Reportagen & Dokumentationen

MDR FERNSEHEN | 27.12.2012 | 10:15 Uhr : Faszination Feuerwerk

Wenn Raketen den Himmel verzaubern

ein buntes Silvesterfeuerwerk am Himmel

Ein Film von Henrike Sandner

Am Anfang war der Knall. Ausgelöst durch Schwarzpulver. In einem Feuerwerksbuch von 1610 wird beschrieben, dass das hochexplosive Pulver aus Holzkohle und Schwefel besteht. Dabei handelt es sich um eine rein zufällige Entdeckung aus dem fernen China. Man vermutet, dass taoistischen Mönche im 6./7. Jahrhundert auf der Suche nach einem Elixier für Unsterblichkeit diese explosive Mischung durch Zufall entdeckten. Die Kaiser haben damals viel Geld für die "Erfindung" ausgegeben und die Mönche mischten allerlei zusammen - eben auch das Schwarzpulver. Die Feuerwerkerei in China diente aber eher dem Kriegshandwerk, man war nicht künstlerisch ambitioniert. Mit den Böllern hat man böse Geister vertrieben, in der Kriegsführung hat man mit dem enormen Lärm versucht, die Feinde abzuschrecken.

Das Feuer in Europa

China hat zwar die lauten Knalleffekte erfunden, aber nicht das Feuerwerk. Nach dem kriegerischen Einstand des Feuerwerks in Europa entwickelte sich auch das friedliche Spiel mit dem Schwarzpulver. Die Zeit des Barock zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert gilt bis heute als die Blütezeit der Kunst, mit Feuer Bilder zu malen. Es wurden Schiffe und Drachen gebaut, die dann in Flammen aufgingen. Erdacht haben solche Wunder zuerst italienische Feuerwerker - sie waren die Meister. In Europa hat es dann rund 60 Leute geben, die in der Lage waren ein Feuerwerk durchzuführen. Ein neuer Berufsstand entwickelte sich und erblühte besonders zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert. Er allein schuf die Feuerwerkskunst für das Theater der Mächtigen, spielte mit Feuersonnen, Raketen und Feuerschalen.

Feuerwerk anlässlich des Friedens von Lunéville, Paris 1801

Im Verlauf der Geschichte durchlebt das himmlische Feuer so manche Wandlung. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts ging dem prunksüchtigen Adel das Geld aus. Doch das Feuerwerk lebte weiter – zum Vergnügen der Bürger. Es begann dann auch eine Zeit, in der die Vergnügungsparks erfunden wurden. 1865 lockte erstmals der Londoner Vergnügungspark Crystal Palace das Publikum zu einem Kunstfeuerwerk. Das Lichtspiel wurde nun aber kleiner. Vorbei war es mit den aufwendigen Feuerwerkspalästen. Die konnte sich keiner mehr leisten, Darstellungen für eine neue Zeit entstanden. Aber aus barocker Zeit blieben die Feuerräder, Puppen und Gestelle. Und am Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die frei verkäuflichen Feuerwerkskörper noch hinzu, die Raketen und Knaller. Das Feuerwerk war beim Volk angekommen.

Die Herstellung der Feuerwerkskörper hat sich seit Jahrhunderten kaum geändert. Die explosive Grundmischung blieb gleich. Das Schwarzpulver ist immer noch der Grundstoff dafür, dass am Himmel Feuersterne strahlen.

Zuletzt aktualisiert: 24. Dezember 2012, 13:45 Uhr

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