MDR FERNSEHEN | Der Osten – Entdecke wo Du lebst | 15.01.2013 | 20:45 Uhr : Sperrzone Taucherwald - Atomraketen in Sachsen
Mythen und Legenden ranken sich um den Taucherwald bei Bischofswerda. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges gehörte das Gebiet zu dessen heißesten Plätzen. Hermetisch wurde der Raketenstützpunkt nach außen abgeriegelt.
Ein Wald voller Raketen
Der Taucherwald bei Bischofswerda gehörte von 1983 bis 1988 zu den am schärfsten abgeschirmten Militärplätzen Europas. Auf dem unscheinbaren Waldgebiet unweit der A 4 standen die Abschussrampen acht sowjetischer Mittelstreckenraketen vom Typ SS-12, jede von ihnen bestückt mit einem nuklearen Gefechtskopf mit einer Sprengkraft so groß wie etwa 33 Hiroshima-Bomben. Ihre einprogrammierten Ziele lagen in Westeuropa und hätten im Falle des Abschusses Städte wie Mailand, Genf, Paris oder London getroffen. Vor allem aber hatten sie US-amerikanische Pershingraketen-Stellungen im Westen im Visier.
Kontakt nach außen unerwünscht
Zuständig für den Stützpunkt im Taucherwald war ab 1984 die 119. Raketenbrigade der Sowjetischen Streitkräfte. In einer Nacht- und Nebelaktion war zwei Jahre zuvor das rund 170 Hektar große Waldstück eingenommen und zum Sperrgebiet erklärt worden. Drei Sicherheitsbereiche schirmten das Gelände von der Außenwelt ab, Kontakt mit den Bewohnern der umliegenden Dörfer war unerwünscht. Innerhalb des Sperrgebiets wurden die mobilen Startrampen der Raketen immer wieder neu positioniert, um den Gegner zu verwirren. Der ehemalige sowjetische Offizier Nikolai Andrejewitsch Skiba erzählt: "Wir arbeiteten sozusagen im Rotationsbetrieb, waren jeweils 14 Tage im Diensthabenden-System eingebunden. Jeweils Montag gab es dazu ein Telefonat mit dem Oberkommando in Moskau, hier direkt aus dem Taucherwald heraus."
Abzug auf Anordnung
Das Ende des Raketenstützpunktes besiegelte im Dezember 1987 der INF-Vertrag zwischen der Sowjetunion und den USA. Michael Gorbatschow und Ronald Reagan vereinbarten darin die Vernichtung aller Mittelstreckenraketen. Unter dem Applaus von Schaulustigen und Funktionären rollten die Züge mit den Raketen schließlich am 25. Februar 1988 vom Bahnhof Bischofswerda zur Vernichtung in Richtung Osten. Vielen Anwohnern wurde erst in diesem Moment bewusst, auf welchem Pulverfass sie jahrelang gesessen hatten. Der Taucherwald war noch bis 1991 militärisches Sperrgebiet.
Filmaufnahmen, Geheimdienstdokumente, Zeitzeugenberichte
Die Reportage "Sperrzone Taucherwald - Atomraketen in Sachsen" beleuchtet anhand historischer Filmaufnahmen, bisher unveröffentlichter Geheimdienstberichte und Zeitzeugenaussagen Hintergründe der Atomwaffen-Stationierung in dem Wäldchen nahe Bischofswerda. Sowjetische und amerikanische Militärs aber auch Anwohner berichten über ihren Alltag auf und nahe dem Stützpunkt, am Dienstag, 15. Januar 20:45 Uhr im MDR FERNSEHEN.



