Reportagen & Dokumentationen

MDR FERNSEHEN | 27.12.2012 | 08:20 Uhr : Wildes Russland - Die Arktis (4/6)

Film von Uwe Anders

Russlands Arktis reicht über 6.000 Kilometer von der norwegischen Grenze bis nach Alaska. Endlose Eiswüsten und sturmumtoste Inseln mit geheimnisvollen Namen: Novaya Semyla, Taymir oder die legendäre Wrangelinsel. Hier sammeln sich Eisbären, Walrosse und tausende Seevögel.

Die Eisbären der Wrangel Insel warten im Sommer auf die Ankunft der Walrosse

Im März beginnt das Eis des Weißen Meeres im Westen der russischen Arktis zu brechen. Tausende von Sattelrobben versammeln sich nun, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Robbenbabys wiegen bei der Geburt gerade mal zehn Kilo, weniger als ein Zehntel ihrer Mütter. Für die Kleinen ist jetzt nur eines wichtig: Fressen und Wachsen. Und zwar schnell. Denn die Robbenmütter füttern ihre Babys nur zwölf Tage lang. Danach bleiben die Kleinen allein auf dem Eis, bis sich ihr dunkles Fell entwickelt hat und sie allein ins Meer aufbrechen.

Eisbären kommen fast nie in diese Region. Die größten Landraubtiere der Erde sind weit draußen auf dem Polarmeer. Hier finden sie leichter Beute. Eine Bärin mit fast erwachsenen Jungen. Nur selten begegnen sie anderen Artgenossen, denn zum Winterende hat das Meereis seine größte Ausdehnung. Schon bald wird das Eis schmelzen und die Könige der Arktis müssen an Land.

Jetzt sind sie noch weiß und niedlich und warten ungeduldig auf die nächste Mahlzeit. Etwa siebenmal täglich begrüßen sich Mutter und Kind zur Fütterung. Robbenmilch ist extrem nahrhaft. Gut zwei Kilo nehmen die Babys pro Tag zu. Wenn die Mütter aufhören zu stillen, haben die Kleinen etwa 35 Kilogramm erreicht und sind gut gewappnet für ihr späteres Leben.

Schneekranich
Der Schneekranich ist einer der seltensten Vögel der Erde.

Es ist Mai, 4.000 km weiter im Osten in Nordjakutien. Einer der seltensten Vögel der Erde hat hier schon im Winter sein Nest gebaut: Ein Schneekranich. Nur zwei- bis drei Tausend gibt es noch. Sie brüten ausschließlich in Russland. Schneekraniche brauchen menschenleere, endlose Wildnis, wie sie nur Russlands arktische Tundra bieten kann. Die Vögel reagieren äußerst nervös auf jede Störung – solche Aufnahmen sind daher extrem selten. Noch einmal 1000 Kilometer weiter östlich liegt die Wrangelinsel.

Von hier ist Alaska nicht mehr weit. Jedes Jahr im Mai kommen Schneegänse aus ihren nordamerikanischen Überwinterungsgebieten auf die Insel nah der Beringstraße. In der einzigen Brutkolonie Russlands bevölkern 50.000 Gänsepaare ein hochgelegenes Tal.

Sommer in der Arktis

Ende Juni. In der russischen Arktis hält der Sommer Einzug. Die Tundra zeigt für kurze Zeit ihre verborgenen Schätze: Arktischer Mohn, Silberwurz und Leimkraut. Die Brutsaison ist jetzt in vollem Gange. Kiebitzregenpfeifer, Schneeammer - und Eiderente genießen die warmen Tage. Noch liegen die Temperaturen oft nur knapp über Null. Schneeregen ist da keine Seltenheit, und die Tiere sind daran gewöhnt. 

Polarfuchs 2
Der Eisfuchs ist immer auf der Suche nach Nahrung.

Juli ist der wärmste Monat in der Arktis. Die grüne Tundra in der Ebene bietet jetzt Nahrung für alle. Bei den Eisfüchsen in den Bergen gibt es dieses Jahr nur wenig Nachwuchs. Auf die Eltern warten gerade einmal zwei Junge. Und die sind für ihr Alter viel zu klein. Der Grund: Es gibt hier diesen Sommer fast keine Lemminge. Die Mutter kommt nur selten und bringt kaum Nahrung. Die Schneeeule wiederum kann nicht auf Gänseküken als Nahrung ausweichen. Sie ist auf Lemminge angewiesen. 

Schleiereule 4
Der Nachwuchs der Schneeeule ist hungrig.

Die Jungen betteln, aber die Mutter hat keine Nahrung mitgebracht. In solch schlechten Lemmingjahren brüten viele Schneeeulen gar nicht erst. In diesem Nest sind immerhin zwei Junge, statt der üblichen zehn. Aber eines ist deutlich schwächer. Doch nicht nur die Eulen haben zu kämpfen. Auch nordische Seevögel müssen hart im Nehmen sein. Selbst im Sommer kann der Wind Packeisfelder heran treiben. Was eben noch ein Wasserfall war, ist im nächsten Moment zu Eis erstarrt.

Im Oktober steigen die Temperaturen nicht mehr über den Gefrierpunkt - der Winter ist endgültig zurück. Die Eisbären werden nur noch wenig Zeit an Land verbringen. Wenn die ersten Packeisfelder auf die Küste treffen, wird es Zeit für die großen Bären in ihre gefrorene Welt aufzubrechen. Eine Welt, in die ihnen niemand folgen kann. Der hohe Norden ist immer noch ein Platz, an dem die Natur die Regeln vorgibt und nicht der Mensch. Schon bald wird die Sonne für Monate hinter dem Horizont verschwinden. Dann versinkt Russlands Arktis wieder in Finsternis, nur erhellt vom geheimnisvollen Schein des Nordlichts.

MDR FERNSEHEN | 27.12.2012 | 08:20 Uhr : Wildes Russland - Die Arktis (4/7)

Arktis Arktis Sattelrobbe 1

MDR FERNSEHEN | 24.12.2012 | 08:30 Uhr: Wildes Russland - Der Kaukasus (1/6)

Der Kaukasus ist eine Welt voller Vielfalt und Gegensätze: Sandwüsten und eisige Gletscher, blubbernde Schlammvulkane und dichte Wälder, Sandstürme und Lawinen. Seltene Tierarten haben hier ein Zuhause gefunden. [mehr]


MDR FERNSEHEN | 25.12.2012 | 08:30 Uhr : Wildes Russland - Der Ural (2/6)

Die Weiten des Urals sind Gegenstand der zweiten Folge "Wildes Russland". Man findet mystische Steinansammlungen, hungrige Bären und Wölfe, die selten gewordenen Nerze und eine ganz außergewöhnliche Wildbiene. [mehr]


MDR FERNSEHEN | 26.12.2012 | 21:00 Uhr : Wildes Russland - Sibirien (3/6)

Wegen eines schussligen Engels soll Gott Sibirien mit eisiger Kälte bestraft haben. Trotz der extremen Kälte leben dort seit Jahrtausenden Menschen und Tiere. In der Republik Jakutien herrschen Temperaturen bis -70 °C.
[mehr]


MDR FERNSEHEN | 28.12.2012 | 08:20 Uhr : Wildes Russland - Der Ferne Osten (5/6)

Der Ferne Osten ist ein wildes, von wenigen Menschen besiedeltes Gebiet. Die Region an der Pazifikküste ist einer der artenreichsten Lebensräume Russlands und das Reich des Amurtigers. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 22. November 2012, 11:43 Uhr

Die Arktis

Die Arktis ist die nördliche Erdregion und
bedeckt die nördlichen Teile der drei Kontinente Nordamerika, Asien und Europa, sowie das Nordpolarmeer.

Die Bezeichnung Arktis leitet sich von dem altgriechischen Wort árktos ἄρκτος "Bär" ab. Das Adjektiv arktikós "arktisch" "nördlich" bezeichnete das Land unter dem Sternbild des Großen Bären.
Der Polarstern liegt mit nur knapp 44 Bogenminuten Abweichung nahezu senkrecht über dem Nordpol und gehört heute zum Sternbild Kleiner Bär. Arktos – "letztes Licht" – war auch eine der römischen Horen, und Bezeichnung der Himmelsrichtung Norden.

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