Escher | 08.12.2011 | 20:15 Uhr : Unseriöse Inkassofirmen: Wie setzt man sich zur Wehr?
Schreiben von Inkassofirmen sind in der heutigen Zeit zu einem Massenphänomen geworden. Doch nicht nur der säumige Verbraucher ist daran schuld. Unseriöse Firmen stellen unberechtigte Forderungen. Das Problem: Es fehlt an gesetzlichen Regelungen, um unsaubere Geldeintreiber in die Schranken zu weisen. Selbst der Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen fordert inzwischen eine effektivere Inkassoaufsicht.
Die Verbraucherzentralen haben ganz aktuell eine Studie (siehe rechte Spalte) vorgelegt, in der die Geschäfte von über 100 Inkassounternehmen systematisch untersucht worden sind. Die wichtigsten Ergebnisse der Auswertung: 15 Prozent der erfassten Unternehmen sind nicht einmal registriert und dürfen genaugenommen gar keine Schulden eintreiben. 84 Prozent der ausgewerteten Beschwerdefälle waren, laut Verbraucherzentrale, unberechtigte Forderungen. Und in 50 Prozent der Fälle wurden neben den Inkassokosten weitere "mutmaßlich unzulässige Kostenpositionen" geltend gemacht.
Der Fall aus unserer Sendung
Ende September erhielt der Rentner Gerhard L. aus Meinigen einen Brief einer Inkassofirma, nach dem er fast 2.000 Euro bezahlen solle. Wofür, weiß er nicht. Laut dem Schreiben habe er am Telefon einen Dienstleistungsvertrag für 200 Gewinnspiele abgeschlossen. "Die Gesamtforderung beträgt 1.990 Euro", schrieb die Firma. Nur eine sofortige Zahlung des Geldbetrags würde Gerhard L. weitere "Folgekosten und Unannehmlichkeiten" ersparen.
Laut der Studie der Verbraucherzentralen zählt auch diese Berliner Inkassofirma zu den Unternehmen, die nicht registriert sind und daher auch keine Berechtigung haben, Forderungen einzutreiben.
Tipps
Was sollte man beachten, um seine persönlichen Daten zu schützen?
Schon bei einem Kauf im Internet, bei Gewinnspielen oder Umfragen und auch mit der Teilnahme an Rabattkartensystemen offenbaren Verbraucher ihre persönlichen Daten und Einkaufsgewohnheiten.
Generell sollte man aber auf bestimmte Punkte achten:
- Geben Sie Ihre Daten nur heraus, wenn es wirklich notwendig ist.
- Vermerken Sie bei Gewinnspielen und Verlosungen, dass Sie einer Weiterverwendung Ihrer Daten nicht zustimmen und achten Sie darauf, dass Sie Ihre Einwilligung nicht im Paket mit anderen Erklärungen dafür abgeben.
- Erkundigen Sie sich bei Unternehmen, welche Daten über Sie gespeichert werden, und widersprechen Sie gegebenenfalls der Weitergabe dieser persönlichen Angaben.
- Wägen Sie für sich ab, ob der Nutzen von Rabatt- und Kundenkarten wirklich größer ist als die Folgen der Preisgabe Ihrer Daten.
- Seien Sie besonders wachsam, wenn Sie angerufen und nach persönlichen Daten gefragt werden. Ein angeblicher "Abgleich" Ihrer Angaben kann unter Umständen ein Trick sein, an diese überhaupt erst zu kommen.
Wie sollte man sich beim Erhalt einer Inkassoforderung verhalten?
Fragen Sie sich selbst: Könnte die Forderung berechtigt sein? Lassen Sie sich auf jeden Fall nicht durch das selbstsichere Schreiben eines Inkassobüros verunsichern. Wenn Sie sich sicher sind, dass die genannte Firma keine begründeten Geldansprüche gegen Sie haben kann, bestreiten Sie schriftlich das Bestehen der Forderung. Handeln Sie auf jeden Fall, denn unbestrittene Forderungen berechtigen Inkassobüros dazu, negative Schufa-Einträge zu bewirken. Und diese wiederum können zu einer Schädigung Ihrer Kreditwürdigkeit führen.
Forderungen nach Gewinnspielteilnahmen, Vorteilsfonds oder Rabattversprechungen sind meist unseriös, daher sollte man auf diese nicht eingehen. Das Nichtzahlen ist in jedem Fall der beste Schutz vor weiteren Forderungen. Mahnbescheiden sollte man aber in jedem Fall innerhalb der gesetzlichen Frist widersprechen. Laut Expertenmeinung kommt es in den meisten Fällen nicht zu Gerichtsverhandlungen. Die Inkassobüros und ihre Auftraggeber lassen sich in der Regel nicht darauf ein, weil sie wissen, dass sie im Zweifelsfall nicht gewinnen werden.
Worin unterscheiden sich seriöse Inkassofirmen von unseriösen?
In den Schreiben von seriösen Inkassounternehmen ist die vollständige Adresse des Auftraggebers angegeben. Außerdem wird die Dienstleistung oder die Warenlieferung so bezeichnet, dass man sie ohne großen Aufwand nachvollziehen kann. Als grundsätzlich unseriös zu betrachten sind Forderungen von Gewinnspieleintragungsunternehmen oder Rabattunternehmen.
Was tun, wenn auf Widersprüche nicht reagiert und weiterhin Mahnungen verschickt werden?
Oft nehmen unseriöse Inkassounternehmen gezielt ältere Menschen ins Visier, von denen sie annehmen, diese ließen sich leichter einschüchtern. Durch unberechtigte Drohungen mit staatlichen Zwangsmitteln wollen Inkassofirmen sie zu einer Zahlung drängen. Betroffene können sich an die Verbraucherzentralen oder auch an entsprechende Vereine, z.B. an die Bundesvereinigung gegen unlauteres Inkasso e.V. (siehe rechte Spalte), wenden. Wenn ein solcher Verein einem Inkassounternehmen die Mitgliedschaft des Betroffenen im Verein mitteilt, ist in der Regel dauerhaft Schluss mit der Abzocke. Denn die Unternehmen denken wirtschaftlich und geben nicht unnötig Geld für Briefe aus, bei denen kein Gewinn zu erzielen ist.
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