MDR FERNSEHEN | 17.07.2012 | 22:05 Uhr : Die Honeckers privat
Ein Film von Thomas Grimm und Ed Stuhler
Margot und Erich Honecker - ein Ehepaar an der Macht. Sie als Volksbildungsministerin, er als Staatsratsvorsitzender, beide prägten jahrelang das Schicksal der DDR. Am Ende scheiterten beide. Der Untergang der DDR bedeutete Flucht und Exil. Erich Honecker wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Seine Frau lebt noch heute in Chile - eine Rückkehr nach Deutschland kommt für sie nicht in Frage.
Der MDR zeichnet die Lebenswege der Honeckers nach. Margot und Erich Honecker sind ein Vierteljahrhundert das einflussreichste Ehepaar der DDR. Er steht 18 Jahre als Generalsekretär an der Spitze der SED, seine Frau leitet 26 Jahre das Volksbildungsministerium. Der Film zeigt den privaten und politischen Werdegang zweier überzeugter Kommunisten - vom Beginn ihrer Liebe 1949 bis zum Ende der DDR 1989. Weggefährten berichten über den gemeinsamen Aufstieg in der FDJ, über das Durchsetzen politischer Ziele, aber auch über Privatleben und Charaktereigenschaften der Honeckers. Der Film gibt Einblicke in den privilegierten, aber auch isolierten Alltag der Honeckers in Wandlitz.
Unbekannte Facetten der Familie
Erstmals werden bisher unbekannte Facetten der Familie Honecker gezeigt: Sie lernen sich in Moskau zu Stalins 70. Geburtstag kennen: Sie ist 22 Jahre. Er ist 15 Jahre älter, verheiratet und seine Frau erwartet ein Kind. Das junge Liebespaar verstößt gegen spießige Moralvorstellungen der SED und setzt damit seine Karrieren aufs Spiel. In dieser schwierigen Zeit wendet sich Erich Honecker mit Liebesbriefen an Margot und stellt die Liebe über die Politik. 1953 heiraten Erich Honecker und Margot Feist, schon 1952 wird ihre gemeinsame Tochter Sonja geboren. Erich Honecker ist seit 1946 FDJ-Vorsitzender, 1958 wird er Politbüromitglied. Margot wird Vorsitzende der Pionierorganisation und 1963 mit 35 Jahren Volksbildungsministerin.
1971 wird Walter Ulbricht gestürzt. Erich Honecker inszeniert seine Machtübernahme und wird der mächtigste Mann der DDR. Doch mit dem politischen Aufstieg einher geht die private Entfremdung. Die Familie lebt jetzt in der Waldsiedlung Wandlitz, Wohnort des gesamten Politbüros, und wird streng von der Außenwelt abgeschirmt. Erich Honecker wird zum leidenschaftlichen Jäger. Im Naturschutzgebiet Schorfheide, östlich von Berlin, streift er allein durch die Wälder. Doch das Verhältnis zu seiner Frau wird zu einer politischen Zweckgemeinschaft. Die Ehe ist an einem Tiefpunkt angekommen: Jeder geht seine eigenen Wege. Das Eheleben ist nun stark geprägt durch die große emotionale Bindung an die Enkel, die Kinder der gemeinsamen Tochter Sonja. Der überraschende Tod der zweijährigen Enkelin 1988 löst bei den Honeckers tiefe Trauer aus.
Die Honeckers verlassen das politische Parkett
Erst nach ihrem Sturz 1989 finden Erich und Margot Honecker privat wieder zueinander. Der Fall der Mauer und die anschließende dreijährige Flucht schweißt das Ehepaar zusammen. Bei ihrer Tochter Sonja in Chile finden sie ein neues und letztes Zuhause. Die letzten Monate seines Lebens wird Erich Honecker von seiner Frau aufopferungsvoll gepflegt. Als er 1994 in Chile stirbt, hat Margot Honecker ihre Pflicht gegenüber dem Genossen Honecker erfüllt und zieht sich ins Private zurück.
