MDR FERNSEHEN | 26.12.2012 | 21:00 Uhr : Wildes Russland - Sibirien (3/6)
Ein Film von Tobias Mennle
Die dritte Folge der Serie "Wildes Russland" führt uns nach Sibirien. Das Land steht für klirrende Kälte und einsame, eisige Weite. Es ist das Reich der Polarfüchse, Eisbären und Walrösser. Doch auch hier, in diesem Eisschrank der Natur, leben seit Jahrtausenden Menschen: die Jakuten mit ihren Rentierten. Jakutien ist Russlands größte Republik und gleichzeitig, mit 70 Grad Celsius unter Null, der Kältepol Sibiriens.
Jakutien - der Kältepol Sibiriens
Glaubt man einer alten Sage, schuf Gott die Erde und schickte einen Engel mit einem Sack voller Reichtümer über Sibirien. Als dieser Jakutien überflog, wurden ihm vor Kälte die Finger steif, und er ließ alles fallen. Gold, Silber, Platin fielen auf die Erde und aus Zorn über den Verlust, bestrafte er diesen Landstrich mit einem ewig anhaltenden Winter.
Nirgends auf der Erde werden größere Temperaturdifferenzen gemessen als in Jakutien. Obwohl die Temperaturen im Sommer auf über 30° C steigen, vermögen sie es nicht, den Permafrost zu besiegen. Bis zu 1500 Meter tief hat sich die Kälte in die Erde gefressen. Im Sommer taut nur die Oberfläche auf.
Seit Jahrtausenden lebt in Sibirien das Volk der Jakuten mit Rentieren eng zusammen. Die Tiere werden als Last-, Zug- und Reittiere eingesetzt. Sie dienen aber auch als Nahrungsquelle. Häufig besitzen vier bis fünf Züchterfamilien gemeinsam eine Herde aus 1.500 bis 2.000 Tieren. In freier Natur kann eine Herde schon mal aus 100.000 Tiere bestehen.
Von Zarengeschenken und Baikalrobben
Das Fell der sibirischen Zobel schmückte einst Zaren und Könige. Manch einer wagte sich nur in die sibirische Kälte, um Jagd auf den Zobel oder andere Pelztiere zu machen. Besonders schöne Zobelfelle mussten als Tribut an die russische Krone abgeliefert werden. Die sogenannten Kronenzobel waren über Jahrhunderte beliebte Geschenke der Zaren an ausländische Würdenträger. Bis heute ist der Zobel der wertvollste Pelz. Der kleine Marder muss heutzutage eher vor Raubtieren auf der Hut sein, als vor Menschen. Seit Jahren sinkt die Nachfrage nach Pelz.
Der Baikalsee ist mit seinen 1.642 Metern der tiefste Süßwassersee der Erde und mit seinen mehr als 25 Millionen Jahren auch der älteste. Ausschließlich hier kann man Baikalrobben finden. Es ist die einzige Robbenart, die nur im Süßwasser zu Hause ist.
Wissenschaftler glauben, dass vor etwa 500.000 Jahren einige Ringelrobben aus dem Eismeer den großen Fluss Jenissej hinaufschwammen. Schließlich kamen sie in den Baikalsee und durch die jahrtausendelange Isolation entstand eine neue Art. Ihre dicke Speckschicht schützt die Tiere vor der sibirischen Kälte.
Herrscher der sibirischen Wälder
Weiter südlich, in der Taiga, kann man unter anderem Bekanntschaft mit Braunbären, Schwarzbären, Vielfraßen oder auch dem Pfeifhasen machen. Ihren Namen erhielten die Tiere wegen der hohen Töne, die sie als Warn- und Erkennungssignal von sich geben. Sibirien gilt aber auch als Wolfsland. Etwa 40.000 Wölfe leben in der russischen Taiga. Mitte des letzten Jahrhunderts waren es noch fünfmal so viele. Doch als wahre Herrscher der sibirischen Wälder gelten nicht Bär oder Wolf, sondern die Waldameisen. Sie sind beflissene Jäger und Sammler und können bis zu 10.000 Insekten täglich erbeuten.



