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ECHT! | MDR FERNSEHEN | 11.12.2007 | 21:15 Uhr

Die Psychologie des Schenkens

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, sagt der Volksmund. Das sehen auch Wissenschaftler so. Sie gehen davon aus, dass Schenken eine wichtige Funktion auch in unserer modernen Gesellschaft erfüllt: Es soll das "soziale Überleben" sichern.

Für unsere frühen Vorfahren war das Schenken ein Mittel, um ihr eigenes Überleben und das ihrer Sippe zu sichern: Man gewann auf diese Weise Liebespartner und Verbündete. Heute können wir überleben, ohne unser Essen zu teilen oder Präsente an unsere Nachbarn zu verschicken. Trotzdem ist das Schenken nicht aus der Mode gekommen.

Soziologieprofessor Helmuth Berking von der TU Darmstadt hat sich intensiv mit dem Thema Schenken beschäftigt - mit den begleitenden Ritualen und dahinter liegenden Motiven. Eines scheint ihm sicher: Schenken hat jenseits der Präsente etwas mit Liebe, Sympathie, Anerkennung und Vertrauen zu tun.

"Sie können nicht in den Supermarkt gehen und für 20 Euro Vertrauen kaufen. Sie können nirgendwo Sympathie kaufen. All diese sozialen Bindungen können Sie offensichtlich nicht auf dem Markt der Waren erwerben, wohl aber durch soziale Praktiken, von denen das Schenken die zentrale ist."

Prof. Helmuth Berking
TU Darmstadt

Ein schmaler Grat

Doch Schenken ist keine einfache Sache. Man wandelt auf einem schmalen Grat. Denn Geschenke transportieren Botschaften und die zeigen auch, wie man einen anderen sieht oder gerne sehen möchte. Wer den zu Beschenkenden nicht aufmerksam wahrnimmt, tritt deshalb ganz schnell ins Fettnäpfchen. Manch einer nimmt es mit Humor, ein falsches Geschenk kann aber auch Beziehungen zerstören, statt sie zu festigen. Bekommt man etwas geschenkt, sagt Professor Berking, dann will man auch als derjenige, der man ist oder sein möchte, anerkannt werden.

"Wenn Sie zum fünften Mal eine Krawatte geschenkt bekommen, wäre es aus meiner Sicht an der Zeit, über die Beziehung nachzudenken."

Prof. Helmuth Berking
TU Darmstadt

Feingefühl ist nach Berkings Ansicht auch angebracht, wenn es um den materiellen Wert eines Geschenkes geht. Unbewusst schätzen viele beim Kaufen ab, was ihnen ihr Gegenüber schenken wird. Niemand will gerne in der Schuld des anderen stehen. Seine Zuneigung in Gold und Diamanten auszudrücken, kann sehr unangemessen sein.

"Jedes Geschenk verpflichtet zu irgendeiner Art von Antwort. Wenn Sie ganz exponentiell teure Geschenke machen, nehmen Sie dem anderen im Grunde die Möglichkeit, angemessen darauf zu antworten."

Prof. Helmuth Berking
TU Darmstadt

Gekonnt reagieren

Das passende Geschenk zu finden, ist beim Schenken eine der Hürden, die genommen werden muss. Sich angemessen über etwas zu freuen, die andere. Schenken ist nach Ansicht von Professor Berking eine Art Sprache, die erlernt werden muss. Der Nehmende müsse kleine Überraschungsrufe von sich geben, das verpackte Ding betasten und raten, was drin sein könnte. "Da spielen wir alle Theater", meint der Soziologe aus Darmstadt. Aber wichtig und schön sei das alles schon:

"Wenn Sie jemanden für einen Augenblick glücklich machen, dann sind Sie möglicherweise auch für einen Augenblick glücklich. Und das ist die ganze Anstrengung schon wert."

Prof. Helmuth Berking
TU Darmstadt

Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2007, 10:32 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

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