Der Osten - Entdecke, wo du lebst | MDR FERNSEHEN | 26.03.2013 | 20:45 Uhr : DDR geheim - Die Honeckers in Beelitz
Sommer 1990. Die Honeckers sind auf der Flucht vor dem eigenen Volk. Das zentrale Militärhospital der sowjetischen Streitkräfte in der DDR, die Heilstätten Beelitz, werden zum letzten Zufluchtsort des entmachteten Staatsratsvorsitzenden und seiner Frau in Deutschland. Axel Bulthaupt war noch einmal dort.
Am 3. April 1990 fährt in den Beelitzer Heilstätten, dem Militärhospital der Westgruppe der Roten Armee, ein besonderer Konvoi vor. Margot und Erich Honecker, bis vor wenigen Monaten noch unantastbar an der Spitze der DDR, sind auf der Flucht vor dem eigenen Volk. Die sowjetische Enklave nahe Berlin ist das letzte Asyl der Honeckers vor dem Ende der DDR. Axel Bulthaupt erzählt die Geschichte der letzten Tage der Honeckers in Beelitz.
Beelitz - Letzter Zufluchtsort in Deutschland
Im politisch brisanten Frühling des Jahres 1990 befindet sich das Ehepaar Honecker auf der Flucht vor dem eigenen Volk. Eine eigene Wohnung haben die Honeckers nicht mehr und auch ihre Konten sind eingefroren. Zunächst gewährt ihnen der Lobetaler Pfarrer Uwe Holmer Quartier. Dann soll der noch vor kurzem mächtigste Mann der DDR auf Anweisung Hans Modrows im Gästehaus der Regierung in Lindow unterkommen. Doch nach Protesten von Anwohnern müssen die Honeckers weiterziehen und finden Asyl im sowjetischen Militärhospital in den Beelitzer Heilstätten. Die Anlage ist militärisches Sperrgebiet und damit die letzte Enklave des Sozialismus auf deutschem Boden. Der ideale Zufluchtsort für den ehemaligen Staatsratsvorsitzenden und seine Frau Margot, die ehemalige Ministerin für Volksbildung.
Luftbäder gegen Tuberkulose
Aber die Beelitzer Heilstätten waren nicht immer den Militärs vorbehalten. Am Anfang des 20. Jahrhunderts in der Nähe Berlins erbaut, entwickelte sich der Komplex zu einer der größten und modernsten Lungenheilstätten der Welt. Mit 60 Häusern und Betten für bis zu 1.200 Patienten sollten in dem kleinen Ort Beelitz-Heilstätten Kranke Behandlung und Genesung erfahren. Arbeiter und Angestellte, Männer und Frauen sollten sich von der grassierenden Tuberkulose erholen. Außerhalb der Gebäude erhielten alle Patienten in den Liegehallen zweimal täglich sogenannte Luftbäder. Doch bereits im Ersten Weltkrieg bezog das Militär die Kuranlagen. Mehr als 12.500 Soldaten wurden bis 1919 in Beelitz verpflegt und behandelt. Einer von ihnen war der Gefreite Adolf Hitler, der sich, wie er selber schrieb, in den "blütenweißen Laken" von einer Verletzung im linken Oberschenkel durch einen Granatsplitter erholte.
Honeckers Hoffnung auf ein normales Leben
Erich Honecker hat wenig Veranlassung, dem Ort, an den ihn seine Flucht führte, und dessen Geschichte größere Beachtung zu schenken. Für ihn ist die Gegenwart wichtiger, denn in der DDR, dem Land, das er bis vor Kurzem regierte, läuft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn. In der Arztvilla in Beelitz lebt er sicher vor dem Zugriff der DDR-Behörden - beschützt und versorgt durch die sowjetischen Genossen. Diese erweisen ihm den gewohnten Respekt und auch für den Komfort der Honeckers wird alle erdenkliche Sorge getragen. Die Hoffnung allerdings, von der neuen Regierung eine Wohnung zu bekommen und wie ganz "normale" Bürger behandelt zu werden, erfüllt sich nicht.
Über Moskau nach Chile
Am 13. März 1991 geht die Flucht der Honeckers weiter nach Moskau. Dort finden sie Unterschlupf in der chilenischen Botschaft. Nach der Auslieferung an Deutschland am 29. Juli 1992 wird Erich Honecker in die Justizvollzugsanstalt Berlin-Moabit gebracht und wegen Totschlags an 68 Mauertoten angeklagt. Nach 169-tägiger Untersuchungshaft wird der Krebskranke schließlich im Januar 1993 als "verhandlungsunfähig" entlassen und fliegt nach Chile zu Tochter Sonja. Dort stirbt er im Mai 1994. Im selben Jahr zieht die Rote Armee aus den Beelitzer Heilstätten ab.
Buchtipps
Reinhold Andert und Wolfgang Herzog: "Der Sturz: Erich Honecker im Kreuzverhör"
455 Seiten,
Berlin und Weimar: Aufbau-Verlag 1991
ISBN: 3-351-02060-0
Reinhold Andert: "Nach dem Sturz. Gespräche mit Erich Honecker"
205 Seiten,
Leipzig: Faber und Faber 2001,
ISBN: 3-932545-80-X









