Exakt

Exakt vom 18.01.2011 : Illegale Mülltransporte nach Sachsen

Nach den ersten Berichten über illegale Müllimporte nach Sachsen hieß es im Umweltministerium noch: "Alles unbekannt!" Inzwischen gibt es immerhin einen Untersuchungsausschuss, doch die Abgeordneten tappen bislang im Dunkeln, was für Dreck tatsächlich bei uns gelandet ist. In Exakt berichtet nun der italienische Chefermittler über das ganze Ausmaß des Müllskandals.

Die Zentraldeponie Cröbern im Leipziger Südraum hat offenbar illegal Giftmüll angenommen. Die italienische Spezialeinheit für Umweltverbrechen erheben schwere Vorwürfe gegen den Betreiber der Deponie, die Westsächsische Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (WEV).

Müll mit falschen Papieren angenommen

Den Berichten zufolge hat die halbkommunale WEV im Jahr 2008 in mindestens acht Fällen Giftmüll mit falschen Papieren aus Italien angenommen. Laut dem Chef der italienischen Ermittlungsgruppe, Guiseppe di Venere, hat die WEV dabei auch mehrmals gemerkt, dass bei den Abfällen Grenzwerte überschritten worden seien, ohne etwas zu unternehmen. So seien die Werte für das hochgiftige Arsen, Selen, Chlorid, Furan und Dioxin überschritten worden. In jedem dieser Fälle hätte die Deponie die Pflicht gehabt, die zuständigen Behörden zu informieren. Das ist aber nach MDR-Informationen nicht geschehen. Eine Meldung an die Behörden hätte die Müllimporte sofort gestoppt.

Analysen und Zertifikate gefälscht

Ermittlungen der italienischen Staatsanwaltschaft gegen zwei italienische Vertragsfirmen der WEV brachten die Vorfälle ans Tageslicht. So war eine der beiden Firmen dafür verantwortlich, die gefährlichen Abfälle vor dem Transport nach Deutschland vorzubehandeln und zu entgiften. Stattdessen wurden die Analysen offenbar gefälscht. So wurden entweder komplett falsche Zertifikate für die Transporte ausgestellt oder die Analysen von anderen Transporten für die für Deutschland bestimmten Abfälle verwendet.

Nicht der erste Cröbern-Skandal

Die Deponie Cröbern, die sich im Leipziger Neuseenland zwischen dem Markkleeberger und dem Störmthaler See befindet, ist nicht zum ersten Mal in den Schlagzeilen. Schon 2008 wurde bekannt, dass Müll aus Neapel mit falschen Papieren nach Cröbern gebracht wurde. Zudem wurden die zuständigen Behörden nicht darüber informiert, dass rund 100.000 Tonnen des Mülls weiter nach Sachsen-Anhalt gebracht wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall bis heute. Das Italiengeschäft der WEV beschäftigt auch den sogenannten "Müll-Untersuchungsausschuss" des sächsischen Landtags.

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2011, 00:33 Uhr

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