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Echt | 29.05.2012 | 21:15 Uhr : Rückkehr nicht aussgeschlossen

Die Bilder sind aus Afrika und Australien bekannt: Zu Milliarden fallen Heuschrecken über die Felder her und vernichten die Ernten. Doch könnte es auch in unseren Breiten wieder zu einer Invasion dieser Tiere kommen? "Echt" stellt die Meinungen der Wissenschaftler dar.

Wanderheuschrecke

Normalerweise  mögen es  Wanderheuschrecken heiß, sie sind in tropischen Regionen zu Hause. Es ist außerordentlich selten, dass sie weit in den Norden vordringen. Doch ausgeschlossen ist es nicht. Am Zoologischen Institut in Halle werden die Tiere zu Versuchszwecken gezüchtet. Jede einzelne Heuschrecke kann an einem Tag so viel fressen, wie sie wiegt: etwa zwei bis drei Gramm. Dreimal kann ein Weibchen in seinem dreimonatigen Leben brüten und so bis zu 200 Nachfahren zur Welt bringen. Die befruchteten Eier werden bis zu 20 cm tief im Sand abgelegt und mit einem weißen Eischaum vor dem Austrocknen geschützt. In warmen Gefilden schlüpfen die jungen Hüpfer nach einem Jahr. Ihr Hunger ist gewaltig, nach sechs Wochen sind die Tiere geschlechtsreif. 

Eigentlich sind Wanderheuschrecken Einzelgänger. Doch wenn sie in heißen, feuchten Sommern viel Nahrung finden, regt sie das an, Schwärme zu bilden. Auf der Suche nach Nahrung ziehen dann Milliarden Tiere durchs Land. Ihr Leistungsvermögen ist beeindruckend.

"Wir haben herausgefunden, dass die Tiere nonstop ohne Probleme 200 km weit fliegen können. Ähnlich wie bei Ausdauersportlern schaltet ihr Körper dabei schnell in die Fettverbrennung. Das macht sie außerordentlich leistungsfähig."

Prof. Hans-Jörg Ferenz, Zoologe an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Ihre Bekämpfung ist heute so schwierig wie 1693. In China wird tonnenweise Gift versprüht - bislang die wirksamste Waffe. Doch die weitflächige Bekämpfung mit Pestiziden verseucht Boden und Grundwasser. Die Bauern tragen schwere gesundheitliche Schäden davon. Das Zoologische Institut in Halle forscht im Rahmen von UNO-Hilfsprogrammen nach umweltverträglichen Methoden. So laufen Versuche, die Schwarmbildung mit Duftstoffen einzudämmen. In der Praxis geht die Plage derzeit weiter. Lediglich, wenn die Brutplätze der Tiere rechtzeitig gefunden und zerstört werden, besteht die Möglichkeit, das große Fressen zu verhindern.

"Speziell durch die Klimaerwärmung könnten Heuschrecken auch in nördlichen Gefilden gute Brutbedingungen vorfinden. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir auch hier Heuschreckenschwärmen begegnen."

Prof. Hans-Jörg Ferenz, Zoologe an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2012, 15:56 Uhr

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