Exakt | 09.11.2016 Dubioses Geld-Anlagemodell

Volker T. aus Thüringen war zu DDR-Zeiten Radsportler, nach der Wende wurde er Finanzberater. Er warb dutzende Privatanleger für angeblich lukrative Kapitalgeschäfte an. Nun ist das Geld weg. Auch als "Projektentwickler" war Volker T. aktiv. So versprach er vollmundig, in Kühlungsborn an der Ostsee, eine 500 Meter lange Seebrücke zu errichten. Alles nur Fake? Auf jeden Fall sind ihm nun Sichersteller auf den Fersen, die Teile seines Besitzes beschlagnahmen wollen.

Plastische Illustration einer einstweiligen Verfügung. Sichersteller Mario Hoffie hat so etwas noch nicht erlebt. Eigentlich wollte er Geld eintreiben, aber 50 Meter vor diesem Haus ist Schluss für ihn. Der Villa und seinem Bewohner darf er nicht näher kommen, auch Telefon-und Mailkontakte sind ihm vorerst verboten. In dem Haus lebt Volker T., Geschäftsführer einer amerikanischen Firmengruppe. Sichersteller Hoffie hat im Auftrag von privaten Anlegern versucht, Gelder aus Anlagegeschäften dieser Firma wieder zurückzuholen.

Wir vertreten 21, 22 Anleger, es geht um ca. 1,2 Millionen. Er wollte das gewinnbringend anlegen, wollte Immobilien kaufen, wollte Bankgeschäfte damit tätigen. Die Anleger, die wir vertreten, haben so zwischen 25.000 und 100.000 Euro angelegt.

Mario Hoffie

Die meisten geprellten Anleger kommen aus Brandenburg und Sachsen. Volker T. und seine Mittelsmänner warben Dutzende Privatanleger für angeblich lukrative Kapitalanlagegeschäfte an. Deren Geld sollte sicher in Luxusimmobilien oder sogenannte Private Placement Programme investiert werden. So könnten sie ganz groß in Geschäfte einsteigen, die sonst nur Banken vorbehalten sind - wurde versprochen. Es ging um hohe Renditen, die Geschäfte sollten in den USA stattfinden. Volker T. trat als General Manager einer Firmengruppe mit Sitz in Las Vegas auf. Nach unseren Recherchen soll diese Firmengruppe in den letzten vier Jahren von gutgläubigen Anlegern ca. fünf Millionen Euro eingesammelt haben.

Wir treffen einen der Anleger. Herr E. wohnt in der Nähe von Leipzig, er möchte unerkannt bleiben. 15.000 Euro hat er selbst eingesetzt und war vom Anlagemodell zunächst so begeistert, dass er noch neun weitere Anleger geworben hat. Insgesamt 250.000 Euro kamen so zusammen. Nur die versprochene Kapitalvermehrung fand über Jahre nicht statt. Die Anleger werden nervös. Bis heute haben sie keinen Euro der angelegten Summe zurückbekommen. E. bedauert zutiefst, andere mit hineingezogen zu haben. Das System hat auch dank solcher Vermittler wie ihn über Jahre funktioniert.

Rechtsanwalt Christian Röhlke hat zeitweise einen der Anleger, der sogar drei Mio. Euro investiert hat, vertreten. Der Experte für Kapitalanlagerecht hat seine Zweifel an den Geschäften von Volker T.

Das Firmengeflecht ist sehr undurchsichtig. Es sind sehr viele Firmen, teilweise mit identischen Namen, und es ist sehr schwer herauszufinden, wo die Gelder tatsächlich investiert worden sein könnten. Es soll ein Handel mit Bankgarantien sein oder kurzfristigen Bankschuldverschreibungen. Das Problem ist, diesen Bankgarantiehandel gibt es nicht, davor wird seit 25 Jahren gewarnt. Inzwischen gibt es mehrere Strafanzeigen gegen Volker T. und weitere Beteiligte. Die Staatsanwaltschaft in Berlin ermittelt bereits seit zwei Jahren.

Christian Röhlke, Rechtsanwalt

Wir ermitteln auf Grund von fünf Strafanzeigen, wir gehen jetzt von mindestens 39 Geschädigten aus. Und die Ermittlungen, die gestalten sich ziemlich aufwändig und ziemlich langwierig und zwar aus mehreren Gründen. Wir haben undurchsichtige Geldflüsse, die wir aufklären müssen, wir haben teilweise die Beteiligung von ausländischen, auch Briefkastengesellschaften. Und die Geschäftsunterlagen sind nicht vollständig vorhanden.

Martin Steltner, Staatsanwaltschaft Berlin

Wer ist Volker T.? Der gebürtige Thüringer und Ex-Radsportler wurde bereits 2007 wegen Kreditbetruges auf Bewährung verurteilt. Seit Jahren tritt er als Manager verschiedener Firmen mit Sitz in den USA auf. Und er schmückt sich offenbar gerne mit Projekten, die ihm eine gewisse Aufmerksamkeit einbringen. Wir sind mit Rainer Karl, dem Bürgermeister von Kühlungsborn, verabredet. Hier tauchte Volker T. Ende letzten Jahres auf, mit Plänen für eine gigantische Seebrücke.

500 Meter wäre die lang gewesen, die er vorhatte, 500 Meter ins Meer. Das ist schon eine Hausnummer. Bis zu den letzten, ersten Wellen dahinten, bis zu den Wellenspitzen wäre das schon gegangen. Kostenpunkt, hat er mal angedeutet, meine ich, um die 50 Millionen oder so, mit allem Drum und Dran, mit Gastronomie, was da rein kam, Unterwasserrestaurant.

Rainer Karl, Bürgermeister

Volker T. präsentiert ein beeindruckendes Projektbild der Superbrücke, die Gemeindevertretung diskutiert mehrfach darüber. Das „Paradise Island“ des Volker T. ist das Gesprächsthema in Kühlungsborn. Die Ostseezeitung titelt „Brücke der Superlative“. Nun erreichen den Bürgermeister die ersten Warnungen von geprellten Anlegern. Am Ende die Ahnung, da hat jemand möglicherweise nur ein seriöses Aushängeschild für andere Geschäfte gesucht. Kühlungsborn muss wohl erst einmal mit der alten Seebrücke vorlieb nehmen.

Termin im Amtsgericht Stralsund. Es geht um die einstweilige Verfügung vom Anfang. Hier treffen wir Volker T. Mit uns sprechen will er nicht. - Und die Anleger? Nach Exakt-Recherchen sollen rund 40 Privatleute noch auf ihr Geld warten. Es geht um rund fünf Millionen Euro.

Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2016, 16:13 Uhr

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