Echt | MDR FERNSEHEN | 26.09.2017 | 21:15 Uhr Erfroren, verhungert, erschlagen - Das große Vogelsterben in Deutschland

Die Zahl der Vögel geht dramatisch zurück. Dies zeigt ein nüchterner Vergleich der Bestandserhebungen von Beginn der 1990er-Jahre mit den aktuellen Zahlen. Besonders bedrohlich ist dabei die langfristige Tendenz, die eindeutig nach unten weist. Fast die Hälfte aller Brutvogelarten in Deutschland stehen 2017 auf der Roten Liste.

Geheilter Bussard mit Schussverletzung, kurz vor der Freilassung
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Echt Di 26.09.2017 21:15Uhr 29:30 min

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Ein Rückgang der Brutpaare um mehr als die Hälfte

Die Lage ist dramatisch: allein 40 Prozent der Jungstörche sind in diesem Sommer dem Starkregen zum Opfer gefallen. Und das ist nur eine Vogelart, die bedroht ist. Seit Jahrzehnten beobachten Forscher ein dramatisches Vogelsterben. 300 Millionen Brutpaare weniger! Um mehr als die Hälfte ist europaweit die Anzahl allein in landwirtschaftlichen Gebieten innerhalb von dreißig Jahren zurückgegangen. Bis 2013 sind in Deutschland die Bestände von Kiebitz um 80, Braunkehlchen um 63 und Uferschnepfe um 61 Prozent gesunken. Die Gründe sind vielfältig.

Riesige Agrarflächen, Pestizide, Windkrafträder

Rapsfeld
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Viel diskutiert werden die bis zu 200.000 Opfer der Windenergie. Hauptursache des Vogelsterbens sind aber nicht nur die Windkrafträder. Wir Menschen nehmen den Vögeln immer mehr Lebensraum. Riesige Agrarflächen statt Wiesen und Weiden. Ein Opfer ist die Lerche, deren Bestand in zwei Jahrzehnten um ein Fünftel geschrumpft ist. Der Einsatz von Pestiziden und Insektengiften raubt den Vögeln die Nahrung. In manchen Gebieten hat die Zahl der Insekten schon um 90% abgenommen. Nicht nur Schwalben oder Mauersegler leben von Insekten.

Der durchsichtige Tod

Auch in Städten lauert überall der Tod. Große Glasfassaden liegen voll im Trend. In Deutschland sterben jährlich ca. 18 Millionen Tiere durch Vogelschlag an Glas. Glas bedroht alle Vogelarten, denn es wird in fast jeder Flughöhe verbaut. Die größte Gefahr für die Vögel jedoch, so fürchten Ornithologen, ist der Klimawandel. Extreme Wetterlagen verändern ihren Lebensraum dramatisch.

Der Storchenhof Loburg

Verletzte Vögel können in Auffangstationen gebracht werden. Eine solche ist die Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg. Schon seit 1979 werden hier Vögel gesund gepflegt und dann auch wieder ausgewildert. Berühmt wurde Störchin Prinzesschen, die 1994 vom Gründer des Storchenhofes Dr. Christoph Kaatz mit einem Sender ausgestattet wurde. Sie zog im Winter bis an die Südspitze Afrikas und kehrte immer wieder nach Loburg zurück. Im Dezember 2006 wurde die tote Störchin in Südafrika gefunden.

"Echt"-Moderator Sven Voss besucht den Storchenhof und erlebt eine Auswilderung mit und fragt nach Auswegen aus der dramatischen Entwicklung des Vogelsterbens. Wie müssen wir bauen, wie müssen wir den Lebensraum gestalten?

Störche
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Zuletzt aktualisiert: 27. September 2017, 10:27 Uhr