einfach GENIAL | 25.05.2010 | 19:50 Uhr

Zeckenschutztextilien

Wer viel an der frischen Luft arbeitet, lebt gesund, sollte man meinen. Doch wer zum Beispiel als Landschaftsgärtner häufig zwischen Bäumen, Sträuchern und Hecken herumstreift, trägt ein hohes Risiko. Denn in seiner Arbeitsumgebung lauert ein gefährlicher Feind: die Zecke!

extreme Nahaufnahme. Auf grünem Stoffgewebe krabbelt eine Zecke. Sie hat einen platten Körper, ist braun und bewegt sich auf acht Beinen.

Hartnäckiger Lauerjäger

Die Zecke ist ein Lauerjäger und kann monatelang warten. Doch wenn sie endlich durch Vibrationen ein sich näherndes Opfer registriert, wird sie aktiv. Blitzschnell krallt sie sich an ihrem Opfer fest und sucht eine Stelle auf der nackten Haut, an der sie sich festbeißen und ihren Blutdurst stillen kann. Selbst an fester Kleidung und langen Hosen findet sie Halt - und einen Weg zu ihrer Nahrung. Das ist gefährlich, weil einige Zecken Krankheiten wie Borreliose oder FSME übertragen.

Neuer Stoff macht Zecken heiße Füße

Eine neuartige Arbeitshose lässt dem Spinnentier allerdings keine Chance mehr, sich festzuklammern. Und wenn es doch mal einer gelingt, fällt sie schon nach wenigen Sekunden wieder ab. Warum das so ist, erklärt Ulrich Schellhammer, der die Idee für die neue Berufsbekleidung hatte: "Wir nutzen dafür den so genannten 'Hot-Feet-Effekt': Das heißt, wenn die Zecke dieses Gewebe auch nur berührt, bekommt sie im wahrsten Sinne des Wortes heiße Füße und lässt sich fallen."

Zwei Hände halten einen Glaskolben mit einer rosafarbenen Flüssigkeit
Permethrin macht den Blutsaugern heiße Füße.

Ausgelöst wird diese Reaktion durch Permethrin, ein bewährtes Insektizid gegen Kopfläuse. Für den Menschen ist es vergleichsweise harmlos. Doch Zecken mit ihren Tastorganen an den Füßen reagieren empfindlich darauf und lassen sich fallen, wenn sie es berühren. Auf Textilgewebe aufgetragen wird es in einem Unternehmen im westfälischen Rheine. Dort werden schon sein 1874 Stoffe gewebt, vor allem für Bettwäsche und robuste Berufsbekleidung.
Die Stoffe werden hier auch gefärbt und weiter veredelt oder "ausgerüstet", wie es in der Fachsprache heißt. Dazu werden die Stoffbahnen durch eine spezielle Flüssigkeit gezogen und getrocknet. Auf diese Weise wird auch der Zeckenschutz ins Gewebe gebracht.

Blick aus nächster Nähe auf ein graues Stück Stoff. Darauf ist eine Stickerei zu sehen: Eine kleine Zecke in einem roten Kreis. Darunter steht "Stop".
Das kleine Label zeigt an: Hier haben Zecken keine Chance.

Rezeptur stimmt

Ulrich Schellhammer und sein Team waren nicht die einzigen, die diese Idee hatten. Doch sie wollten den Zeckenwirkstoff zusätzlich zu anderen Veredlungen direkt in den Stoff bringen. Anderthalb Jahre dauerte es, bis die Rezeptur dafür gefunden und die richtigen Temperaturen sowie das optimale Tempo ermittelt waren. Schließlich sollte das Mittel fest an der Faser haften und auch nach 50 Wäschen noch zuverlässig gegen Zecken wirken und trotzdem hautverträglich sind. Nach Ulrich Schellhammers Einschätzung ist das gelungen:

"Hautklinische Studien haben ergeben, dass dieses Gewebe dermatologisch völlig unbedenklich ist. Und obwohl ein Insektizid darin enthalten ist, werde auch die strengen Auflagen des Standards Ökotex 100 erfüllt."

Ulrich Schellhammer

Natürlich eignet sich der Stoff nicht nur für berufliche Zwecke. Auch Freizeitkleidung, zum Beispiel für Golfer oder Angler, soll künftig damit ausgerüstet werden. Denn die gefährlichen Zecken können überall lauern.

Ansprechpartner

Ulrich Schellhammer
Tel.: 05971 8640
E-Mail: info@kettelhack.de

Zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2010, 16:20 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

© 2010 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK