ECHT | 29.11.2011 | 21:15 Uhr : Der Blutregen zu Leipzig
Das Leipziger Land am 8. Juni 1553: Vom Himmel fällt rötlich aussehender Regen, langsam wird er immer stärker. Schließlich klebt scheinbar überall Blut. Das Ereignis geht als der Leipziger "Blutregen" von 1553 in die Annalen ein. War es tatsächlich Blut, das damals vom Himmel fiel?
Die Menschen im mittelalterlichen Leipzig glaubten zunächst, dass der "Blutregen" eine Strafe Gottes für ihre Sünden sei. Das Blut stamme von den Gefallenen der Kriege, sei verdunstet und regne an gleicher Stelle wieder ab.
100 Jahre später fiel in der Region wieder rötlicher Regen. Damals waren es Kapuziner-Mönche, die seinem Rätsel teilweise auf die Spur kamen. Die Mönche ließen eine Probe über Nacht stehen. Dann wurde deutlich, dass sich oben eine helle Flüssigkeit und auf dem Boden des Glases staubfeiner, roter Sand abgesetzt hatte.
Sahara färbt den Regen
Was die Kapuziner damals entdeckten, war Wüstensand, der sehr wahrscheinlich vom südlichen Rand der Sahara stammte. Denn dort gibt es ein seltenes Phänomen. Zwischen zwei Bergen, der so genannten Bodélé-Senke, bildet der Wind eine Art Düse. Die sorgt dafür, dass der Sand mit ungeheurem Druck nach oben gewirbelt wird.
100 Millionen Tonnen Sahara-Sand pro Jahr
Auf diese Weise verliert die Sahara pro Jahr 900 Millionen Tonnen Sand. 500 Millionen Tonnen trägt der Wind Richtung Süden, 300 Millionen Tonnen nach Westen in Richtung Amerika und immerhin 100 Millionen Tonnen Sahara-Sand pro Jahr Richtung Norden, also nach Europa. Ein Teil dieses Sandes ist rot gefärbt.
Wissenschaftler suchen in 15 Kilometer Höhe nach Wüstensand
Im Leipziger Institut für Troposphärenforschung gehen Wissenschaftler dem Blutregen-Phänomen auf den Grund. Wenn es draußen dunkel wird, wird ein starker Laserstrahl gen Himmel geschickt. 15 Zentimeter breit schießt der Laser bis in zehn Kilometer Höhe. Für das menschliche Auge unsichtbar trifft der Laser dort auf die Staubwolke aus der Sahara und wird wieder nach unten reflektiert. Unten messen hochsensible Computerprogramme, wo sich der Sahara-Staub genau in der Luft befindet.
Die Ergebnisse sind verblüffend: An einem ganz normalen Frühsommertag steht eine riesige Wolke aus Sahara-Staub über Leipzig und im Durchschnitt passiert das sogar neunmal im Jahr. Und so war es auch am Abend des 8. Juni 1553. Damals wurde aus dem Sahara-Staub "Blutregen", in dem er sich mit Regenwolken vermischte und zu Boden fiel.
In Wirklichkeit ist der "Blutregen" also nichts anderes als roter Wüstenstaub aus der Sahara, der zufällig auf eine Regenwolke trifft und abregnet.
"Blutregen" historisch keine Seltenheit
"Echt" hat recherchiert, dass es zuvor schon ähnliche Ereignisse gegeben hatte. So soll im Jahr 1006 in Magdeburg "Blut" vom Himmel geströmt sein. Auch im Mansfelder Land fiel im November 1548 "Blutregen" vom Himmel. Über Nacht war die ganze Landschaft in Rot getaucht, sogar die Flüsse und Bäche. Auch in der heutigen Zeit gibt es dieses Phänomen, zum Beispiel in Südindien im Jahr 2001, wo die Menschen ähnliche Erklärungen suchten wie die Leipziger im Jahr 1553. Denn in Indien glaubte man wegen des roten Regens, dass der Weltuntergang gekommen sei.
