Russlands Wahl - Putins Poker | MDR FERNSEHEN | 26.02.2012 | 23:40 Uhr : Putin und der Westen: 1. Machtwechsel im Kreml
Die Jahre 1999 - 2003
Die Dokumentationsreihe des MDR und der BBC zeigt den Aufstieg Putins zum Kremlchef bis heute. Durch Aussagen von Politikern wie Chirac, Schröder, Steinmeier und Berlusconi gewinnt man Einblicke in die große Politik. Die ersten beiden Folgen dokumentieren die Jahre 1999 bis 2006.
Putin wurde im März 2000, als Wunschkandidat Jelzins, im zum neuen Präsidenten gewählt. Damit war er nach Jelzin der zweite Präsident Russlands nach Ende der Sowjetunion.
Putins Wirtschaftsreformen
Der neue Kremlchef hat ehrgeizige Ziele. Russland sollte wieder einen respektablen Platz unter den Weltmächten einnehmen. Das Land war aber chronisch pleite. Putin wollte die Russen dazu bringen, ihre Einkommenssteuer zu bezahlen. Er zentralisierte die Einkommenssteuer und senkte sie auf 13 Prozent. Dadurch erhoffte er sich massive Steuereinnahmen. Damit der Plan eine Chance bekommt, musste Putin jedoch die Oligarchen auf seine Seite ziehen. Diese waren es gewohnt, die Regierungspolitik maßgeblich zu beeinflussen. So traf sich Putin unter anderem mit Medienmogulen, den Chefs von den weltweit größten Gas-, Nickelunternehmen, Russlands Ölgiganten, und auch mit Michael Chodorkowski, dem Inhaber eines rasant wachsenden Ölkonzerns. Doch was geschieht mit Unternehmern, die nicht nach Putins Pfeife tanzen wollen?
Putin versus Bush
Ein Jahr nach Putins Machtantritt bekam Amerika einen neuen Präsidenten, George W. Bush. Der Kalte Krieg war zwar vorbei, aber das Misstrauen beider Staaten war natürlich gegenwärtig. Beide Seiten verfügten immer noch über riesige nukleare Arsenale. Agenten lauerten in den Botschaften beider Länder.
Ein weiterer Knackpunkt war der Vertrag über Raketenabwehrsysteme, die beide Staaten noch zu Zeiten des Kalten Krieges unterschrieben hatten. Die Streitigkeiten darüber gerieten nach dem 11. September in ein anderes Fahrwasser und Russland stand vor der schweren Entscheidung die NATO in ihr Land zu lassen. Der Militärbund war auf Russland angewiesen, wollte er doch die Al Quaida in Afghanistan angreifen. Aber kein Mitglied der NATO hatte Militärstützpunkte in der Nähe. Die früheren Sowjetrepubliken Zentralasiens aber schon.
Geheuer war das Russland nicht. Ein halbes Jahrhundert Kalter Krieg und nun baten die Amerikaner um Einlass. Das wollte sich Putin teuer bezahlen lassen und so schlug er den Amerikanern vor, Russland in die NATO aufzunehmen. Natürlich wusste er, dass er damit die Hardliner in Washington und in Moskau erzürnen würde. Vereinbart wurde schließlich ein Bündnis zwischen USA und Russland im Bedarfsfall.
Vereint gegen Terrorismus
Die neue Liaison der beiden Weltmächte sollte Putin auch im Tschetschenien-Krieg nützlich werden. Seit dem 11. September stärkten die USA Putin beim Thema Tschetschenien den Rücken. Präsident Bush sah beide Staaten im Kampf gegen Terrorismus vereint und versuchte damit auch Russlands Unterstützung gegen den Irak zu bekommen. Putin lehnte diesen Krieg zwar ab, wollte aber finanziell daran gewinnen und so stieg der Ölpreis stetig. Durch eine hohe Steuer auf Ölexporte sollten dem Staat Anteile gesichert werden. Damit begann ein Kampf zwischen Putin und Russlands reichstem Mann, den Öltycoon Michael Chodorkowski. Es wurde ein Krieg um Demokratie.



