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Lebensläufe

Der ewige Verführer - Giacomo Girolamo Casanova

Sendung vom 02. März 2003

"Ich bin kein typischer Verführer.
Verführt habe ich immer nur unbewusst,
wenn ich selber verführt wurde."
Giacomo Casanova

Ein Film von Bernd C. Langnickel

Man schreibt das Jahr 1752. Giacomo Casanova reist nach Dresden, um dort seine Mutter zu besuchen - Schauspielerin am Sächsischen Hoftheater, sowie seinen Bruder Giovanni - Maler an der Kurfürstlichen Akademie.

In seinen galanten Memoiren schreibt er: "Die ersten drei Monate meines Dresdner Aufenthaltes verbrachte ich damit, alle käuflichen Schönheiten kennen zu lernen. Ich fand, dass sie die Italienerinnen und Französinnen, was ihre körperlichen Reize anbelangt, noch übertreffen ..."


Giacomo Girolamo Casanova wurde am 02. April 1725 in Venedig geboren. Seine Eltern waren beide Schauspieler und von daher viel unterwegs. So kümmerte sich Großmutter Marzia häufig um den Kleinen - auch als sein Vater frühzeitig starb.

Giacomo interessiert sich bereits in jungen Jahren für Medizin und Wunderheilen, studierte aber im Alter von zwölf Jahren weltliches und kirchliches Recht an der Universität Padua. Auf der Grundlage seines Studiums der Theologie wird er Abbé und erhält Anfang 1741 die vier niederen Weihen. Seine geistliche Karriere gibt er jedoch nach drei Jahren auf.

1742 promovierte Giacomo Casanova zum Doktor der Rechte und praktizierte sogar 1746 bis 1749 in den Kanzleien der Notare Manzoni und Leze, jedoch erfüllte ihn diese Tätigkeit nicht. Er begann sich daher vermehrt dem Glücksspiel zu widmen.


In Venedig beginnt er eine Affäre mit zwei Nonnen des Klosters Santa Maria degli Angeli. Für diese Gottlosigkeit und aufgrund seines allzu lockeren Lebenswandels wird er 1755 in die venezianischen Bleikammern - eines der sichersten Gefängnisse dieser Zeit - eingekerkert. Offizieller Grund jedoch ist ein von ihm religiös recht leichtfertig vorgetragenes Gedicht sowie seine angeblich erwiesene Blasphemie. Casanova selbst wird der Grund und auch die Dauer seiner Verhaftung nicht mitgeteilt. Im Jahre 1756 gelingt ihm die Flucht aus den Bleikammern.

1757 wird Giacomo Casanova zum Direktor der französischen Lotterie in Paris ernannt. Er adelt sich zudem 1759 selbst, indem er sich den Namen "Chevalier de Seingalt" zulegt. Ein Jahr später schlägt ihn Papst Clemens XIII. zum Ritter des Goldenen Sporns und ernennt ihn zum Apostolischen Protonotar extra urbem.



Im Jahre 1760 begann seine große Wanderfahrt, die bis 1774 dauerte. Seine Reisen quer durch Europa führten den venezianischen Abenteurer sehr oft nach Sachsen. Er sah zahlreiche Länder und besaß insbesondere das Talent, auf seinen Reisen stets in den feinsten Kreisen zu verkehren.

So hielt sich Giacomo Girolamo Casanova, Chevalier de Seingalt, an den Höfen Friedrichs des Großen, Josephs II. und Katharinas der Großen auf und traf auf Persönlichkeiten seiner Zeit wie Voltaire, die Pompadour bis Cagliostro. Er wusste dabei seine Fähigkeiten geschickt einzusetzen. Als gesellschaftlich erfolgreicher Mann kannte er zudem Ludwig XV. und Friedrich II. von Preußen persönlich. Mit dem Maler Anton Raphael Mengs und dem Altertumsforscher Winckelmann pflegte er enge Freundschaften. Und er beeindruckte Päpste und Kardinäle mit seinen Reden.


Als er 1785 - der Abenteuer müde - seinen Lebensabend als Bibliothekar beim Grafen Waldstein auf Schloss Dux in Nordböhmen verbringt, fand er endlich Zeit und Besinnung seine Lebenserinnerungen niederzuschreiben. 1787 erschien die "Geschichte meiner Flucht", die in französischer Sprache in Prag herausgegeben wurde und mit der Casanova sehr berühmt wurde.

Seine umfangreichen Memoiren "Histoire de ma vie" (15 Bände in französischer Sprache), wurden allerdings erst 1821 in Auszügen veröffentlicht. Sie sind heute von hohem kulturhistorischem Wert, da sie der Nachwelt einen Einblick ins 18. Jahrhundert verschaffen. In über 20 Sprachen sind Casanovas Werke bisher übersetzt worden. In erster Linie jedoch erregten sie wegen der beschriebenen frivolen erotischen Abenteuer Aufsehen und fanden so einen großen Leserkreis.

1798 erkrankt Giacomo Girolamo Casanova an einem schweren Blasenleiden und stirbt am 4. Juni 1798 in Dux und wurde auf dem Friedhof St. Barbera beigesetzt. Die Stelle seines Grabes - durch die Umgestaltung des Friedhofes in einen Park - ist heute nicht mehr bekannt.

Giacomo Girolamo Casanova, Chevalier de Seingalt - war eine der schillerndsten Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts. Sein Name wurde zum Synonym für die hohe Kunst der Verführung. Er gilt als unersättlicher Liebhaber, tollkühner Reisender, Spion, Politiker, Lebemann, Magier, Spieler, Künstler und Schriftsteller.

Wie eine Zeitreise erscheinen die kaum bekannten sächsischen Episoden des berühmten Abenteurers, die zu seiner außergewöhnlichen Biographie voller Leidenschaft, Phantasie und Romantik mit Geheimnissen, Intrigen und Affären gehören ...

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2003, 12:33 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

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