Am Brühl in Leipzig
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Der Osten – Entdecke wo du lebst | MDR FERNSEHEN | 05.09.2017 | 20:45 Uhr Unsere Boulevards – Der Brühl in Leipzig

Ein Film von Ulrich Liebeskind

Seit mehr als 1.000 Jahren zieht der Brühl in Leipzig die Menschen an. Schon der junge Goethe, Richard Wagner und Karl May wurden hier verzaubert. "Der Brühl verschweigt ein Stück weit seine Geschichte. Den Brühl muss man entdecken" meint der Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Dr. Volker Rodekamp.

Am Brühl in Leipzig
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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sitzt in den kanadischen Wäldern ein Pelztierjäger. Per Brief sucht er Geschäftspartner, um seine Felle zu verkaufen. Als Adresse notiert er ein einziges Wort: Brühl. Tatsächlich landet der Brief wenig später in Leipzig. Denn der Leipziger Brühl ist zu dieser Zeit die Welthauptstraße der Pelze mit rund 10.000 Beschäftigten.

Kürschnermeisterin Romy Kästner bei der Arbeit
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Manchmal haben die Leute zwei Jahre gewartet, um einen Pelz zu bekommen. Das hatte einen ganz anderen Stellenwert damals.

Romy Kästner Kürschnermeisterin am Brühl

Kleiner Brühl ganz groß

Der Brühl selbst ist nur etwa 580 Meter lang. Doch schon im Mittelalter ist er ein Teil der Via Regia, jener berühmten Handelsstraße, die Westeuropa mit dem Osten des Kontinents verbindet. Ein idealer Platz für Kaufleute - jahrhundertelang, bis zur Machtübernahme der Nazis. 

Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig, Dr. Volker Rodekamp, im Gespräch.
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Nach 1933 wurden der Brühl und seine Kultur systematisch zerstört. Die ganzen Pelzhäuser, die ja im Wesentlichen in jüdischer Hand waren, wurden arisiert und zerschlagen.

So beschreibt Volker Rodekamp den Niedergang der Prachtstraße. In der DDR war der Pelzhandel vor allem eine Devisenquelle. Heute gibt es nur noch eine einzige Kürschnerin am Brühl.

Die "Blechbüchse" war geboren

Einzigartig war auch die Aluminiumfassade des 1968 wiedereröffneten Kaufhauses am westlichen Straßenende. 90.000 Menschen stürmten das damals größte und modernste Warenhaus der DDR - besser bekannt als "Blechbüchse".

Konsum Warenhaus am Brühl, die Blechbüchse in Leipzig. Aufgenommen am 01.06.1990
Das Kaufhaus Brühl öffnete 1908. Obwohl es von beträchtlichen Kriegsschäden gezeichnet war, wurde es bereits 1951 als "Kaufhaus des Friedens" wieder genutzt. 1968 war das neue "Konsument am Brühl" das größte Warenhaus der DDR. Bildrechte: IMAGO

Auf den Hochhäusern daneben befand sich die weithin sichtbare Leuchtreklame "Mein Leipzig lob ich mir". Nach der Wende wurden die Hochhäuser abgerissen. Was ist aus dem Schriftzug geworden? Das MDR-Team hat ihn gesucht, wiedergefunden und zum Strahlen gebracht.

Der Brühl im Wandel der Zeit

Auf der Baustelle am Brühl in der Leipziger Innenstadt ruhen am Montag (14.06.2010) die Abbrucharbeiten an der einstigen Fassade der Blechbüchse, wie das Warenhaus im Volksmund genannt wird.
2010 wurde mit dem Abriss des alten Gebäudes begonnen. Die Aluminiumfassade wurde dabei demoniert ... Bildrechte: dpa
Auf der Baustelle am Brühl in der Leipziger Innenstadt ruhen am Montag (14.06.2010) die Abbrucharbeiten an der einstigen Fassade der Blechbüchse, wie das Warenhaus im Volksmund genannt wird.
2010 wurde mit dem Abriss des alten Gebäudes begonnen. Die Aluminiumfassade wurde dabei demoniert ... Bildrechte: dpa
Blick auf die-Höfe am Brühl-in Leipzig
... und am neuen Gebäude angebracht. Der Neubau wurde in die "Höfe am Brühl" integriert. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Passanten gehen in Leipzig durch das neue Einkaufszentrum Höfe am Brühl.
In Form eines kleinen Museums wird hier an die wechselvolle Geschichte des Standortes mit der historischen Adresse Brühl Nummer eins erinnert. Bildrechte: Sebastian Willnow/dapd
Einkaufszentrum Höfe am Brühl in Leipzig
Heute dominieren die Höfe am Brühl diesen berühmten Abschnitt der Straße. 45.000 Quadratmeter bieten Platz für 130 Geschäfte und 70 Wohnungen.   Bildrechte: Sebastian Willnow/dapd
Blick auf das Romanushaus am Brühl/Ecke Katharinenstraße in der Leipziger Innenstadt
Nebenan steht das älteste erhaltene Haus in der Straße - das Romanushaus. Es stammt aus dem Jahr 1701. Benannt ist das barocke Stadtpalais nach dem Leipziger Bürgermeister Romanus. Bildrechte: dpa
Passanten gehen an einem überdimensionalen Pop-Art-Motiv des Künstlers Michael Fischer in der Innenstadt von Leipzig (Sachsen) entlang.
Auch das ist der Brühl: Ein riesiges Pop-Art-Motiv des Künstlers Michael Fischer ziert eine Hauswand an der heutigen Shopping-Meile. Das comicartige Werk thematisiert die politsche Wende von 1989/90. Bildrechte: Jens Wolf/dpa
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Zuletzt aktualisiert: 06. September 2017, 13:33 Uhr