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Lebensläufe | MDR FERNSEHEN | 17.01.2013 | 23:05 Uhr : Der kleine Trompeter – Fritz Weineck

Ein Film von Steffen Jindra

Über den "Kleinen Trompeter", der korrekter Weise "Kleiner Hornist" heißen müsste, ist nicht viel bekannt. Man weiß zumindest, dass er im Spielmannszug des "Roten Frontkämpferbundes" Hornist war. Doch wie kam es zu seiner Popularität und dazu, dass sich Erich Honecker bei seiner Beerdigung genau dieses Lied wünschte?

Fritz-Weineck-Denkmal in Reinstedt

Das Lied vom kleinen Trompeter ist fast jedem Menschen mit DDR-Sozialisation bekannt. Es wurde in der Schule auswendig gelernt; Straßen, Schulen und Plätze nach ihm benannt. 1964 entstand der DEFA-Film "Das Lied vom Trompeter" von Konrad Petzold und der Kinderbuchverlag Berlin brachte die Taschenbuchreihe "Die kleinen Trompeterbücher" heraus. Die Geschichte über Fritz Weineck erschien als erster Band der Reihe.

Wer war Fritz Weineck?

Fritz Weineck (1897-1925) ca. 1914 als Weltkriegsrekrut in der Uniform eines Landsturmmannes.
Fritz August Weineck ca. 1914 als Weltkriegsrekrut in der Uniform eines Landsturmmannes.

Viel ist über den späteren Helden nicht bekannt - gerade deswegen eignete er sich wunderbar für eine Heldengeschichte. Fritz August Weineck wird 1898 in Halle-Glaucha, einem Arbeiterviertel geboren. Seine Eltern stammen aus einfachen Verhältnissen. Glaucha ist die Gegend der Ärmsten der Armen. Nach seiner Lehre als Bürstenbinder wird er mit 17 Soldat im Ersten Weltkrieg. Als er nach Halle zurückkehrt, brodelt es an allen Ecken. Der Mitteldeutsche Aufstand von 1921 wird blutig niedergeschlagen. Hunger, Arbeitslosigkeit und Polizeigewalt lässt viele Menschen in die Kommunistische Partei eintreten.

Fritz Weineck, auch von Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot betroffen, gehörte als Hornist einem Spielmannszug des "Rot Front Kämpferbundes" (RFB) an. Der RFB war ein paramilitärischer Verband der KPD, der auch gegen rechte Gewalt aktiv war. Als im März 1925 Ernst Thälmann im Hallenser Volkspark zu seinen Wählern sprechen will, kam es zu Tumulten. Ein Hornsignal erklang - dann schoss die Polizei über achtzig Mal in die Menge. Es gab zahlreiche Verletzte und zehn Tote. Auch Fritz Weineck starb duch einen Schuss. Der "Blutfreitag" von Halle löste einen Skandal aus, die Polizisten wurden freigesprochen, der Polizeipräsident trat zurück. Tausende Menschen erwiesen den Toten des "Blutfreitags" die letzte Ehre. Die Gräber der Volkspark-Opfer wurden nach 1933 eingeebnet.

Trompeter-Lied und Legende

Es wird vermutet, dass das Lied bei der Beerdigung das erste Mal erklingt. Die Melodie wurde von dem Soldatenlied "Von allen Kameraden" übernommen, wer den Text gedichtet hat, weiß man nicht. Das Lied gilt damals als Ohrwurm und wird auch in der DDR zu jeder erdenklichen Gelegenheit gespielt. Die eigentliche Geschichte des Fritz Weineck gerät aber in Vergessenheit. Erst 30 Jahre nach seinem Tod begannt Otto Gotsche seinen Roman über ihn. Das war auch der Start der Märtyrerlegende. 1964 entstand der DEFA-Film "Das Lied vom Trompeter" von Konrad Petzold. 1958 wurde das Denkmal vom "Kleinen Trompeter" in Halle eingeweiht. Die Plastik stammt vom halleschen Bildhauer Gerhard Geyer.

Der Kleine Trompeter nach 1989/90

1990 wurde das Denkmal Ziel einer Farbattacke und Mitte der 90er-Jahre wurde es dann von seinem angestammten Platz entfernt. Zurzeit steht die Plastik im Magazin des Stadtmuseums in Halle. Nach langem Streit wurde 1996 beschlossen, das Denkmal zu restaurieren. Das Geld dafür spendete der Mann, der für das Denkmal einst Modell gestanden hat und heute Chefarzt in einer Klinik am Tegernsee ist. Mitglieder der PDS forderten die Wiederaufstellung des Denkmals, da zwar in der DDR ein einseitiges Geschichtsbild vermittelt wurde - "Der kleine Trompeter" nun aber als Sinnbild für die Arbeiterbewegung wieder an die Öffentlichkeit sollte. Der Direktor des Stadtmuseums Halle, Bernd Werner ist gegen das Wiederaufstellen. Er meint, Weineck "war zwar eine historische Person, jedoch bei Weitem keine historische Persönlichkeit".

Das Denkmal des Kleinen Trompeters wird in der gegenwärtig neugestalteten Dauerausstellung zur Geschichte der Stadt Halle seinen Platz finden. Der erste Teil ist ab November 2012 zu sehen. Diese Ausstellung wird nicht in der herkömmlichen historisch-chronologischen Weise aufgebaut sein, sondern nähert sich der Stadtgeschichte auf verschiedenen Themeninseln. Eine davon betrachtet die "Stadt als Gemeinschaft". Hier wird auch das Denkmal präsentiert .

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2013, 11:16 Uhr

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