Exakt

Exakt vom 25.01.2012 : Lohngeschenke vom Amt für Arbeitgeber

Das Jobcenter des Saalekreises in Merseburg vermittelt an Arbeitssuchende Jobs, die es nach derzeitiger Rechtslage überhaupt nicht vermitteln darf. Der Grund: Die vermittelten Arbeitsstellen werden nicht nach Tarif bezahlt, obwohl laut Tarifvereinbarung ein Tariflohn für die Branche vereinbart worden ist.

Das Jobcenter selbst hat durch diese Vermittlungspraxis keine Vorteile, Leidtragende sind die Arbeitssuchenden wie Ilona John: Eigentlich hatte sich die Hartz-IV-Empfängerin gefreut, als ihr das Jobcenter in Merseburg einen Arbeitsplatz vermittelte. Doch da kannte sie die Höhe ihres Monatslohnes noch nicht. Drei Jahre lang schuftete sie in einem Laden. Sie verkaufte, räumte Regale ein und putzte 40 Stunden pro Woche - für gerade mal 1.000 Euro brutto. Etwa 797 Euro bekam sie am Monatsende ausbezahlt - und das in einer Branche, in der eigentlich nach Tarif gezahlt werden muss. Ilona John hätten demnach gut 1.500 Euro zugestanden.

Ilona John
Ilona John

Unter diesen Bedingungen entsprach die Entlohnung der vermittelten Arbeitsstelle nicht der gültigen Tarifvereinbarung und hätte vom Merseburger Jobcenter so nicht vermittelt werden dürfen. Doch damit nicht genug. Der Arbeitgeber von Ilona John bekam nicht nur eine billige Arbeitskraft vermittelt, sondern die Behörde zahlte dem Arbeitgeber obendrein noch einen Beschäftigungszuschuss. Diese Zulage ist eigentlich dazu gedacht, eine verminderte Leistungsfähigkeit eines Arbeitsnehmers auszugleichen, bis zu 75 Prozent des Lohns übernimmt dabei die Behörde. Bei Ilona John gab es jedenfalls keinen Anlass diesen Zuschuss an den Arbeitgeber zu zahlen.

Nach Exakt-Recherchen ist diese Vorgehensweise der Arbeitsvermittler in Merseburg offenbar kein Einzelfall, eine Begründung für die arbeitgeberfreundliche Praxis bleibt die Behörde bisher schuldig. Für die Arbeitgeber ist das jedenfalls ein lukratives Geschäft, sie profitieren doppelt.

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2012, 14:34 Uhr

3. Frank Ullrich:
Und wo ist der Staatsanwalt und prüft nicht ob hier getzliche Sozialversicherungs Beiträge nicht unterschlagen werden?
31.01.2012
21:16 Uhr
2. Jörg:
Ja, das ist typisch, bei unserer Sozialpolitik.Bin Merseburger, aber diese Handlungsweise ist auch in anderen Landkreisen üblich. Es werden nicht die Grundlagen beseitigt, die soetwas ermöglicht. Aus dem Grund ist der gesetzliche Mindestlohn von mind. 10€ wichtig und auch wirksame Kontrollkommisionen, um auch die Ämter zu kontrollieren JC usw Es müssen wirksame Handlungselemente eingesetzt werden Genauso wie das Fehlverhalten des Herrn Schimek Kontrollorgan ist Kreistag der untätig blieb bzw Kentniss davon hatte und der Herr Schimek hat nur seine Möglichkeiten genutzt und wird sie weiter nutzen Es hätte sowas nicht passieren können, wenn die Grundlagen dafür nicht gegeben sind und wer sollte besser wissen als die Kreisämter, wo welches Gewerbe angemeldet ist? Der Mann auf der Straße etwa?
27.01.2012
12:53 Uhr
1. V. Ratey:
Sehe Ihre Sendung sehr gerne! Frage mich aber oft: Was bringt es? JC fördert sittenwidrige Arbeit. Wer kann etwas daran ändern?Es macht mich nur noch zorniger,wie mit den Menschen umgegangen wird.Jeder sollte sich die Frage stellen: Wenn das mit dir gemacht werden würde? Ganz wenige AG zahlen freiwillig angemessenen Lohn /Tariflohn! Deshalb ist auch nicht erwünscht mit Kollegen über Gehälter zu sprechen.Wenn man da alles wüßte!? Mit freundlichen Grüssen- ich schau wieder mal rein !
26.01.2012
15:55 Uhr

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