Nutrias
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Echt | MDR FERNSEHEN | 08.09.2015 | 21:15 Uhr Gefährliche Eroberer – Tierische Invasoren in Mitteldeutschland

Tierische Invasoren in Mitteldeutschland verursachen zunehmend Probleme in der heimischen Fauna. Wenn die Exoten über giftige Brennhaare verfügen oder neuartige Viren mitbringen, wird es auch für Menschen gefährlich.

Nutrias
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Äußerlich sehen sie aus wie Kuscheltiere: Waschbär, Nutria und auch der Mink stammen eigentlich aus Amerika. Weil man aus ihren Fellen Mäntel machen konnte, wurden sie einst bei uns in Käfigen gezüchtet. Nachdem einige Tiere ausgebrochen waren oder freigelassen wurden, eroberten sie unsere Wälder, Städte und auch Flüsse. Mancherorts verursachen sie Schäden in Kleingärten, Häusern oder der heimischen Fauna.

Bunthörnchen -  Überträger tödlicher Viren

Weiches Fell, dunkle Knopfaugen und ein buschiger Schwanz  – Bunthörnchen sind eigentlich in Costa Rica zu Hause. Liebhaber bezahlen hierzulande bis zu 600 Euro für einen dieser putzigen Exoten. Doch nachdem drei Züchter aus Sachsen-Anhalt starben, sind sie in Verruf geraten. Die Männer hatten sich mit einem tödlichen Virus infiziert und starben an einer Hirnhautentzündung. Überträger der Krankheit: die niedlichen Bunthörnchen.

Auf der abgeschotteten Insel Riems am Greifswalder Bodden forschen Virologen und Tiermediziner des Friedrich Löffler Instituts. Seit 2013 beschäftigen sie sich mit den rätselhaften Todesfällen der Bunthörnchenzüchter. Im Mai 2015 finden sie eine Spur: Die Viren der Hörnchen sind verwandt mit dem Bornavirus, benannt nach der Stadt Borna in Sachsen. Über das Virus war bislang nur eines bekannt, dass es für Pferde tödlich ist, nicht für den Menschen. Das neu entdeckte Borna-Virus ist auch auf Menschen übertragbar, die Bunthörnchen haben es unbeschadet in sich.

Die Bunthörnchen sind in den 90er-Jahren bis 2005 immer mal wieder aus Costa Rica importiert worden. Es könnte sein, dass das Virus mit eingeschleppt wurde. Deswegen warten wir im Moment auf Proben aus Costa Rica. Die zweite Möglichkeit ist, dass Nagetiere hier in Deutschland die Hörnchen angesteckt haben.

Prof. Dr. Martin Beer, Virologe

Giftige Haare: die Raupen des Eichenprozessionsspinners

Eichenprozessionsspinner
Die Raupen des Eichenprozessionsspinners sind gefährlich aufgrund ihrer giftigen Härchen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch die Raupen des  Eichenprozessionsspinners sehen auf den ersten Blick kuschlig aus. Sie leben gesellig und ziehen in großen Gruppen gemeinsam auf Nahrungssuche. Auch sie sind bedrohlich. Ihre Härchen verursachen schmerzhafte Hautverletzungen. Selbst die längst verlassen Nester der Eichenprozessionsspinner sind noch problematisch. Noch Jahre später werden die feinen Haare der Raupen über den Wind verbreitet und rufen bei Menschen heftige toxische Reaktionen hervor. Sie dringen mit Widerhaken in die Haut ein oder werden leicht eingeatmet. Selbst wenn sich die Raupen entpuppt und als Falter die Nester verlassen haben, ist die Gefahr noch nicht gebannt. Denn gerade in dichten Wäldern sind die Nester ein Risiko für Spaziergänger.

Bis vor Kurzem gab es den Eichenprozessionsspinner kaum bei uns. Noch bis vor 20 Jahren stand er auf der Liste der bedrohten Tierarten. Jetzt fällt er massenhaft über unsere Eichen her. Die Tiere breiten sich immer weiter gen Norden aus. Seit fünf Jahren hängen im Sommer vor allem in Mittel- und Norddeutschland riesige Nester an den Bäumen. Spielplätze und Parkanlagen müssen dann gesperrt werden, Hubschrauber versprühen Chemikalien, Schädlingsbekämpfer sind im Dauereinsatz.

Berüchtigter Nesträuber: der Mink

Ein Mink
Der Mink ist vor allem für am Boden brütende Vögel eine Gefahr. Bildrechte: IMAGO

Ursprünglich stammt der Mink, eine Nerzart, aus Nordamerika, er hat bei uns außer Füchsen und Fischottern keine natürlichen Feinde. Vor allem Bodenbrüter sind ihm schutzlos ausgeliefert. In Naturschutzgebieten verschwinden seit seiner Ankunft ganze Vogelkolonien. Sogar vor Schwänen macht er nicht halt. Als der Mink im 19. Jahrhundert in Deutschland eingeführt wurde, lebte er in Gefangenschaft auf Pelzfarmen. Auf verschiedene Art und Weise entkamen immer wieder Tiere.

Der schlimmste Schlag, den wir für unsere Biotope hier in Sachsen-Anhalt zu verzeichnen hatten, war 2007, als in einer sogenannten Befreiungsaktion von Tierschützern in der Nähe von Burg eine Pelztierfarm illegal geöffnet wurde.

Wilko Florstedt, Jäger

Etwa 2.000 Tiere flüchteten in die Wildnis und vermehrten sich unkontrolliert. Wie viele es heute sind, weiß niemand. Doch seitdem geht die Population seltener Vogelarten in Naturschutzgebieten an der Elbe dramatisch zurück. Jäger versuchen, den Schaden zu begrenzen.

Dreister Kletterkünstler: der Waschbär

Waschbär
Erobert mittlerweile die Städte: der Waschbär. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch der aus Nordamerika stammende Waschbär macht hierzulande Ärger. Die Tiere mit der charakteristischen Zorro-Maske bedrohen vor allem Vögel. Zum einen plündern sie als Allesfresser die Nester, zum anderen suchen sich die guten Kletterer die Horste von Greifvögeln und Störchen als Schlafplätze aus und hindern diese so am Brüten. Vielerorts haben sie ihre Scheu vor den Menschen verloren, dringen bis in die Städte vor und wühlen in Abfällen. Mit Vorliebe nisten sie sich in Dachböden ein und verursachen dort große Bauschäden. Obwohl die Waschbären deutschlandweit bejagt werden, geht ihre Population steil nach oben. In den 90er-Jahren waren es einige Hundert. Heute leben deutschlandweit schätzungsweise 800.000 - Tendenz steigend. Inzwischen beschäftigt der Waschbär auch die Virologen am Friedrich Löffler Institut auf der Insel Riems.

Der Waschbär macht in Nordamerika große Probleme bei der Tollwutbekämpfung. Deutschland ist tollwutfrei. Aber falls es mal zu einer Neueinschleppung kommt: Waschbären können daran erkranken, bei ihnen ist es schwer bekämpfbar, deshalb muss man sich da vorbereiten.

Prof. Dr. Martin Beer, Virologe

Zu den natürlichen Feinden des Waschbären zählen Wölfe und Luchse - Tierarten die in Deutschland weitestgehend ausgerottet wurden. Anfang 2000 wurde im Harz mit der Wiederansiedlung des Luchses begonnen. Seitdem ist Europas größte Katze wieder in der Region heimisch. Und auch der Wolf ist seit knapp 15 Jahren wieder in Deutschland unterwegs, sorgt seitdem allerdings auch für Schlagzeilen.

Zerstörte Uferbereiche durch Nutrias

Nutria
Fühlt sich an Flussufern wohl: der Nutria. Bildrechte: colourbox.com

Nutrias kamen bereits im 17. Jahrhundert aus Südamerika zu uns, weil ihre Felle damals begehrt waren. Doch Jahrhunderte später explodierte die Population, besonders in Halle und Leipzig. In der DDR galt die Nutriazucht als lohnender Nebenerwerb. Das änderte sich nach der Wende. Von ihren Züchtern oder auch von Tierschützern wurden unzählige Biberratten freigelassen. Sie vermehrten sich massenweise. Ein Weibchen bekommt ca. 25 Junge in einem Jahr. Die Tiere höhlen die Uferbereiche aus. Kommt es zu einem Hochwasser, besteht die Gefahr, dass diese absacken. Außerdem verdrängen sie den heimischen Biber. Inzwischen warnen selbst Umweltschützer vor einer Plage der Biberratte. Einige Menschen haben die Problematik aber noch nicht verinnerlicht und füttern die possierlichen Tiere weiterhin. Dadurch können unnatürlich hohe Populationsdichten auf engem Raum entstehen, was wiederum zu stärkeren Schäden an Uferbereichen oder bei Kleingärtnern in der Nähe führt. Außerdem werden von ungenutztem Futter Ratten angelockt und die Gewässer verschmutzt. In Leipzig ist das Füttern unter Androhung empfindlicher Bußgelder verboten.

Zuletzt aktualisiert: 08. September 2015, 17:48 Uhr