Reportagen & Dokumentationen

MDR FERNSEHEN | 23.12.2012 | 08:45 Uhr : Super-Mama im Advent

Allein mit Kindern, Kerzen und Karriere

Wie bewältigen Alleinerziehende den Alltag? Woraus schöpfen sie ihre Kraft? Und wie kommen sie durch die oftmals stressige Advents- und Weihnachtszeit? Zwei alleinerziehende Mütter erzählen von ihrem Alltag zwischen Kindern, Haushalt und Arbeit.

Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern stellen in Deutschland eine wachsende Familienform dar. Von den rund 8,2 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern in Deutschland sind inzwischen knapp 20 Prozent alleinerziehende Mütter oder Väter, so geht es aus dem "Monitor Familienforschung" über Alleinerziehende in Deutschland hervor. Sie fällen wesentliche Entscheidungen für das Kind allein. Alleinerziehende Mütter bilden dabei die größte Gruppe. Doch wie meistern sie die Herausforderungen, die alltäglich auf sie warten? Wo bleiben die Mütter selbst? Autorin Elisabeth Enders sucht nach Antworten und hat zwei Familien in der Adventszeit besucht.

In der Zwickmühle

Janet Deppe und ihre Kinder
Janet Deppe und ihre Kinder ziehen an einem Strang.

Familie Deppe aus Nordhausen freut sich auf Weihnachten. Janet und ihre drei Kinder lieben vor allem die Adventszeit mit den vielen kleinen Ritualen, zum Beispiel den Besuch des Erfurter Weihnachtsmarktes. Doch dieser Ausflug mit dem Zug ist schon ein kleiner Luxus, den sich die Familie zusammenspart. Denn das Geld in der Haushaltskasse ist immer knapp. Obwohl Janet nicht nur voll, sondern sogar in Schichten und auch mal am Wochenende arbeitet. Bewältigen kann die 40-Jährige den Alltag nur mithilfe ihrer Tochter Luisa, die nicht mehr zu Hause wohnt.

Ohne ihre Älteste wäre die Arbeit in einem Erlebnisbad für Janet undenkbar. Jeder Tag wird vorher genau besprochen und geplant, weil die Kinder dann allein klarkommen müssen. Luisa kümmert sich um die jüngeren Geschwister, wenn Mama fünf Uhr morgens zur Frühschicht aufbricht - mittlerweile Routine für die 19-Jährige. Doch auch wenn Janet ihre Große hinter sich weiß, bleibt doch ihre Sorge um die jüngeren Kinder. Die dreifache Mutter steckt in der Zwickmühle zwischen der Notwendigkeit, Geld zu verdienen, und dem schlechten Gewissen, ihre Kinder nicht optimal betreuen zu können.

"Durchhalten ist sicherlich schwer. Man merkt das auch. Irgendwann möchte man eigentlich auch nur noch ins Bett fallen!"

Janet Deppe

Hinzu kommt das Gefühl, dass sie und ihre Leistung kaum beachtet werden und sie als alleinerziehende Mutter am Rande der Gesellschaft steht. Umso wichtiger sind ihr die kleinen Fluchten, die sie für sich und die Kinder ermöglicht. Zeit und Muße für ein paar besinnliche Stunden zu haben, erfordert eine präzise Planung.

Eine Aneinanderreihung von Pflichten

Der Alltag von Alleinerziehenden ist kein Kinderspiel. Im eng gestrickten Zeitplan aus Kindergarten, Schule, Job und Haushalt ist es eben nur ein Erwachsener, der immer und für alles zuständig ist und die eigenen Bedürfnisse hinten anstellt. "Eine unendliche Aneinanderreihung von Pflichten", so beschreibt es auch Kristina Rabenseifner.

"Ich habe inzwischen gelernt, dass man die anstehenden Aufgaben in handhabbare Päckchen teilen muss."

Kristina Rabenseifner

 Kristina Rabenseifner
Kristina Rabenseifner stemmt den Alltag mit zwei Kindern.

Doch während sich bei Familie Deppe in Nordhausen der Vater nicht um seine Kinder kümmert, müssen Kristinas Kinder ihren nicht missen. Jeden Mittwoch und jedes zweite Wochenende ist er für seine Töchter da - eine große Entlastung für Kristina, ihre Auszeit. An solchen Tagen kann sie dann auch mal Weihnachten vorbereiten.

Trotzdem muss Kristina den Alltag mit Schule und Arbeit allein bewältigen. Ihre zwei Töchter sind noch zu klein, um selbst Verantwortung im Haushalt zu übernehmen. Besonders stressig sind die Morgenstunden, wenn die achtjährige Antonia zur Schule, die fünfjährige Ann-Kristin in den Kindergarten und sie selbst zur Arbeit muss. Und am späten Nachmittag hat sie mit ihren Kindern gerade noch zwei gemeinsame Stunden, bevor diese zu Bett gehen. Für Kristina ist der Tag dann noch nicht zu Ende, denn der Haushalt wartet.

"Manchmal bin ich am Ende meiner Leistungsfähigkeit, weil ich alle Parts erfüllt habe: Rasen gemäht, das Knie verpflastert, die Hausaufgaben betreut, das Mittagessen gekocht und die nächste Betreuung für die nächste Woche organisiert habe."

Kristina Rabenseifner

In diesen stressigen Momenten fehlt er dann, der Lebenspartner, der einen in den Arm nimmt, der einen Teil der Hausarbeit und der Kindererziehung schultert. Keine der beiden Frauen wollte alleinerziehend sein. Aber nun ist es eben so und sie versuchen, nicht nur für ihre Kinder, sondern auch für sich selbst das Beste daraus zu machen. Denn ihre Arbeit möchten die beiden Frauen trotzdem nicht missen.

Zuletzt aktualisiert: 24. Dezember 2012, 07:57 Uhr

Ein Film

von Elisabeth Enders

Buchtipps

"Alleinerziehende in Deutschland - Lebenssituationen und Lebenswirklichkeiten von Müttern und Kindern - Monitor Familienforschung",
herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend,
Ausgabe 28, 2012

"Alleinerziehend. Tipps und Informationen",
herausgegeben vom Verband Alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V.,
Bonn: VAMV 2012
zu beziehen über das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK