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Einfach genial | 29.05.2012 | Chat zum Nachlesen: Zum Nachlesen: Expertenchat zu Kleinwindanlagen mit Uwe Hallenga

Immer mehr Hausbesitzer wollen ihren eigenen Strom erzeugen - und das unabhängig und umweltfreundlich. Kleinwindanlagen spielen dabei eine wichtige Rolle. Doch welche Anlage eignet sich für wen? Welche Typen und Technologien gibt es? Und mit welchen Vor- und Nachteilen ist zu rechnen. Einer, der sich bestens damit auskennt, ist Uwe Hallenga. Er beschäftigt sich seit fast 30 Jahren damit, betreibt eine Informationsseite im Internet und arbeitet als Gutachter in der Windenergiebranche. Nach der Sendung stand er im Chat Rede und Antwort. Hier können Sie alles noch einmal nachlesen.

  • Moderator: Willkommen zum Einfach-Genial-Chat. Eben ging es in der Sendung um Sonne, Wind und Wasser als Energiequellen. Im Chat wollen wir uns nun speziell mit Kleinwindanlagen beschäftigen. Als Experten begrüße ich dazu Uwe Hallenga, den Sie bereits im Gespräch mit Ulrike Nitzschke sehen konnten.
  • Moderator: Uwe Hallenga beschäftigt sich seit fast 30 Jahren mit Windenergieanlagen für den Hausgebrauch, hat selbst welche entwickelt und betreibt in seiner Freizeit die Infoseite kleinwindanlagen.de. Auch beruflich ist er dem Wind verbunden: als Gutachter für Windanlagen. In unserem Chat wird er jetzt Ihre Fragen zum Thema beantworten. Los geht's.
  • hierabvierfan98: Guten Abend!
  • Moderator: Guten Abend!
  • Uwe Hallenga: Guten Abend
  • schubi: Was kostet so eine Kleinwindkradtanlage?
  • Uwe Hallenga: Das kann man leider nicht so pauschal beantworten. Es hängt von der gesuchten Größe (Leistung) ab.
  • Uwe Hallenga: Sehr kleine Anlagen gibt es schon ab 300-500Euro.
  • Roland Garros: Hallo, sind Windanlagen mit einer vertikalen Achse besser oder schlechter als solche mit einer horizontalen Achse?
  • Uwe Hallenga: Vertikale Anlagen haben beim Wirkungsgrad Nachteile weil ein Teil der Rotorblätter ja immer gegen den Wind läuft. Vorteil der vertikalen Achsen liegt meist nur bei der etwas geringeren Geräuschbelastung.
  • schubi: Einfamilienhaus mit einem Stromverbrauch von ca. 2500 bis 3000 kw
  • Uwe Hallenga: Auch hier müsste ich erst zurückfragen wieviel Wind Sie den an Ihrem Standort haben. An der Küste im Norden würde eine 2-3kW Anlage reichen; im Binnenland sollte es dann meistens doch eher 3,5 bis 5 kW sein.
  • Frank Kapust: Hallo Herr Hallenga, wiviel Vergütung gib es für den Strom den ich einspeise?
  • Uwe Hallenga: Leider nur den Mindesttarif z.Zt etwa 9 Cent. Interessant ist aber der Vergleich mit dem eigenen Stromverbrauch. Netzeinspeisung sorgt für Einsparung und kann deshalb auch mit Ihrem Strompreis (bis zu 24 Cent) verrechnet werden.
  • guido ohnke: guten abend, es gab doch schon mal eine airmax24 turbine,so etwas suche ich denn ich habe für mein einfamilien haus eine nachtspeicher heizung und möchte den erzeugten strom lieber selber verbrauchen, gibt es so etwas demnächst?
  • Uwe Hallenga: Ich nehme an das irgend ein "Erfinder" auch wieder mit so einem Modell auf den Markt kommen wird und auch mit völlig überzogenen Werten Verunsicherung erzeugt. Solche Arten der Turbinen sind weder sinnvoll noch wirtschaftlicher als herkömmliche Anlagen wie sie auch im Film zu sehen waren.
  • Roland Garros: Danke. Wie viel Leistung hat eigentlich so eine kleine Anlage bis 500 Euro bzw. was kann man damit machen?
  • Uwe Hallenga: So eine kleine Anlage kann je nach Standort 100 - 200kWh Strom im Jahr produzieren. Bei sehr guten Standorten vielleicht auch mehr. Wird die Windgeschwindigkeit verdoppelt verachtfach (!) sich die Leistung im Wind.
  • joemildner: Warum bieten Sie keine Windanlagen an, die bei durchschnittlicher Jahreswindgeschwindigkeit die volle Leistung bringt. Sie bieten Windanlagen an, die bei nicht kalkulierbarer Windgeschwindigkeit bei 12 m/s und höher die volle Leistung bringt. Wenn Sie von 3 KW und 5 KW-Windanlagen sprechen sollten Sie diese Leistung bei durchschnittlicher Windgeschwindigkeit bringen, alles andere finde ich Edikettenschwindel. Warum setzen Sie keine vertikalen Windanlagen ein, wo Sie keine Käfige brauchen.
  • Uwe Hallenga: Man braucht auch nicht unbedingt solche Käfige. Meines Wissens nach ist das bisher ziemlich einzigartig gewesen, aber leider zwingend um eine Baugenehmigung zu bekommen. Entsprechende Gutachten wären auch möglich gewesen, aber letztendlich teurer als diese Schutzkäfige. Nicht schön, aber funktionell und billiger.
  • Uwe Hallenga: Es gibt in Deutschland noch keine allgemein gültige Labels zum Vergleich (wie zB. bei Kühlschränken, Waschmaschinen uä.). Das ist in Arbeit und vermutlich nächstes Jahr werden solche Labels einen faieren und einfacheren Vergleich ermöglichen.
  • Frank Kapust: Koennen die Windräder auch auf festem Boden installiert werden? Welche Befestigung ist ratsam?
  • Uwe Hallenga: Selbstverständlich. Windanlagen sollten nach Möglichkeit nicht auf bewohnten Gebäuden errichtet werden damit kleinste Schwingungen Sie nicht Nachts um den Schlaf bringen. Schwingungsentkopplung sind sehr aufwändig und ggfl. auch teuer.
  • schubi: Wir wohnen im Binnenland (Sachsen)ca. 3,5 bis 4 kW
  • Uwe Hallenga: Auch in Sachsen gibt es sehr gute Standorte. Ich empfehle hier eventuell vorher eine Windmessung zu machen (bevor man viel Geld investiert) oder was "Kleines" bauen und Erfahrungen direkt sammeln.
  • Moderator: Hat eigentlich einer Chatter hier schon eine Kleinwindanlage bei sich stehen?
  • Uwe Hallenga: Eine Wetterkarte für den ersten Eindruck ist beim deutschen Wetterdienst zu sehen oder aber sie fragen im Forum meiner Internetseite nach.
  • joemildner: Es gibt Anbieter die bei den örtlichen durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten die volle Leistung abdeckt.
  • Uwe Hallenga: Ja schon, aber das ist relative Augenwischerei. Jeder Hersteller könnte für beliebige Windgeschwindigkeiten Leistungsangaben machen. Eine 10kW-Anlage bei 12m/s mit 7m Rotor könnte ich also auch mit 2kW angeben bei eben nur 4,5m/s. So eine Aussage wäre irreführend da der echte Vergleichsmassstab fehlt.
  • joemildner: Bei vertikalen windanlagen besteht keine Gefahr für Vögel, keinen Stroposkop- oder Diskoeffekt. Die Anlagen sind getriebelos, wartungsfrei und geräucharm.
  • sepp: hallo hr. hallenga, was kostet denn eine solche 3 kw anlage?
  • Uwe Hallenga: Der Preis fängt ganz grob bei ca. 5.000€ an, abhängig vom Lieferumfang (Mast, Regler etc.)... nach oben gibt es keine Grenzen.
  • Roland Garros: @joemildner: Warum sollen solche Vertikalanlagen denn nicht auch zur Gefahr für Vögel werden können?
  • joemildner: Wiel diese vertikalen Windwalzen geschlossen sind und keine Flügel haben wie die horizontalen Anlagen.
  • joemildner: Es gibt einen Hersteller, der Ihnen die Vertikale Windanlage anbietet und dafür garantiert, das die Leistung bei durchschnittlicher Windgeschwindigkeit von 4-6 m/s gebracht wird.
  • Uwe Hallenga: Ich weiß für welchen Hersteller Sie gerne Werbung machen möchten, aber auch dieser Hersteller muß sich den physikalischen Grundbedingungen beugen. Übrigens: Eine Vertikal-Achsanlage hat einen wesentlich stärkeren Stroposkopeffekt da jedes Rotorblatt zweimal durch das Sonnenlicht bewegen muß (Vor- und hinter dem Mast)
  • Frank Kapust: Ja ich habe das Windrad Black 300 seit 2 Jahren. Bin sehr zufrieden damit. Wohne auf der Insel Rügen. Habe ca. 120 bis 150 kWh Ertrag im Jahr. Möchte mich jetzt vergroessern.
  • Uwe Hallenga: Herzlichen Glückwunsch! ;-) Mit reichlich Wind am Flügel sollten Sie es versuchen. Achten Sie nur darauf, das Nachbarn frühzeitig informiert sind. Ärger mit Nachbarn lohnen sich eigentlich nie!
  • joemildner: Es ist keine Augenwischerei, die Generatoren sind eben einfach besser und die hat nur ein Hersteller, der diese selbst entwickelt hat und herstellt.
  • Moderator: Lieber joemildner, Sie können in diesem Chat gerne Fragen zum Thema stellen. Wie wollen und dürfen hier allerdings keine Werbung machen. Darum werden auch keine Anbieteradressen veröffentlicht.
  • joemildner: Es besteht bei vertikalen Windanlagen auch die Möglichkeit der Windführung, wo die Anlage nicht auf der anderen Hälfte abgebremst wird
  • Uwe Hallenga: Ich weiß von solchen Konstruktionen bei denen die senkrecht laufenden Blätter bei jeder Umdrehung mehrfach nachgestellt werden. Aber auch das geht nicht zu hundert Prozent und somit bleibt es bei einem Nachteil. Dieser kleine Mehrgewinn an Wirkungsgrad wird aber mit enormen technischen Aufwand erkauft.
  • winbob: Wie kann man Solar und Windanlage im bzw. am Haus betreiben?
  • Uwe Hallenga: Eigentlich kein Problem. Sie sollten darauf achten, das der Schatten der Windanlage nicht über die Photovoltaikmodule laufen kann und für Verschattung sorgen. Ansonsten ergänzen sich beide Anlagen fast perfekt. Ist der Platz knapp und die Möglichkeiten vorhanden, sollte aber eine Kollektoranlage für die Warmwasserbereitung Vorrang haben (wegen des höheren Wirkungsgrades).
  • Roland Garros: Ist es günstiger, sich so eine Windanlage eigentlich selber zu bauen?
  • Uwe Hallenga: Günstiger muss es nicht unbedingt werden, aber öfters. Entscheidend dabei ist aber der besondere Spaß an der Sache. Eine selbstgebaute Anlage dreht sich immer viiieel schöner und ein tolles Hobby kann es auch sein. In unserem Forum gibt es viele solche Selbstbauer die sich in Deutschland verteilen und sicherlich mit Rat und Tat zur Seite stehen.
  • winbob: Lohnt sich die Pufferung überschüssiger Windenergie (Akku)?
  • Uwe Hallenga: Kurz: Jein. Haben Sie kein öffentliches Netz zur Verfügung, dann geht es nicht anders. Sinnvoller und auch mit höherem Wirkungsgrad (höhere Spannung) geht es mit der Netzeinspeisung. Batterien stellen immer eine Umwelbelastung dar bei der Produktion, beim Transport, bei der Entsorgung. Darüber hinaus haben sie auch nur einen bescheidenen Wirkungsgrad.
  • Roland Garros: Das haben Sie aber schön geschrieben :-)
  • winbob: Lohnt sich der Betrieb einer WKA(1kw) an einem Warmwasserkessel (Lastwiderstand) für die überschüssige Energie, oder ist diese Leistung für die Heizpatrone zu gering?
  • Uwe Hallenga: Es funktioniert. Sinnvoller wäre eine Netzeinspeisung. Strom ist der hochwertigste Energieträger (Licht, Bewegung, Musik, TV und und und) während Wärme die niedrigste Energieform ist. Es hat so etwas von "Perlen vor die Säue".
  • Moderator: Es wird ruhig im Chat. Wer noch eine Frage hat, möge sie jetzt stellen.
  • winbob: Gibt es ihrerseits Erfahrungen mit vertikalen WKA im unteren Leistungssegment(0.5-3kw)? Und wenn ja, welche?
  • Uwe Hallenga: Es gibt diese Anlagevarianten schon etliche Jahre, aber die Erfahrungen sind meistens doch sehr bescheidener Natur (vorsichtig ausgedrückt). Es gibt einen Anlagenvergleichstest in Zeeland (Holland). Es ist nicht alles gut bei dem Test und man kann über Details streiten, aber im Vergleich aller Anlagen schneiden die Vertikal-Anlagen gelinde gesagt sehr schlecht ab. für Extremstandorte sind sie ja gut geeignet, aber hier .... ?
  • winbob: Wie kann man Vibrationen bei einer Dachinstallation vermeiden?
  • Uwe Hallenga: Es gibt einfache und komplizierte Methoden die im Einzelfall hier im Chat sicherlich zu weit führen würden. Ich würde Sie da gerne an das Forum verweisen wo diese Fragen mit allen möglichen Aspekten diskutiert wurde und wird.
  • Roland Garros: Vielen Dank & gute Nacht.
  • joemildner: Ja, wenn man nicht die richtigen Generatoren hat.
  • winbob: Vielen Dank! Schönen Abend noch!
  • winbob: Ist der örtliche Stadtwerk für mich der erste Ansprechpartner, wenn ich meine WKA an Netz anschließen möchte oder jemand anderes (Stadt)?
  • Uwe Hallenga: Die Stadtwerke müssen informiert werden; im Gegenzug sind aber die Stadtwerke auch verpflichtet (EEG) den Strom abzunehmen.
  • Moderator: Der Chat ist zu Ende. Vielen Dank allen, die heute mitgechattet haben. Ganz besonders bedanke ich mich bei unserem Experten Uwe Hallenga. Ihnen allen einen schönen Abend und eine gute Nacht.
  • Moderator: Das Protokoll dieses Chats wird in Kürze unter www.mdr.de/einfach-genial zum Nachlesen veröffentlicht.
  • Uwe Hallenga: Auch ich wünsche allen eine Gute Nacht und weiterhin viel Rückenwind bei Ihren Projekten.
  • Frank Kapust: Danke Herr Hallenga, Tolle Antworten
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