Echt | 03.01.2012 | 21:15 Uhr : Tag X in Mitteldeutschland - wenn nichts mehr geht
Hacker-Angriffe sind mittlerweile Alltag in der Online-Welt. Meist sind davon Server oder einzelne PCs betroffen. Cyber-Attacken können jedoch weit schlimmere Folgen haben als das Ausspionieren von geheimen persönlichen Daten.
Spätestens seit dem Trojaner "Stuxnet", der die iransichen Atomanlagen lahmlegte, sprechen IT-Experten vom Cyber-Krieg. So sei es möglich, mittels Computervieren- und Trojaner die komplette Infrastruktur eines Landes empfindlich zu schädigen. "Echt" zeigt anhand eines imaginären Tages X die möglichen Folgen solcher Angriffe für Mitteldeutschland.
Chaos am Himmel: Attacke auf die Leipziger Flugüberwachung
Auf dem Leipziger Flughafen ist man seit dem Anschlag auf das New Yorker World Trade Center am 11. September 2001 auf einen Terroranschlag vorbereitet. Gegen einen Cyber-Angriff würde man aber nur wenig tun können. Zwar sind alle Computer-Systeme im Tower doppelt vorhanden - fällt ein System aus, fährt in Sekunden das zweite hoch. Doch auch die Computer des Flugleitsystems spielen in unserem imaginären Notfall wegen eines Hackerangriffs verrückt. Die Monitore zeigen nicht mehr, wo exakt sich die Flugzeuge gerade am Leipziger Himmel befinden. In dieser Notfallsituation muss der Leipziger Tower den kompletten Luftraum sperren.
Wenn die Fluglotsen am Boden trotz aller Versuche nicht mehr mit dem Piloten in der Luft sprechen können, bleibt nur noch blindes Vertrauen in die Sicherheitstechnik des Flugzeugs. Aber auch die ist computergesteuert. Deshalb muss eine andere Flugsicherung die Leipziger ersetzen und die Maschinen übernehmen. Sonst droht Kollisionsalarm.
Tote und Verletzte auf Dresdens Straßen: Verkehrsleitsystem schaltet auf Rot
Dresden versinkt wegen eines Hacker-Angriffs im Verkehrschaos: Eigentlich rollen hunderttausende Fahrzeuge täglich durch die Elbestadt. Doch an unserem simulierten Tag X steht die Blechlawine, denn jede der etwa 450 Ampeln der Stadt hat auf Rot geschaltet. In der Dresdner Verkehrsleitzentrale herrscht Ratlosigkeit. Eigentlich überwachen Computer von hier aus den gesamten Verkehr und Computer steuern die Ampelanlagen. Aber jetzt reagieren die Rechner nicht auf die eingegeben Befehle, weil Computerviren das Verkehrsleitsystem befallen haben. Es kommt zur Katastrophe: Besonders dramatisch ist in einem solchen Fall die Situation im Dresdner Autobahntunnel. Dort springen alle Ampeln plötzlich auf Rot. Die Folge sind Notbremsungen und Auffahrunfälle. Es gibt Tote und Verletzte. Im Dresdner Innenministerium sammelt sich hastig der Krisenstab. Er besteht aus Einsatzleitern der Feuerwehr, der Rettungsdienste, Computerspezialisten und ranghohe Polizeibeamten. Doch ihre Möglichkeiten, das Chaos zu beenden, sind gering. Denn erst müssen sie den Cyber-Angriff analysieren. Derweil werden die Folgen des Anschlags immer verheerender.
Magdeburger Black-Out könnte deutschlandweiten Stromausfall verursachen
Auf die Magdeburger Stadtwerke wurde ein Hackerangriff gestartet. Das Ziel ist die Computersteuerung des gesamten Magdeburger Stromnetzes. Und die Attacke gelingt. Der Trojaner aus dem Internet schaltet die Umspannwerke aus. Black Out nennen es die Fachleute, wenn überall das Licht ausgeht. Und genau das passiert am Tag X in Magdeburg. Wer dann keinen Ofen oder einen Feuerkorb hat, friert in der Kälte. Tankstellen funktionieren ohne Strom nicht und Lebensmittel verderben in den Kühlregalen. Die Patienten in den Krankenhäusern retten Notstromaggregate, aber nur für ein paar Stunden.
Der Angriff aus dem Internet trifft einen regionalen Stromversorger. Aber die fatalen Folgen betreffen das gesamte deutsche Stromnetz. Weil die Großstadt Magdeburg keinen Strom mehr abnimmt, wird das ganze Verbundnetz Deutschlands überlastet und droht zusammenzubrechen. Darum schalten sich jetzt sogar das Cyber-Abwehrzentrum und der Krisenstab der Bundesregierung ein. Der Computerschädling aus dem weltweiten Netz treibt ganz Deutschland in eine ernste Krisensituation. Es droht ein totaler Stromausfall.
