So klein kann doch kein Büffel sein ...
Eine Hommage an das Anoa
Vielleicht sind Ihnen als Zoobesucher die Anoas noch gar nicht so recht aufgefallen? Zwischen Nashörnern und Bärenburg wirken die kleinen Büffel zugegebenermaßen etwas unscheinbar. Doch wer am Anoagehege mit einem schulterzuckenden "Ist halt ein kleines Rind" vorbeigeht, täuscht sich gewaltig. Die exotischen Tiere sind in freier Wildbahn einzig in den Regenwäldern der indonesischen Insel Sulawesi zu finden. Eigentlich haben sie dort keine Feinde, schließlich wissen sich die kleinen Kraftpakete mit ihren lanzenhaften Hörnern äußerst wirkungsvoll zu wehren.
Allein der Mensch verdrängt diese einzigartigen Tiere und ihren Lebensraum zunehmend, um die natürlichen Regenwälder durch Kulturpflanzen wie Kaffee und Kakao zu ersetzen. Zudem werden die streng geschützten Tiere immer wieder von Wilderern in Fallgruben und Schlingen gefangen, um an ihr begehrtes Fleisch zu gelangen. So sind die Anoas in ihrer Heimat vom Aussterben bedroht. Bernhard und Bianca, die Anoas aus dem Leipziger Zoo, sind daher ein wirklich seltener Anblick. Auch weil es auf der ganzen Welt nur etwa 35 Zoos gibt, die die scheuen Wildrinder halten.
Da der Leipziger Zoo außerdem eine jahrzehntelange Tradition in der Anoa-Zucht vorzuweisen hat – seit 1972 haben hier fast 60 Anoa-Kälber das Licht der Welt erblickt – führt er seit 1986 das internationale Zuchtbuch für die bedrohte Tierart. In dieser Funktion koordiniert der Leipziger Zoo die Vermehrung aller weltweit in Tiergärten lebenden Anoas. Und die gilt als äußerst schwierig. Zum einen sind die Wildrinder scheue Einzelgänger, bei der Paarung funkt es entweder binnen weniger Stunden oder das Feuer erlischt. Zum anderen sind die Kraftprotze auch mit ihren eigenen Artgenossen nicht allzu zimperlich. In der freien Wildbahn verletzen sich die Tiere nicht selten lebensbedrohlich. Um dies zu verhindern, rundet Tierarzt Prof. Dr. Eulenberger den Leipzigern Bernhard und Bianca regelmäßig die spitzen Hörner ab. Das sieht zwar etwas merkwürdig aus, zeigt aber Wirkung. Bernhard und Bianca zeigen verletzungsfreies Interesse füreinander, der nächste Nachwuchs wird bereits erwartet.
Wer um die Besonderheit der exotischen und seltenen Anoas weiß, geht ganz sicher mit anderen Augen an dem Gehege der indonesischen Mini-Büffel vorbei.
Wir von "Elefant, Tiger und Co." tun das Übrige, um diese interessanten Tiere ins rechte Licht zu rücken und sind dabei, wenn es etwas Neues aus dem Gehege zwischen Nashornanlage und Bärenburg zu berichten gibt.
Tierordnung / -familie:
Paarhufer / Hornträger
Ursprüngliche Heimat:
Die Regenwälder der indonesischen Insel Sulawesi
Nahrung:
Gräser, Kräuter, Blätter und andere pflanzliche Nahrung
Größe / Gewicht:
Schulterhöhe zwischen 60 und 100 cm bei maximal 300 kg Körpergewicht
Tiere im Leipziger Zoo:
* "Bianca" (*1999 in Planckendael/Belgien)
* "Bernhard" (*1997 in Leipzig)
