Die sogenannte Erlebnisscheune in Kirchheim (Ilmkreis, Thüringen) ist ein beliebter Veranstaltungsort für Rechtsextreme.
Bildrechte: MDR/Johanna Hemkentokrax

Exakt - Die Story | 15.02.2017 | 20:45 Uhr Immobilien, Geld und Hassmusik - Die Netzwerke der Neonazis

Ein Film von Axel Hemmerling und Johanna Hemkentokrax

Ob konspirativ organisiert oder ganz offen als Familienfest beworben, Thüringen ist beliebter Veranstaltungsort für rechtsextreme Konzerte und Festivals. Mit den Events macht die Szene Geld - das fließt zum Beispiel in Immobilien, Prozesskosten und Strukturen. Exakt - Die Story hat ein Neonazi-Musikjahr in Thüringen dokumentiert.

Die sogenannte Erlebnisscheune in Kirchheim (Ilmkreis, Thüringen) ist ein beliebter Veranstaltungsort für Rechtsextreme.
Bildrechte: MDR/Johanna Hemkentokrax

Die Neonazis fühlen sich hierzulande wohl: nirgendwo sonst gibt es so viele rechtsextremistische Konzerte, Liederabende und Festivals wie in Thüringen und Sachsen. Allein in Thüringen wurden 2016 rund 50 Konzerte gezählt - doppelt so viele wie vor zehn Jahren.

Auf den einschlägigen Szene-Events werden nicht nur Kontakte gepflegt, sondern Geld gemacht: für politische Aktivitäten, Immobilien und Gerichtskosten von gewalttätigen "Kameraden". Neonazis als knallharte Geschäftsleute.

Die Szene kann längst auf eine hervorragende Struktur zurückgreifen: Gaststätten, bei denen Neonazis als Kunden gern gesehen sind, oder gar eigene Immobilien, wo sie machen können, was sie wollen. Dabei ziehen immer wieder dieselben Hintermänner die Fäden.

Die Polizei muss meist nur zusehen. Die Ordnungsämter der Städte und Landkreise machen es den rechtsextremen Partygängern manchmal leicht. So werden die Netzwerke im Verborgenen gestärkt und immer weiter ausgebaut. Europaweit.

Das Signal, das damit an die rechtsextreme Szene geht, ist: Wir halten euch den Rücken frei. Das Signal, das an die kritische Öffentlichkeit geht und das auch an die Presse geht ist: Eure Pressefreiheit endet hier, wo die Wohlfühlzone der Rechtsextremen beginnt. Das ist ein schwieriges, ein höchst problematisches Zeichen, im Sinne auch, dass wir eigentlich gelernt haben wollen aus dem NSU, dass wir sensibler sein wollen, dass wir genauer hingucken müssen, was hier eigentlich am rechten Rand passiert. Wenn sich die Polizei im Grunde zum Erfüllungsgehilfen von Neonazis macht, um kritische Berichterstattung zu verhindern, ist das ein ganz ganz problematisches Signal in alle Richtungen.

Matthias Quent, Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena
Teilnehmer einer Demonstration der rechtsextremen Gruppe
Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Die Netzwerke der Neonazis in Thüringen und Sachsen Immobilien, Geld und Hassmusik

Immobilien, Geld und Hassmusik

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Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2017, 12:39 Uhr