Jutta und Horst Schubert über ihre Reise nach Afrika Osterspaziergang zu den Berg-Gorillas

Ihre Reise zu den Berg-Gorillas liegt schon einige Jahre zurück. Doch für Jutta und Horst Schubert aus Wittenberg sind die Erlebnisse in Ruanda unvergessen. Im ETC-Spezial sind einige ihrer Aufnahmen als Zuschauervideo zu sehen. Wir wollten mehr über Ihre Expedition wissen.

Expedition zu dem Berg-Gorillas, 2008.
Gutes Schuhwerk und Regenkleidung empfehlen sich für die Dschungeltour, leider wurden die Hosen nach dem ersten Trekking zwar auch gut gewaschen, aber zu heiß gebügelt, erinnert sich Familie Schubert. Bildrechte: Jutta und Horst Schubert

Uganda und Ruanda sind ja nicht die typische Safari-Destinationen - sind Sie Abenteurer?

Jutta Schubert: Wir sind keine Abenteurer, aber sehr an Tierbeobachtungen in der Natur interessiert. Wir haben die Reise damals 2008 nach Uganda und Ruanda vor allem wegen der Berggorillas unternommen, aber auch andere Tiere gesehen, Büffel und Nilpferde im Kazinga Kanal oder Schimpansen im Kibale-Nationalpark beispielsweise. Am Victoriasee haben wir den seltenen Schuhschnabel bei einer Bootstour entdeckt. Da wir bis zu unserem Rückflug von Entebbe, der ehemaligen Hauptstadt von Uganda, einige Stunden Zeit hatten, machten wir noch einen Bootstrip zur Ngama-Insel im Victoriasee, um ein Schutzgehege für beschlagnahmte, nicht mehr komplett auswilderungsfähige Schimpansen zu besuchen.

Warum wollten Sie ausgerechnet Berg-Gorillas sehen?

Horst Schubert: Wir hatten viel über Dian Fossey und ihr Leben unter den Berggorillas gelesen und den Film über ihr Leben bei den Berggorillas geschaut. Das hat uns so fasziniert, dass wir diese imponierenden, vom Aussterben bedrohten Tiere selbst sehen wollten.

War Ihnen gleich klar, mit welch großem Aufwand die Expedition verbunden ist ?

Expedition zu dem Berg-Gorillas, 2008.
Lass kommen ... Bildrechte: Jutta und Horst Schubert

Jutta Schubert: Ja, dafür muss man ordentlich sparen und körperlich fit sein. Das war uns bewusst. Zum Zeitpunkt der Reise waren mein Mann 61 und ich 54 Jahre alt.

Das Gorilla-Trekking war unser etwas anderer Osterspaziergang. Wir hatten das Glück, dass außer uns nur ein weiterer Tourist angereist war, so dass sich unsere eigentlich pauschal gebuchte Reise sehr individuell gestaltete.

Wir hatten auch großes Glück mit unserem Fahrer und Guide Lamech, denn der hatte in Kampala Germanistik studiert. Neulich habe ich ihn über Whatsapp wiederentdeckt und kontaktiert. Er arbeitet immer noch als Fremdenführer ...

Sie waren unterwegs in den drei Nationalparks von Uganda - Kibale, Queen Elizabeth und Bwindi, Berg-Gorillas sollten sie aber erst in Ruanda sehen, im Berggorilla-Schutzgebiet in den Virunga-Bergen. Wie geht denn so ein Berg-Gorilla-Trekking eigentlich vonstatten?

Jutta Schubert: Zunächst mal muss man es Monate vorher schon von Deutschland aus extra zur Reise buchen. Denn so ein Trekking ist streng reglementiert. Es werden Permits für einen bestimmten Tag erteilt, zugelassen sind nur Gruppen von maximal acht Personen. Zunächst geht es mit Auto und Führer in das Berggorilla-Gebiet. Spätestens am Zielort braucht man gute Regenkleidung und stabile, hohe Wanderschuhe. Denn dann geht es zu Fuß weiter mit den Fährtensuchern und einigen Helfern. Teilweise müssen sie den Weg mit Machete bahnen - und der führt aufwärts durch den Regenwald, teilweise rutscht man weg im Matsch.

Expedition zu dem Berg-Gorillas, 2008.
Bildrechte: Jutta und Horst Schubert

Bei den Gorilla-Gruppen, die an Touristen gewöhnt sind, lebt tagsüber ein Begleiter, der dann auch weiß, wo sich die Tiere am Abend zur Ruhe begeben haben, so dass er am Morgen den Standort durchgeben kann. Nur genau eine Stunde darf man sich dann in der Nähe der Berggorillas aufhalten.

Das klingt, als seien die Berggorillas an Besuch gewöhnt und lächeln bereits in die Kamera?

Horst Schubert: So ist es natürlich nicht. Schon vor dem Trekking wurde wir im Camp instruiiert, wie wir uns verhalten sollen: Man darf den Gorillas, vor allem dem dominierenden Silberrücken nicht direkt in die Augen sehen.

Expedition zu dem Berg-Gorillas, 2008.
Klar, wer der Boss ist? Bildrechte: Jutta und Horst Schubert

Bei der Annäherung an einen Silberbrücken soll man sich möglichst klein machen und eine Demutshaltung einnehmen, um zu zeigen, dass man weiß, wer der Boss ist. Der Sicherheitsabstand sollte acht bis zehn Meter betragen.

Das wissen die Tiere natürlich nicht. Ein junger Gorilla hielt sich an der Hose meiner Frau fest, aber nicht, um mit ihr Kontakt aufzunehmen, sondern um die Kurve zu kriegen. Der Sicherheitsabstand soll auch die Tiere selbst schützen, etwa vor eventuellen Infektionen durch die Besucher.

Auch wenn Sie den Berggorillas nicht direkt in die Augen schauen durften, wie empfanden sie denn diese Begegnung mit einem Tier, das man sonst nur aus dem Zoo kennt?

Horst Schubert: Es war einfach beeindruckend, diese imposanten Tiere in Freiheit zu sehen, besonders am zweiten Tag bei der Sabiniyo-Gruppe mit Guhonda, dem damals größten Berggorilla der Welt. Sein "Vorgänger" war wenige Monate vorher im Kongo zurzeit des Bürgerkriegs von Wilderern erschossen worden, um die Bevölkerung zu terrorisieren. Besonders beeindruckend war auch ein junger Gorilla, der einen Silberrücken imitierte, wie ein kleines Kind, das auf sich aufmerksam machen will.

Artenschutz ist ein gerade heiß diskutiertes Thema, Zoos sind umstritten wie auch Safaris zu Wildtieren. Was war ihr Eindruck, was bringt der Tourismus in dieser Hinsicht - hilft er den Tieren und dem Land?

Horst Schubert: Die Einnahmen fließen ja auch in die Entwicklung der Infrastruktur und schaffen Arbeitsplätze. Allein der Blick auf das Trekking zeigt, dass es um keine kleinen Summen geht. Von den zehn in Ruanda lebenden Gorillagruppen können sieben von jeweils acht Gästen besucht werden. Bei dem damaligen Preis von 500 Dollar pro Person für die Erlaubnis ergeben sich Gebühren von 28.000 Dollar pro Tag bzw. rund zehn Millionen Dollar pro Jahr.

Jutta Schubert: Wenn Menschen von so weit her kommen und so viel Geld auszugeben bereit sind, dürfte das die Akzeptanz des Gorillaschutzes bei der einheimischen Bevölkerung eher stärken. Wir hatten ja auch Begegnungen mit den Menschen vor Ort; in einem Heim für Aids-Waisen im  Bwindi-Nationalpark, in einer Schule  in Port Arthur oder bei einem Marktbesuch in Ruhengeri, die ...

Es heißt, man schützt nur, was man kennt und liebt? Wie war das bei Ihnen - welche Rolle spielen Tiere in ihrem Leben?

Jutta Schubert: Ich bin mit Tieren aufgewachsen. Ich habe als Kind auf einem einsamen, weit vom Dorf entfernten Grundstück gelebt. Meine einzigen Spielkameraden waren Hühner, Kaninchen und ein Wellensittich. Die waren so an mich gewöhnt, dass ich mit ihnen spielen konnte. Später wollte ich Tierpflegerin im Dresdner Zoo werden. Das hat mir jedoch meine Mutter ausgeredet, da so ein Beruf nichts für eine Abiturientin sei. Das ich darauf gehört habe, bedaure ich noch heute. Aber zumindest habe ich meiner Tochter erlaubt, Pferdewirtin zu werden - "trotz Abiturs". Man soll die Kinder lassen.

Das Interesse für Tiere ist bei mir geblieben. Jeden Freitag sehen wir ETC im MDR. In jeder Stadt, die wir besichtigen, sehen wir uns auch den Zoo an. In Leipzig sind wir mindestens einmal im Jahr. Aber Tiere in freier Wildbahn zu sehen, ist natürlich etwas anderes: Im August brechen wir wieder auf nach Tansania. Mein Mann war früher Mann Fachbereichsleiter "Soziale Stadt" in Wittenberg und ist jetzt Rentner, ich arbeite noch in einem Kindergarten in Magdeburg. Wir machen woanders Abstriche, um uns dieses Reisen leisten zu können.



Zuletzt aktualisiert: 11. April 2017, 18:31 Uhr