gab es neben der Verlegung von Breitbandkabeln, die selbst süddeutsche Großstädte schon erreicht hatten, einige Aktivitäten. Im April 1939 war noch ein weiterer Fernsehsender auf dem Brocken in Betrieb genommen worden Dieser Sender stellte aber schon zur Jahresmitte 1939 seinen Versuchsbetrieb vorerst wieder ein. Der Kriegsausbruch verhinderte weitere Versuche. Ein auf dem Feldberg geplanter Sender ging gar nicht erst in den Versuchsbetrieb.

Zuletzt aktualisiert: 07. Januar 2003, 11:21 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

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