Einfach genial

Einfach genial | 27.12.2011 | 19:50 Uhr : Automatische Notfallerkennung

Allein lebende Senioren mit erhöhtem Gesundheitssrisiko tragen meist einen Notrufsender am Handgelenk. Falls etwas passiert, können sie per Knopfdruck der Hilfsdienst alarmieren. Was aber tun, wenn die Betroffenen plötzlich ohnmächtig werden? Schließlich können sie dann keinen Alarm auslösen. Wissenschaftler vom Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering in Kaiserslautern haben deshalb sensorenbasierte Notfallerkennung entwickelt. In einer Laborwohnung mit Küche und Bad, sowie Wohn- und Schlafzimmer haben sie diese zu Testzwecken eingebaut.

Sensoren erfassen Normalverhalten

Die Bewohner brauchen keinen Notrufknopf, da die Forscher in allen Räumen Bewegungsmelder eingebaut haben. Diese neuentwickelten Multisensoren an den Zimmerdecken erkennen jede Bewegung in jedem Raum und senden ständig  Funksignale. Sie registrieren, wann und wie lange eine Person zum Beispiel im Bett liegt, zu welchen Zeiten sie sich im Bad aufhält, wie lange sie in der Küche beschäftigt ist oder abends im Wohnzimmer zubringt. Doch keine von diesen Informationen verlässt die Wohnung - wegen des Datenschutzes. Die Sensoren senden die Daten per Funk nur an den Computer im Wohnzimmer. Der Medizininformatiker und Projektleiter Holger Storf erklärt was dann passiert:

"Die Software des Computers speichert die Aktivitäten des täglichen Lebens und erlernt daraufhin das Normalverhalten des Bewohners."

Holger Storf, Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering

Fehlalarm unwahrscheinlich

Das Programm vergleicht permanent das aktuelle Handeln des Bewohners mit diesem gelernten Normalverhalten und identifiziert Abweichungen, die auf Hilflosigkeit hindeuten, zum Beispiel wenn ein Bewohner viel länger als gewöhnlich im Bad bleibt. Um einen Fehlalarm zu vermeiden, nimmt der Computer zunächst per SMS oder über einen Touch-Bildschirm mit Lautsprecher Kontakt mit dem Bewohner auf. Dann heißt es: "Hallo, geht es ihnen gut? Wenn ja, dann melden Sie sich bitte.“ Wenn der Bewohner ans Telefon geht oder den Bildschirm berührt, ist alles in Ordnung. Wenn nicht, alarmiert das Computerprogramm einen Hilfsdienst.

Die Forscher wollen mit ihrer zum Patent angemeldeten Notfallerkennung das klassische Hausnotrufsystem nicht ersetzen, sondern zusätzlich mehr Sicherheit bieten. Für das kommende Jahr planen sie, 30 Wohnungen mit der Erfindung auszustatten. Weitere Informationen erhalten Sie von den Entwicklern.

Ansprechpartner:

Holger Storf
Tel: 0631 68002117
E-Mail: holger.storf@iese.fraunhofer.de

Zuletzt aktualisiert: 27. Dezember 2011, 11:23 Uhr

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