Porträt : Ursula Karusseit - eine Vollblutschauspielerin
Eine Vollblutschauspielerin
Ursula Karusseit ist seit Jahren ein Publikumsliebling par excellence. Sie spielt seit 1998 in der Krankenhausserie "In aller Freundschaft", die inzwischen die erfolgreichste Arztserie des deutschen Fernsehens ist. Doch berühmt wurde sie am Theater. An vielen deutschsprachigen Bühnen, von Berlin über München und Zürich bis nach Köln, hat sie in großen Rollen ihren Facettenreichtum bewiesen.
Ursula Karusseit kennt man heute vor allem als Serienstar. In der beliebten ARD-Serie "In aller Freundschaft" spielt sie die Kantinenwirtin und die flotte Haushälterin der Familie Heilmann, Charlotte Gaus. Als gute Seele der Sachsenklinik erobert sie wöchentlich die Zuschauerherzen.
Doch Ursula Karusseit hat schon seit 42 Jahren ihr Herz an die Schauspielerei verloren. Mit den großen DDR-Fernseh-Mehrteilern "Wege übers Land" und "Daniel Druskat" hat sie Fernsehgeschichte geschrieben. Dabei ist sie zuallererst eine Theaterfrau. Zu ihren Theater-Paraderollen zählt die Elisa im "Drachen", die sie über 650 Mal spielte. Aber auch als Prostituierte Shen Te in Brechts Stück "Der gute Mensch von Sezuan" blieb sie dem Publikum in Erinnerung. Nach der Wiedervereinigung war Ursula Karusseit im Unterschied zu manch anderen Ost-Kolleginnen weiterhin in Film und Fernsehen präsent. Heute ist sie außerdem als Regisseurin gefragt und unterrichtet an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg.
Schicksalhafte Begegnungen im Krieg und Nachkrieg
Die Familie der Schauspielerin stammt aus Elbing bei Danzig. Im Januar 1945 musste sie ihre Heimat verlassen und wuchs in Mecklenburg auf. Ihre schicksalhaften Begegnungen im Krieg und Nachkrieg haben es ihr ermöglicht, starke Charaktere zu spielen. Der beeindruckende DEFA-Film über Ernst Thälmann entschied letztendlich ihre Berufswahl. Doch bevor sie an der Berliner Theaterhochschule studieren durfte, musste sie auf Geheiß des Vaters eine kaufmännische Lehre absolvieren. 1960 ging sie dann doch nach Berlin und widmete sich ganz der Schauspielerei. Die Volksbühne von Max Reinhard und Erwin Piscator war lange ihr künstlerisches Zuhause. Drei Jahre vor der Wende kündigte sie jedoch und ging ans Theater in Köln. Als langjährige Ehefrau des Schweizer Regisseurs Benno Besson durfte sie schon vor der Wende in den Westen reisen.
Ursula Karusseit spielt wieder Theater
Mit dem Verschwinden der DDR hat Ursula Karusseit auch Verluste empfunden. 1991 spielte sie in Frankfurt am Main in "Maria Stuart", danach wurde sie erst einmal arbeitslos. 1994 wurde ihre Ehe mit Benno Besson geschieden. Doch seit 1998 ging es wieder aufwärts: Sie heiratete ihren langjährigen Lebensgefährten und stieg in die Serie "In aller Freundschaft" ein. Doch nach wie vor beschränkt sie sich nicht auf Film- und Fernseharbeit. Mit ihrem Serienkollegen Thomas Rühmann arbeitet sie an einem neuen Theaterprojekt: "Mitten in Amerika" erzählt grimmige Geschichten über die Zerstörung der Natur im Osten und die "lukrative" Schweinehaltung. Und so fährt Ursula Karusseit mit ihrem Wohnmobil zu jeder Aufführung nach Zollbrücke in den Oderbruch.



