Einfach genial

Einfach genial | 10.01.2012 | 19:50 Uhr : Katalysator für Scheitholzöfen

Wer sein Haus mit Holz und Kohlen heizt und dazu einen klassischen Scheitholzkessel verwendet, könnte ein Problem haben. Denn seit 2010 gilt das neue Bundesimmissionsschutzgesetz.  Strenger als zuvor regelt es, wie viel Kohlenmonoxid, Rußpartikel und andere Abgase in die Umwelt geblasen werden darf. Den darin festgelegten Abgaswerten werden die klassischen Kessel nicht gerecht, denn sie produzieren viel zu viele Schadstoffe. Die Hersteller mussten sich also etwas einfallen lassen, um ihre nach wie vor gefragten Kessel umweltfreundlicher zu machen.

Die Lösung ist ein Katalysator. Mit diesen Rußfiltern rüsten heute einige Hersteller ihre aktuellen Scheitholzkessel aus. Wie das gemacht wird, haben uns die Ofenbauer Rene Host und Uwe Jungnickel in ihrem Betrieb im sächsischen Großenhain gezeigt. Sie entschieden sich für einen Rußfilter aus Keramik, der in den USA hergestellt wird. Diesen Filter packten sie in eine robuste Kassette aus Eisen, die mit wenigen Handgriffen oben in die Brennkammer des Kessels geschoben und dort festgeklemmt wird. Die Abgase strömen nun im Inneren des Kessels durch den Katalysator und entweichen gereinigt in die Atmosphäre. Das funktioniert mit Hilfe einer chemischen Reaktion, die auf der Oberfläche des Kats stattfindet. Dabei verbindet sich der Kohlenstoff aus dem Rauch mit Sauerstoff. Außerdem werden Rußpartikel im glühenden Kat verbrannt und es entstehen weniger schädliche Abgase. Allerdings gibt es einen Haken:  Weil die Keramik des Katalysators empfindlich auf Kälte reagiert, funktioniert er beim Anfeuern noch nicht richtig:

"Die kalten Rauchgase würden die Oberfläche des Katalysators komplett zusetzen und seine Reaktionsfreudigkeit vermindern. Das wäre natürlich ungünstig. Deshalb sind Temperaturen ab 200 Grad Celsius ideal."

Uwe Jungnickel

Darum entwickelten die Großenhainer einen Schutz vor kalten Abgasen: eine Eisenklappe, die den empfindlichen Filter vom kalten Rauch abkoppelt. Ein sogenannter Bypass steuert, ob der Rauch am Filter vorbei oder durch ihn hindurch strömt. Der Kat wird erst aktiviert, wenn die Betriebstemperatur erreicht ist. Obwohl gerade während des Anfeuerns die meisten Schadstoffe entstehen, ist diese Methode insgesamt trotzdem umweltfreundlich, erklärt Uwe Jungnickel:

"Bei jedem Anfeuerungsprozess ist es so, dass in den ersten fünf Minuten - so ist es bei unserem Kessel - relativ viele Schadstoffe entstehen. Aber über die gesamte Brenndauer hinweg gesehen ist das ein verschwindend geringer Anteil. Die zwei bis drei Stunden Brenndauer relativieren die Werte und drücken die Emissionswerte um das Zehn- bis Zwanzigfache nach unten."

Uwe Jungnickel

Für ihre Konstruktion erhielten Rene Host und Uwe Jungnickel Gebrauchsmusterschutz. Die Großenhainer erreichen mit ihrem Kat spielend leicht die heute geforderten Abgasnormen. Aber sie optimieren ihren Kessel weiter und arbeiten außerdem an einem Katalysator, mit dem auch alte Scheitholzkessel nachgerüstet werden können. Denn bestehende Anlagen haben zur Zeit zwar noch Bestandsschutz, aber irgendwann werden auch ältere Kessel umweltfreundlicher arbeiten müssen.

Ansprechpartner:

Uwe Jungnickel
Tel.: 03522 521485
E-Mail: jungnickel@nmt-systeme.de

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2012, 12:47 Uhr

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