Kiesabbau Rückmarsdorf
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Echt | MDR FERNSEHEN | 20.06.2017 | 21:15 Uhr Geschundene Landschaft - Kampf um den Kies

Es regt sich Widerstand im kleinen Rückmarsdorf in Leipzig. Grund dafür sind die Pläne für einen erweiterten Kiestagebau direkt vor der Haustür der Bewohner. Doch für viele Rückmarsdorfer ist dies völlig inakzeptabel. Die boomende Leipziger Bauindustrie brauche Nachschub, so das Argument der Betreiber. "Echt" berichtet vor Ort.

Kiesabbau Rückmarsdorf
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Vis-à-vis mit den Braunkohlebaggern –  nach einem Jahrhundert voller Staub, Ruß und Lärm, waren die Menschen im Leipziger Westen froh, als die riesigen Gruben und Tagebaulöcher endlich geschlossen wurden. So auch Steffi Lieberodt aus Rückmarsdorf. Sie wollte eigentlich alt werden in diesem idyllisch gelegenen Leipziger Stadtteil.

Nun aber soll es ganz anders kommen. Vor einem Jahr kündigt ein großes Unternehmen an, hier ihren Kiesabbau zu erweitern: 47 Hektar groß und genau neben dem kleinen Rückmarsdorf. Von dort soll der Nachschub dieses begehrten Rohstoffs für die boomende Leipziger Bauindustrie gesichert werden.

Kiesgrube mit Grafik und Zahlen zur jährlichen Fördermenge.
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Echt Di 20.06.2017 21:15Uhr 31:00 min

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Kein Kies mit Kies?

"Mit mir ist kein Kies zu machen", so Steffi Lieberodt. Schaut sie in die Zukunft, wird sie wütend und auch ein wenig ängstlich. Die riesige Kiesgrube soll erst 70 Meter vor den Haustüren und Gärten der Rückmarsdorfer enden. Doch Andreas Heilmann, Geschäftsführer des Baustoffunternehmens, das den Kiesabbau in Rückmarsdorf vorantreibt, hat einen Plan: "Ein acht Meter hoher Schutzwall wird die Wohngebiete vor Lärm und Staubbelästigung schützen", versichert er. Ab 2019 sollen jährlich 330.000 Tonnen Kies gewonnen werden.

Sorge um Lebensqualität

Kiesabbau Rückmarsdorf
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Die Pläne haben viele Rückmarsdorfer aufgeschreckt. Wieder geht es um Lärm, Dreck und Erschütterungen im Boden, wieder treibt sie die Sorge um ihre Lebensqualität an. Inzwischen hat sich Protest formiert, hunderte Rückmarsdorfer unterzeichneten eine Protestnote zudem wurde eine Bürgerinitiative gegründet. Unter dem Motto "Mit uns ist kein Kies zu machen" soll Druck auf die Stadtverwaltung ausgeübt und damit die Pläne für den Kiesabbau verhindert werden. Schlussendlich entscheidet das Sächsische Oberbergamt in Freiberg und eine Umweltverträglichkeitsstudie über den geplanten Kiesabbau in Rückmarsdorf.

"80 Jahre Braunkohle sind genug. Gerade erholt sich die Natur von Jahrzehnte langer Ausbeutung - es darf nicht von vorne losgehen", so der ehemalige Bürgermeister von Zwenkau Horst Kalis.

"Echt" geht auf Spurensuche in einer geschundenen Landschaft. Moderator Sven Voss trifft Betroffene und hakt nach bei der Baustoffindustrie, die immer größere Nachfrage nach Kies bedienen muss. Welche Alternativen gibt es? Und wie leben Menschen neben einer aktiven Kiesgrube?

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2017, 12:14 Uhr

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