Außenansicht der Geothermieanlage in Unterhaching.
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Echt | MDR FERNSEHEN | 23.05.2017 | 21:15 Uhr Fluch oder Segen – Heißer Dampf aus der Tiefe

Warum ausgerechnet hier, fragen sich viele Menschen aus Meiningen. Warum soll ausgerechnet vor meiner Haustür ein Geothermiekraftwerk entstehen? Beim Gedanken daran fürchten sie um ihr Hab und Gut. Erdbeben, Risse in Hauswänden, verseuchtes Grundwasser könnten die Folge sein, warnen Umweltexperten.

Außenansicht der Geothermieanlage in Unterhaching.
Bildrechte: Geothermie Unterhaching GmbH & Co KG

Auch weil eine dem gefährlichen Fracking ähnliche Technologie hierbei zum Einsatz kommt. Die Proteste zeigen Wirkung. Momentan liegt das Projekt auf Eis.

Gigantische Energiereserven im Untergrund

Für viele Experten aber ist das eine verpasste Chance. In 3.000 bis 5.000 Metern Tiefe schlummern gigantische Energiereserven, die niemals versiegen, meint Geotechniker Matthias Reich von der TU Freiberg. Sauberer als mit Geothermie, also mit Erdwärme, kann man heutzutage kaum Energie erzeugen. Es entstehen keine Schadstoffe, das Klima wird nicht belastet.

Sehr tiefe Bohrungen ins Erdinnere

In den neun deutschen Geothermiekraftwerken funktioniert das scheinbar auch ganz einfach: Kaltes Wasser wird ins Erdinnere gepresst, wo es sich am heißen Gestein erhitzt. Dann muss es über eine zweite Bohrung als Dampf wieder an die Erdoberfläche gelangen, um dort Turbinen anzutreiben, die Strom oder Heizenergie erzeugen. Nachteil, es müssen sehr tiefe Bohrungen ins Erdinnere vorgenommen werden.

Grafische Darstellung Geothermie
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Echt Di 23.05.2017 21:15Uhr 01:30 min

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Vielversprechende Probebohrungen in Schneeberg

Doch genau so soll demnächst auch im sächsischen Schneeberg Erdwärme für die Stromerzeugung genutzt werden. Die Probenbohrungen waren vielversprechend. Widerstand in der Bevölkerung gibt es bislang kaum. Hier wurde von Anfang an auch Aufklärungsarbeit geleistet.

Bayern: Erdstöße neben dem Geothermiekraftwerk

Dennoch kamen im Dezember 2016 schlechte Neuigkeiten aus Bayern. In Poing bebte viermal die Erde. Erdstöße mit einer Stärke bis 2,7 auf der Richterskala erschütterten den Untergrund. Seitdem geht dort die Angst vor weiteren Beben um. Als Ursache haben nicht nur viele Anwohner sondern auch Experten das nahe Geothermiekraftwerk in Verdacht. Am gewaltigsten haben sich Erdspannungen im Juli 2013 in Sankt Gallen entladen. Bei einer Magnitude von 4,6 auf der Richterskala hat es an einhundert Häusern zum Teil schwere Schäden gegeben.

Energiequelle der Zukunft?

Ist das Risiko zu groß? Oder ist der heiße Untergrund die Energiequelle der Zukunft? "Echt"-Moderator Sven Voss macht sich auf die Suche nach Antworten.

Zuletzt aktualisiert: 23. Mai 2017, 18:12 Uhr