MDR FERNSEHEN | 25.11.2012 | 17:15 Uhr : Geschäfte mit der Einsamkeit
Goldene Zeiten für Kuppler
Ein Film von Ilka Franzmann und Mirella Pappalardo
In den vergangenen Jahren ist eine eindrucksvolle Industrie entstanden, die nichts anderes im Sinn hat, als Single-Mann und Single-Frau zu verkuppeln. Etwa 180 Millionen Euro Umsatz hat sie 2009 in Deutschland erzielt.
Die Angebote der Kuppler reichen von Kontaktanzeigen in der Zeitung über Partneragenturen, okkultistische Orakel-Offerten und vergnüglichen Single-Events bis zu TV-Kuppel-Formaten und unzähligen Dating-Optionen im Online-Universum. Und der Zuspruch bestätigt: Die Partnersuche ist zum Massenphänomen geworden. Gleichzeitig warnen Verbraucherschützer massiv vor Betrügereien in der Branche.
Singlebörsen, Partnervermittlungen und Chatportale
Von etwa 16 Millionen deutschen Singles sind monatlich sieben Millionen im Internet auf Partnersuche. Online-Partnerbörsen haben etwa ein Drittel des gesamten Kuppelmarktes erobert. Und schon etwa 5,4 Millionen Deutsche haben im Internet einen Partner fürs Leben gefunden. Das geht nicht immer schnell und leicht ist es auch nicht, die richtige Singlebörse zu finden. Bei etwa 1.000 deutschen Vermittlungsagenturen erfordert dies Geduld und manchmal auch Spucke: Die Preise für die Single-Agenturen belaufen sich auf einen monatlichen Beitrag zwischen 5 und 60 Euro. Angeboten werden sogenante niedrigschwellige Vermittlungen mit unkompliziertem Anmeldeverfahren, einfachen oder keinen Persönlichkeitstests bis hin zu Anbietern die nur spezielle Menschen vermitteln möchten. Sparten gibt es einige, z.B. Singles ab 30 mit überdurchschnittlichem Einkommen.
Diese exklusiven Anbieter sieben die Masse ihrer Singles ordentlich durch: Aufwendige Persönlichkeitstest werden gemacht, ausgewertet, Ergebnisse mit denen anderer Singles verglichen und eine sich ergebende Anzahl an Berührungspunkten zum Anlass einer Vermittlung genommen oder eben nicht. Leider gibt keine der Agenturen eine Garantie für eine erfolgreiche Vermittlung ab. Aber auch Chat-Portale bedienen inzwischen die Blütenträume der Einsamen. In diesen Portalen ist es möglich, elektronische Kommunikation in Echtzeit zu betreiben. Bedauerlicherweise indiziert diese Art des Kennenlernes bei einsamen Menschen häufig eine Art virtuelle Verliebtheit: Erst schreiben und später telefonieren sie begeistert miteinander. All das läuft perfekt, sorgt für irreale Aufregung im realen Alltag. Sitzen die Menschen sich dann gegenüber, sind sie dennoch oft enttäuscht: Wir Menschen neigen dazu, ein recht verzerrtes Bild von uns selbst abzugeben, und auf einige Entfernung ist es leicht möglich, uns verschönt darzustellen.
Speed-Dating
Eine eher geringfügig genutzte Möglichkeit des Kennenlernens (25.000 Leute pro Jahr) ist die des Speed-Datings, des schnellen Blind Dates. Die Regeln sind einfach: Zwei Unbekannte setzen sich an einen Tisch und jeder hat drei Minuten Zeit, sein Gegenüber zu befragen. Danach trifft man für die nächsten sechs Minuten auf einen weiteren Kandidaten usw. Besteht nach Abschluss der Veranstaltung weiterhin Interesse aneinander, kann man sich die gewünschte Telefonnummer vom Vermittler holen, vorausgesetzt, der andere hat seine Einwilligung dafür gegeben, weil er oder sie ebenfalls Interesse hat. Beim Speed-Dating treffen eher kontaktfreudige junge Menschen aufeinander. Schüchterne, aber vor allem ältere Menschen nutzen bevorzugt Kontaktanzeigen in Zeitungen, um ihrem Liebeskummer ein Ende zu bereiten.
