Exakt - Die Story | MDR FERNSEHEN | 25.04.2012 | 20:45 Uhr : Gefundenes (Fr)essen - Mahlzeiten aus dem Müll
82 Kilo Lebensmittel wirft jeder Bundesbrüger im Jahr weg. Nicht alles davon ist nicht mehr genießbar. "Exakt – Die Story" fragt nach: Ist der Wegwerf-Wahnsinn noch zu stoppen? Wenn Überfluss Verschwendung verursacht.
Nur Perfektes landet im Einkaufskorb
Ein Dresdner Supermarkt am Abend. Bis Ladenschluss sind mehrere Sorten Brot im Angebot, Joghurt und Milch in den Regalen frisch und lange haltbar, Tomaten und Erdbeeren gibt es das ganze Jahr. Weil der Verbraucher nur kauft, was perfekt aussieht, landen in Deutschland jährlich 11 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Pro Kopf und Jahr sind es knapp 82 kg Lebensmittel im Wert von 235 €.
Shopping in der Mülltonne
Jens und Eleonora schmeißen nichts weg - im Gegenteil, sie fischen sich ihre Mahlzeiten aus den Abfallcontainern der Supermärkte. Sie machen diese speziellen "Einkaufstouren" nicht aus Not. Vielmehr ist es ihre Form, gegen die Lebensmittel-Vernichtung in unserer Gesellschaft zu protestieren. Sie sind über Blogs mit anderen "Mülltauchern" in ihrer Stadt vernetzt, geben Tipps, wo viel zu holen ist und wer sein Containergut unbrauchbar macht. Jens und Eleonora machen sich allerdings strafbar, da der Inhalt der Container dem Supermarkt oder den Müllentsorgern gehört. Deutschland ist das einzige Land, in dem Mülltaucher wegen Diebstahls vor Gericht landen.
Studie der Uni Jena: Überfluss erzeugt Verschwendung
Christian Böttcher vom Bundesverband des deutschen Lebensmittelhandels stellt sich der derzeitigen Diskussion und erklärt, das System und die Verbraucher sind schuld, dass so viele Lebensmittel weggeworfen werden, weil die Menschen zu jeder Tages- und Jahreszeit das volle Angebot wollen. Stephan Lorenz, Soziologe an der Universität Jena zeigt auf, wie sich das in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat und warum dieser Überfluss Verschwendung erzeugt.
Ein Überfluss, der lieber vernichtet wird, als dass er den wirklich Bedürftigen zugute kommt. Edith Franke, Bundesvorsitzende der Tafeln, verteilt gespendete Lebensmittel und beschwert sich, dass zu wenige Händler und Hersteller diese kostenlos abgeben, weil das die Preise drücken würde. Sie schätzt, dass lediglich 5 Prozent der nichtverkäuflichen Waren verteilt werden.
Wiederholung
MDR FERNSEHEN | 26.04.12 | 09:45 Uhr
