Einfach genial | 21.02.2012 | 19:50 Uhr : Der Tester: Eine Fassade, die Schadstoffe abbaut?
In der Leipziger Karl-Liebknecht-Straße soll in Zukunft ein Haus bei der Verringerung der Schadstoffbelastung helfen. Ja, Sie lesen richtig: bei der Verringerung. Wie das funktionieren soll, wollte "Einfach-genial"-Tester Camilo Rodriguez herausfinden.
Im Leipziger Süden gibt es ein Projekt der Leipziger Wohnungsbaugesellschaft und der Materialforschungs- und Prüfungsanstalt Leipzig. Sensoren an der Fassade eines Hauses erfassen derzeit die Schadstoffbelastung. Die lag an vielen Tagen über den zulässigen Grenzwerten. Im Frühjahr soll diese Fassade mit einer speziellen Farbe gestrichen werden, die die verschmutzte Luft reinigen soll, indem sie Stickoxide neutralisiert. Titandioxid und Sonne sollen es richten.
Titandioxid ist ein sogenannter photokatalytischer Stoff, der unter UV-Licht seine reinigende Wirkung entwickelt. Das weiße Pulver wird Farben, Putzen oder Beton zugefügt. Auf dem Gothaer Platz in Erfurt liegen Pflastersteine, die Titandioxid enthalten und die Luft reinigen sollen. Dabei wandelt das Titandioxid Stickoxide in harmloses Nitrat um.
Forschungsarbeit im Labor
Dr. Olaf Böge vom Institut für Troposphären-Forschung will mit seinem Team in Labortests herausfinden, wie wirksam der photokatalytische Stoff ist. Dazu haben die Wissenschaftler eine Art Raumkapsel gebaut, eine große abgeschlossene Kunststoffhülle. Darin befindet sich eine Wand mit Putz, der Titandioxid enthält und der mittels Lampen UV-Licht ausgesetzt wird.Ohne auf genaue Zahlen einzugehen, kann Dr. Böge bereits eine grundlegende Antwort geben: "In Laborexperimenten lässt sich zeigen, dass Titandioxid als Photokatalysator zum Abbau von Stickoxiden wirksam ist. Über die Größe dieses Effekts und die Bedeutung für reale Verhältnisse, also der realen Atmosphäre ... kann man von Labortests nur eine begrenzte präzise Aussage treffen", schränkte der Wissenschaftler ein.
Wie stark ist der Einfluss des Lichts?
Darüber sollte ein Test in Brüssel Auskunft geben. In einem stark befahrenen Autotunnel wurde Ende letzten Jahres für einen Test an den Wänden Putz mit Titandioxid aufgebracht. Wissenschaftler, u.a. aus Leipzig, wollten wissen, wie wirksam das Titandioxid ist, auch wenn so gut wie keine Sonne scheint. Auch hier kann Dr. Böge schon etwas verraten: "Die vorläufigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Effekt nicht so stark ist, wie erhofft. Was wahrscheinlich daran liegt, dass die Lichtintensität im Tunnel zu gering war." Wie das Titanoxid in der Praxis unter Sonneneinstrahlung wirkt, soll nun der Test an der Leipziger Hausfassade zeigen. "Einfach genial" wird natürlich nachfragen.
Ansprechpartner
Dr. Olaf Böge
Tel.: 0341 235 2158
E-Mail: olaf.boege@tropos.de



