Exakt | 11.05.2016 Lockruf ins Paradies - Überzogene Erwartungen von Flüchtlingen

Begrüßungsgeld, tolle Autos, gut bezahlte Jobs, schöne Wohnungen bekommt man in Deutschland vom Staat geschenkt. Das zumindest behaupten viele Videos im Netz. Angelockt von solchen falschen Versprechen, machen sich auch Syrer und Iraker, die sich längst in sicheren Drittstaaten ein Leben aufgebaut haben, auf den Weg ins „Gelobte Land“.

Im Internet kursieren zahlreiche Videos, in denen vom Leben in Deutschland in den höchsten Tönen geschwärmt wird. So sagt ein Iraker:

Hier ist es nicht nur gut, hier ist es fantastisch. Hier gibt es Essen, Trinken, Geld. Wir werden umsorgt. Hier ist es bequem und was braucht man mehr.

Iraker

Diese Videos, werden hunderttausendfach geklickt. Kann es sein, dass Flüchtlinge diese Schilderungen wirklich glauben? Lamá, eine libanesische Studentin, die als Dolmetscherin jobbt, meint: ja: Sie trifft immer wieder auf Migranten, die mit völlig überzogenen Erwartungen in Deutschland ankommen.

Die meisten denken, dass sie bekommen 6.000 Euro als Begrüßungsgeld, sie kriegen sehr schnell eine Wohnung, im Haus gibt es große Sporthalle mit Swimmingpool. Es ist sehr einfach eine Freundin hier zu haben. Eine sehr gute Arbeit mit viel Geld.

Lamá, libanesische Studentin

Viele sind enttäuscht, wenn sie merken, dass das mit der Wirklichkeit hier nichts zu tun hat. Besonders erstaunlich - die Videos locken nicht nur Menschen aus Kriegsgebieten. Wir treffen eine Syrerin irgendwo in Mitteldeutschland. Sie möchte nicht erkannt werden. Die junge Frau hat immer in Kuwait gelebt. Sie zeigt uns Bilder aus einem vergleichsweise normalen Leben: Job, Freizeit, Freunde. Sie erlebte weder Krieg, noch wurde sie verfolgt. Trotzdem wählte sie den riskanten Weg übers Mittelmeer. Fasziniert von den Berichten über Deutschland beantragt sie hier Asyl.

Ich habe gehört, dass jeder Flüchtling in Deutschland 670 Euro im Monat und eine Wohnung bekommt und wenn man Deutsch spricht, kann man studieren, ohne etwas zu bezahlen beziehungsweise nur ganz wenig. Und dass während des Studiums die Wohnung vom Staat bezahlt wird.

Syrerin

Tatsächlich bekommt sie jetzt Hartz IV und keine 670 Euro. Sie will BWL studieren, was in Kuwait sehr viel teurer wäre. Trotzdem ist sie nicht enttäuscht. Vor allem, weil sie hier als Frau andere Möglichkeiten hat als in Kuwait.

In Deutschland leben - das bedeutet nicht unbedingt Einfamilienhaus und Auto, sondern auch Sprachprobleme, Schwierigkeiten, einen Job zu finden und überhaupt als Flüchtling anerkannt zu werden. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) will Menschen nicht von der Flucht abhalten, sie aber darüber aufklären, worauf sie sich einlassen. Einfach ist das nicht.

Bei den Irakern und Syrern sehen wir auch immer mehr negative Rückmeldungen, wahre Rückmeldungen und die Leute sagen, es ist nicht so, wie du dir das vorstellst, dass sie ihren Leuten raten nicht zu kommen, weil es nicht das ist, was sie eigentlich erwartet haben. Die haben aber auch das Problem, dass die Leute ihnen zu Hause nicht glauben. Die sagen ja, du bist schon in Europa, du hast es gut und nun willst du nicht, dass es mir auch gut geht. Also dieser Mythos Europa der ist sehr, sehr schwer zu erschüttern.

Melita Sunjic, UNHCR

Zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2016, 15:22 Uhr

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1 Kommentar

12.05.2016 11:07 haude 1

den eindruck, dass die "flüchtlinge" bevorzugt nach Deutschland wollen,weil ihnen"alles geschenkt wird",
haben wir schon lange.
warum können nicht die wahren verhältnisse, die hier herrschen, wirkungsvoll dargestellt werden?