exakt exklusiv | 01.03.2017 Landkreis erwarb ein offenbar stark überteuertes Grundstück vom Fahrradhersteller Mifa

MIFA-Werk
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Der Landkreis Mansfeld-Südharz hat 2014 ein offenbar stark überteuertes Grundstück vom Fahrradhersteller Mifa erworben. Die Gewerbeimmobilie sei aus heutiger Sicht etwa 1,2 Millionen Euro wert, sagte die Landrätin des Kreises, Angelika Klein (Die Linke) dem MDR-Nachrichtenmagazin exakt. Das belege ein erneutes Gutachten zum Verkehrswert. Der Landkreis hatte vor drei Jahren der schwer angeschlagenen Mifa AG das Betriebsgrundstück in Sangerhausen für 5,7 Millionen Euro abgekauft, um der Firma mit frischem Geld zu helfen.

Landkreis bleibt auf Kosten sitzen

Nun bleibt der Landkreis auf den Millionenkosten sitzen. "Es war ja ursprünglich gedacht, dass man über 15 Jahre den Kaufpreis über die Miete wieder reinbekommt. Das ist nun de facto zu Ende und wir sitzen auf den Kosten", sagte die Landrätin weiter. Das belaste den Kreishaushalt enorm. 2014 sei scheinbar ein Gefälligkeitsgutachten für Mifa erstellt worden, das den hohen Verkehrswert feststellte. Der Landkreis ging im Frühjahr 2014 davon aus, dass Mifa mithilfe des Verkaufs überleben könne, nachdem das Unternehmen Millionenverluste gemacht hatte. Im weiteren Verlauf des Jahres folgten dann aber die Insolvenz und die Übernahme der Traditionsfabrik durch die Unternehmerfamilie Nathusius. Anfang Januar 2017 meldete der Fahrradhersteller erneut Insolvenz an.

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) hat sich von der hohen Differenz des Grundstückswertes überrascht gezeigt. "Das kann ich nicht beurteilen und man müsste es in der Tat prüfen, wenn die Diskrepanz sich so aufzeigt“, sagte er MDR exakt. Ihm sei dies bislang nicht bekannt gewesen.

Das Gutachten 2014 hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young erstellt. Mit Verweis auf die Verschwiegenheitsverpflichtung gegenüber dem damaligen Auftraggeber lehnt die Gesellschaft eine Stellungnahme ab.

Das MDR Nachrichtenmagazin exakt berichtet heute 20:15 über die Auswirkungen der Mifa-Insolvenz. "exakt – Die Story: Berg- und Talfahrt bei Mifa" geht am 08.03.2017 um 20:45 Uhr der Frage nach, warum Mifa immer wieder strauchelt.

Zuletzt aktualisiert: 04. April 2017, 18:59 Uhr

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1 Kommentar

02.03.2017 08:05 andreas 1

Klar doch... So wurde wieder die Kasse der Steuerzahler geplündert, um Verluste der Wirtschaft zu verallgemeinern. Die Blauäugigkeit des Landkreises, der Landrätin und zugeschalteter Behörden ist nicht zu entschuldigen. Und immer geht es um Arbeitsplätze!?
Wären diese Millionen, die bisher offen oder versteckt an MIFA geflossen sind, an Handwerk und Gewerbe der Region gegangen, gäbe es hier bestimmt mehr sichere Arbeitsplätze.
Zur Strafe sollte das Landratsamt seinen Sitz aufgeben, verkaufen und in die Ex-Hallen von MIFA auf dem zu teuer erkauften Grundstück in Sangerhausen ziehen. Wir stellen dann noch Strom, Wasser und Heizung ab und überlegen uns, was wir falsch gemacht haben...