Russlands Wahl - Putins Poker | MDR FERNSEHEN | 01.03.2012 | 00:50 Uhr : Ein Artikel zu viel - Die Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja
Ein Film von Eric Bergkraut
Die russische Journalistin Anna Politkowskaja wird am 7. Oktober 2006 in Moskau erschossen. Dass ihr Mord ausgerechnet mit dem Geburtstag von Vladimir Putin zusammenfällt, ist wohl kein Zufall. Doch es war nicht der erste Versuch, diese konsequente und doch so sanfte Menschenrechtsaktivistin zu beseitigen. Besonders durch ihr Engagement für das tschetschenische Volk war sie der Russischen Regierung immer ein Dorn im Auge. Der Film zeichnet den persönlichen und politischen Weg einer unerschrockenen Journalistin nach.
Anna Politkowskaja wurde 1958 in New York geboren. Sie besaß ihr Leben lang auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Ihre Eltern, sowjetische Diplomaten, arbeiteten damals bei den Vereinten Nationen. Anna wuchs in einem politisch interessierten Elternhaus auf, studierte Journalismus und arbeitete anschließend bei verschiedenen Zeitungen und Verlagen in Russland.
Bekannt wurde die Journalistin und Autorin durch zahlreiche Reportagen und Bücher über den Krieg in Tschetschenien. Sie berichtete furchtlos über Korruption im russischen Verteidigungsministerium und dem Oberkommando der Streitkräfte in Tschetschenien. Damit gehörte sie zu den wenigen Journalisten, die kontinuierlich und kritisch aus der Krisenregion berichteten. Sie deckte Verbrechen der russischen Armee und der mit ihnen verbündeten paramilitärischen tschetschenischen Gruppen auf.
Sie belastete enge Verbündete Putins
Auf ihren Reisen durch Tschetschenien sah sie gefolterte Menschen und Massengräber. Sie wurde Zeugin von unrechtmäßiger Bereicherung durch Raub, Korruption, Unterschlagung oder Veruntreuung im Kriegsgebiet. Darüber schwieg sie nicht, sondern belastete auch eng Verbündete Putins. Anna Politkowskaja sprach vom schmutzigen Krieg, der die ganze Welt entwürdigt und dem wahrscheinlich schon mehr als 200.000 von 800.000 Tschetschenen zum Opfer gefallen sind. Ihre Ermordung 2006 ist ein Drama - nicht nur für ihre Familie. Sie ist ein politischer Akt, eine Bilanz der Ära der Präsidentschaft Putins, eine unbequeme Journalistin einfach aus dem Weg zu räumen.
Exklusive Archivaufnahmen und Sequenzen - ein einzigartiger Schatz
Der Film zeichnet anhand exklusiver Archivaufnahmen und ebensolcher neuer Kontakte und Sequenzen den persönlichen und politischen Weg der Anna Politkowskaja nach. Er stellt eine intime Nähe zur Protagonistin her und zeigt die Journalistin sowohl privat als auch auf der Bühne, in Moskau wie in Genf. Der Film des Regisseurs Eric Bergkraut ist ein einzigartiger Schatz, denn Anna Politkowskaja war ein reservierter Mensch. Er fasst den neusten Stand der Ermittlungen zur Ermordung der Menschenrechtsaktivistin zusammen, von offizieller wie von oppositioneller Seite. Dazu kommen die Bilder der Überwachungskameras vom 7. Oktober - aus dem Supermarkt wie vor Annas Haus. Ergänzt werden diese Sequenzen durch Interviews mit Weggefährten, wie z.B. dem ehemaligen Schachweltmeister Kasparow, durch Statements der offiziellen Untersuchungsorgane - sowie durch intime Aussagen von Familienmitgliedern. Der Zuschauer wird die Bilder vom Mord nach einer Stunde anders sehen, weil er ein Stück russischer Gegenwart verstanden hat. Durch die Bekanntschaft mit dieser konsequenten, aber auch sanften Frau.



