Traktor
Restaurierter Traktor aus Schönebeck des Typs ZT 300 Bildrechte: MDR/Andre Strobel

Der Osten – Entdecke, wo du lebst | 14.11.2017 Traktoren made in Schönebeck

Ein Film von Andre Strobel

Fahrzeuge wie Traktoren oder Mähdrescher werden als Nutzfahrzeuge hergestellt. Für Menschen aus Schönebeck sind sie viel mehr. Sie sind Teil ihrer Lebensgeschichte. Und für den einen oder anderen eine Faszination.

Traktor
Restaurierter Traktor aus Schönebeck des Typs ZT 300 Bildrechte: MDR/Andre Strobel

Pflügen, ernten, schleppen – dafür sind sie noch heute bekannt, die Traktoren made in Schönebeck. Ob flexibler Ein-Mann-Traktor oder starker Ernteschlepper: Was hier gebaut wurde, prägte die Landwirtschaft der DDR und vieler Länder weltweit nachhaltig.

Seiner Zeit voraus

Inge Geiger vor einem Mähdrescher
Inge Geiger war Montageschlosserin in Schönebeck und wurde zum Werbegesicht für den Betrieb. Bildrechte: Inge Geiger

Das Traktorenwerk war aber nicht nur technisch ein Vorreiter, sondern auch bei der Gleichstellung der Frau. Anfang der siebziger Jahre lautete die Devise: "Frauen auf die Maschinen". Auch Inge Geiger folgte diesem Ruf und begann eine Lehre zur Montageschlosserin. Ihr kam später noch eine besondere Rolle zu: Bei großen Messen präsentierte sie die Traktoren und wurde zur lebendigen Werbefigur.

Diese damals recht ungewöhnliche Marketingstrategie erzielte Wirkung. Zigtausend Traktoren wurden zu DDR-Zeiten ins Ausland exportiert. Das lag vor allem an der Qualität der Produkte. Der ZT 300, der 1967 zum ersten Mal vom Band lief, wurde zum Dauerbrenner: über 90.000 Mal gebaut – jeder einzelne in Schönebeck. "Traktoren made in GDR" waren gefragt in Äthiopien, in Ungarn, aber auch in Spanien und Frankreich.

Traktoren auf einem Schiff
Die Traktoren aus Schönebeck wurden zahlreich ins Ausland exportiert. Bildrechte: Salzlandmuseum Schönebeck

Der "blaue Schönebecker", wie der Traktor wegen seiner blauen Farbe genannt wurde, hatte einen gefederten Komfortsitz, ein geschlossenes Fahrerhaus und einen auf Gummi gelagerten Motor mit 90 PS – damals eine Meisterleistung der Konstrukteure. Dabei berichtet Inge Geiger von vielen Problemen: "Als der ZT auf den Markt kam, beschwerten sich viele Landwirte: zu schwer, nicht genug Leistung, zu anfällig." Den anfänglichen Problemen zum Trotz avancierte das Werk zu einem echten Vorzeigebetrieb, die Traktorenwerker zu Image-Trägern.

Noch heute bringen die Schönebecker Traktoren ihre Fans ins Schwärmen. Dennis Meyer zum Beispiel: Der 39-Jährige baut in seinem Keller die Traktoren als kleine Modelle nach. Und sie fahren auch noch, so wie in Rottelsdorf bei den Schlepperfreunden.

Dennis Meyer mit einem Traktorenmodell
Dennis Meyer baut Schönebecker Traktoren als kleine Modelle nach. Bildrechte: MDR/Andre Strobel

Bis 1999 wurde in Schönebeck Landtechnik gebaut, dann standen die Bänder endgültig still. Schon zu DDR-Zeiten deutete sich an, dass der ZT 300 und dessen Nachfolger kaum eine Chance auf dem schwer umkämpften Weltmarkt haben würden. Umso erstaunlicher ist es, dass sich heute ein studentisches Projekt in Magdeburg um die Wiederbelebung Schönebecker Traktoren bemüht.

Der Film von André Strobel erzählt die Geschichten rund um das Traktorenwerk Schönebeck – dem einstigen Mekka des Traktorenbaus.

Ein restaurierter ZT 300 beim Traktorentreffen in Schönebeck
Bildrechte: ARD Foto

10. November 2017 | 18 Uhr Voraufführung "Traktoren made in Schönebeck"

Voraufführung "Traktoren made in Schönebeck"

Der Film "Traktoren in Schönebeck" wird am Freitag, dem 10. November um 18 Uhr vor der Fernseh-Ausstrahlung, im Industriemuseum Schönebeck aufgeführt. Der Eintritt ist frei.

Dieses Thema im Programm MDR FERNSEHEN | Der Osten – Entdecke, wo du lebst | 14.11.2017 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2017, 10:53 Uhr