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Escher | MDR FERNSEHEN | 25.08.2011 | 20:15 Uhr : Verbrauchersieg: Warum eine Bank ihre Kunden jetzt entschädigen will

Zahlreiche Kunden hatten jahrelang ihr Geld in einen in Fachkreisen angesehenen offenen Immobilienfonds investiert, bis die Bank, ein großes deutsches Kreditinstitut, ihnen riet, ihr Kapital in einen anderen offenen Immobiliendachfonds umzuschichten. Für die Bank sprangen für dieses Tauschgeschäft fünf Prozent Provision heraus. Doch der Dachfonds stand schon seit seiner Auflage im Mai 2008 unter keinem guten Stern. Nach nicht einmal zweieinhalb Jahren wurde der "neue" offene Fonds geschlossen. Unzählige Kleinanleger, darunter viele Rentner, fühlten sich falsch beraten, denn durch die Schließung des Dachfonds kamen sie nicht mehr an ihr Kapital.

Beratungsgespräch

Die Fälle aus der Sendung

Fall 1:

Im Jahr 2000 entschlossen sich Jens und Heide K. für die Investition in einen schon seit vielen Jahren sicheren offenen Immobilienfonds. Dieser gilt in Fachkreisen als attraktive Anlage. Die Berliner erinnern sich, mit gutem Gefühl ihr Geld angelegt zu haben. Die Stabilität des Fonds in den letzten Jahrzehnten und die Aussicht auf kontinuierliches Wachstum beruhigte die beiden. Das Rentnerpaar hatte zuvor sehr schlechte Erfahrungen mit einem Makler gemacht, der ihnen eine schwierige Immobilie aufgeschwatzt und sie dadurch um viel Geld gebracht hatte. Deshalb wollen sie jetzt auf der sicheren Seite sein, um nach einigen Jahren die Hypothek für diese Immobilie ablösen zu können. Doch es kommt anders als geplant: Im Juli 2008 erhält der ehemalige Familienrichter einen Anruf von seiner Bank. Diese bittet den 79-Jährigen zum Beratungsgespräch und empfiehlt ihm den Wechsel in einen neuen Fonds. Er folgt dem Rat der Kundenbetreuerin und schichtet das Kapital um.

Von der Lehmann-Pleite und der folgenden Finanzkrise im Herbst 2008 ist auch der „neue“ Fonds betroffen. Familie K. spürt die Folgen jedoch erst zwei Jahre später. Im September 2010 wird der Fonds geschlossen. Familie K. kommt nun nicht mehr an ihr Geld, insgesamt knapp 88.000 Euro. Das wollen die Berliner nicht akzeptieren und suchen Rat bei einem Rechtsanwalt.

Fall 2:

Auch Christel W. aus dem sächsischen Meuselwitz hat 2008 vom stabilen Fonds in den "neuen" gewechselt und all ihr Erspartes, ihre Altersvorsorge, darin investiert. Mit der Schließung des Fonds verliert die gelernte Pharmazielaborantin nicht nur fast 39.000 Euro, sondern auch das Geld eines Familienangehörigen, dem sie die Anlage weiterempfohlen hat. Die 61-jährige EU-Rentnerin lebt heute bescheiden in ihrer 42 Quadratmeter kleinen Wohnung und muss jeden Cent zweimal umdrehen.

Nun will die Bank ihre Kunden, also auch das Ehepaar K. und Christel W., entschädigen. Ist das etwa die Rettung? Das Rücknahmeangebot liegt bei 43,38 Euro pro Anteil und gilt bis zum 15. September 2011. Christel W. hat im Jahr 2008 51,26 Euro pro Anteil bezahlt, das heißt, sie würde 15,4 Prozent einbüßen. Bei Familie K. sieht es ähnlich aus. Neben den hohen Einbußen hat das Angebot jedoch noch einen weiteren Haken für die betroffenen Kunden: Sie müssen unterschreiben, dass sie zukünftig keine weiteren Rechte gegen die Bank geltend machen.

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