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Exakt - die Story | MDR FERNSEHEN | 23.01.2013 | 20:45 Uhr : Narben auf Körper und Seele

Wenn Kinder misshandelt werden

2011 gab es in Deutschland 4.100 Fälle von Kindesmisshandlung, 146 Kinder starben an den Folgen der Misshandlung. Darüber hinaus muss von einer hohen Dunkelziffer nicht angezeigter Straftaten ausgegangen werden. Denn: Meist werden Kinder zu Hause in der Familie misshandelt und die Opfer machen nicht auf sich aufmerksam. Studien zufolge wenden etwa zehn bis 15 Prozent aller Eltern relativ häufig schwerwiegende Körperstrafen bei ihren Kindern an.

Themenbild: Kindesmisshandlung - Ein junges Mädchen, vor einem Bett auf dem Boden hockend, hält schützend die Hände vor sich.

Trauma bis zum Lebensende

Florian und sein Bruder sind zwei Kinder, denen in ihren Familien Schlimmes angetan wurde: Schläge, Knochenbrüche, Verbrennungen - die Narben lassen die Qualen nur erahnen. Heute leben die beiden Jungen bei einer Dresdner Pflegefamilie. Dort geht es ihnen gut, doch die Misshandlungen haben nicht nur auf ihren Körpern, sondern auch in ihren Seelen Spuren hinterlassen. Spuren, die nie wieder verschwinden werden, wie Prof. Katharina Braun, Hirnforscherin an der Universität Magdeburg, erklärt. Traumatische Erlebnisse und mangelnde emotionale Zuwendung in früher Kindheit beeinflussen nicht nur durch Erinnerungen das Leben dieser Menschen. Sie können sich auch als veränderte Gehirn-Struktur manifestieren und den Betroffenen Lernen und soziale Integration bis ans Lebensende erschweren.

Misshandlung nicht immer als solche erkennbar

Eine Mutter, die ihre kleine Tochter mit heißem Wasser verbrüht; ein Vater, der sein Kind fast zu Tode schüttelt. Dr. Antje Heilmann kennt solche Fälle. Sie ist Kinderärztin an der Uniklinik Dresden und weiß, wie schwer es sein kann, eine Misshandlung zu erkennen. Nicht jede Misshandlung hinterlässt sichtbare Spuren. Und selbst wenn, sind die nicht immer eindeutig zuordenbar. Deshalb engagiert Heilmann sich bei dem Modellprojekt "Hinsehen-Erkennen-Handeln - Kinderschutz im Gesundheitswesen".

Kinder lügen für ihre Eltern

Obwohl das Gesetz Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren vorsieht, kommen Eltern, die ihre Kinder misshandelt haben, vor Gericht oft mit vergleichsweise milden Strafen oder gar mit einem Freispruch davon. Rechtsanwältin Anca Kübler erklärt das damit, dass die Kinder mitunter zu klein sind, um als Zeugen aussagen zu können. Doch auch wenn sie reden können, schützen sie ihre Eltern. Rechtsmediziner Dr. Uwe Schmidt von der Universitätsklinik Dresden bestätigt das:

"Häufig treffe ich mehrmals auf die Kinder. Grün und blau geschlagen, manche von ihnen sind schwerstverletzt. Die wenigsten aber sagen: Das war meine Mama oder mein Papa. Viele erzählen von einem Unfall, dass sie z.B. die Treppe runter gefallen sind oder beim Toben gegen die Tischkante gestoßen sind. Da lügen kleine Kinder für ihre Eltern. Das ist unglaublich."

Dr. Uwe Schmidt, Rechtsmediziner

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Zuletzt aktualisiert: 17. Januar 2013, 19:25 Uhr

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