Exakt

Exakt vom 10.10.2012 : Der größte Medizinskandal in der DDR

Laborsituation

Es war nur eine Spritze, die ein hochgefährliches Virus in den Körper von mehr als 4.000 nichtsahnenden Frauen schleuste. Der Hepatitis-C-Erreger führte bei vielen Patientinnen zu schweren chronischen Lebererkrankungen, mit denen die meisten Betroffenen ihr Leben lang zu kämpfen haben.

Etwa zehn Prozent der Frauen bilden während einer Schwangerschaft Antikörper, die bei einer erneuten Schwangerschaft zur Schädigung des Kindes führen können. Für diese Fälle entwickelten DDR-Wissenschaftler eine Prophylaxe in Form einer Impfung, die genau diese Antikörperbildung verhindern sollte. Eigentlich eine gute Sache, doch das Serum, das zur Herstellung des Impfstoffes verwendet werden sollte, war mit dem damals noch unbekannten Hepatitis-C-Virus infiziert. Der Erfinder des Impfstoffs, Dr. Wolfgang Schubert vom Bezirksinstitut für Blutspende- und Transfusionswesen des Bezirks Halle, erkennt die Verunreinigung des Serums und stoppt zunächst die Produktion der Impfstoffherstellung.

Doch das staatliche Kontrollinstitut für Seren und Impfstoffe in der DDR lehnt die zeitlich begrenzte Einstellung der Produktion und den Devisen-Ankauf des Impfstoffes aus der Bundesrepublik ab. Dr. Schubert hält an der Planerfüllung fest und verdünnt das verseuchte Ausgangsmaterial mit anderen Blutplasmen. Eine Entscheidung mit dramatischen Folgen: Mit dem verunreinigten Serum werden ca. 4.000 Frauen mit dem Virus infiziert. Der Beginn einer Tragödie, die mittlerweile als größter Medizinskandal der DDR gilt.

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2012, 11:25 Uhr

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