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Exakt - Die Story | MDR FERNSEHEN | 06.06.2012 | 20:45 Uhr : Gekauft - Geklaut! Der Kampf gegen die Automafia

Ein Film von Andreas Wolter

Bis zu 100 Autos werden täglich gestohlen! Kein Wunder, dass der Ruf nach härteren Strafen für die Täter lauter wird. Doch die muss man im Zeitalter der offenen Grenzen erst einmal zu fassen kriegen ... Haben wir den Kampf gegen die Automafia längst verloren?

Ein Mann versucht eine Autotür aufzubrechen.

Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind. Umso erschreckender ist für viele Bundesbürger der massive Anstieg von Autodiebstählen. Im Jahr 2011 wurden in Deutschland rund 41.000 Pkw entwendet, die Versicherungen mussten 2010 im Vergleich zum Vorjahr 25 Prozent mehr Budget für die Regulierung der entstandenen Schäden aufwenden. In Zahlen sind das etwa 100 gestohlene Fahrzeuge pro Tag! Das hat mittlerweile auch die Politik alarmiert, neue Fahndungskonzepte sind im Gespräch.

Autowracks auf einem Feldweg
Die Überreste etlicher Neuwagen landen als Edelschrott im polnischen Brachland ...

Vor allem im Grenzgebiet zu Polen und Tschechien leiden die Bewohner unter den gezielten Beutezügen. Hier haben sich die Autodiebstähle innerhalb weniger Jahre sogar verdoppelt. Die meisten gestohlenen Wagen werden im Anschluss nach Osteuropa verschoben. Allerdings operieren die gut organisieren Banden längst auch im Landesinnern, lassen ihre Spezialisten notfalls einfliegen. Mit Know-how und PC-Technik können Wegfahrsperren und Sicherheitstechnik moderner Wagen vergleichsweise einfach überlistet werden. Die Geschädigten sind frustriert und fühlen sich von den Behörden alleingelassen.

Ein Blick über die Grenze: deutlich bessere Bilanz für Polen

Während sich Deutschland mit einem wachsenden Problem konfrontiert sieht, ist die Entwicklung im Nachbarland Polen stark rückläufig. Hier ist die Zahl der Autodiebstähle in den vergangenen zehn Jahren um gut 76 Prozent zurückgegangen. Heute gilt Polen in Sachen Autoklau als das sicherste Land innerhalb der EU. Und das scheint vor allem am harten Durchgreifen der Polizei zu liegen.

Vor zehn Jahren hat die polnische Polizei die zentrale Ermittlungsgruppe CBS gegründet, eine Spezialeinheit im Kampf gegen organisierte Kfz-Kriminalität. Ein wichtiger Schritt war es, den Autoklau als organisierte Kriminalität einzustufen: In der Tat sind die Autodiebe so "erfolgreich", da sie in Gruppen agieren. Die Einstufung als organisierte Kriminalität erlaubt ein höheres Strafmaß als ein reiner Autodiebstahl. Damit drohen Mitgliedern der Automafia hohe Gefängnisstrafen.

Zahlreiche bewachte Parkplätze wirken abschreckend auf potenzielle Täter. In einst besonders betroffenen Städten wie Zgorzelec setzen die Behörden auf eine umfangreiche Videoüberwachung. Kfz-Kennzeichen können dadurch aufgezeichnet und ohne bürokratische Hürden mit Fahndungslisten abgeglichen werden. In Polen dürfen selbst Privatdetektive Jagd auf Autodiebe machen - und sich bei Erfolg eine hohe Kopfgeldprämie sichern. Derartige Maßnahmen sind in Deutschland allein aus datenschutzrechtlichen Gründen undenkbar.

MDR FERNSEHEN | Exakt - die Story | 06.06.2012 | 20:45 Uhr: Gekauft - Geklaut! Der Kampf gegen die Automafia

Autowracks auf einem Waldgrundstück Autowracks auf einem Waldgrundstück Autowracks auf einem Waldgrundstück

Gemeinsam gegen das organisierte Verbrechen

Im Grenzgebiet versuchen deutsche und polnische Polizisten schon länger zusammenzuarbeiten. Wird auf deutscher Seite ein Fahrzeug gestohlen, werden die polnischen Kollegen umgehend informiert. Doch oft werden vom Diebesgut nur noch die Reste gefunden: Gleich hinter der Grenze werden die gestohlenen Autos zerlegt, um dann in Einzelteilen verkauft zu werden.

Jeden Samstag findet im polnischen Lubin ein großer Autoteilemarkt statt, auf dem gebrauchte Kfz-Ersatzteile erworben werden können. Ebenso in Posen: Hier wechseln jeden Donnerstag und Sonntag zig Tausende Ersatzteile ihre Besitzer. Fast alles Diebesgut, urteilen die Experten. Mit der Stückware lassen sich so bis zu 60 Prozent des Auto-Neuwertes erzielen. Der Rest ist Edelschrott.

Was Deutschland besser machen kann

In Deutschland gibt es bislang nur wenige bewachte Parkplätze. Ein erster Ansatz, dem Problem der Autoschieberei Herr zu werden, sind die sachsenweiten Fahndungstage. Landesweit werden dann von mehreren Hundert Beamten Kontrollstellen aufgebaut und betreut. Große Organisationen und Hintermänner sind dadurch aber noch nicht ins Netz gegangen. Die Täter schreckt das alles nur wenig: Bei einem Pkw-Diebstahl kommt man in der Regel mit einer Bewährungsstrafe oder einem halbjährigen Gefängnisaufenthalt davon.

Zuletzt aktualisiert: 06. Juni 2012, 17:33 Uhr

Anstieg der Autodiebstähle von 2007 bis 2011 (in %) im Vergleich

Deutschland gesamt: 22,5%
Sachsen: 100%
Brandenburg: 100%
Grenzregion Brandenburgs: 275%
Ballungsraum Berlin: 60%
Hamburg: 80%
Mecklenburg-Vorpommern: 45%
Schleswig-Holstein: 34%

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