Exakt | 15.06.2016 Rügen: Streitobjekt Prora

Zimmer mit Meerblick, Flanieren auf der Strandpromenade an Rügens schönster Ostseeküste. Die Werbung der Immobilienmakler für ein privates Feriendomizil im Monumentalbau von Prora auf Rügen könnte verlockender nicht sein.

Und der Verkauf boomt. Weil die Sanierung für den Landkreis viel zu teuer ist, wurde vor Kurzem auch noch der Verkauf des letzten sich in öffentlicher Hand befindlichen Blocks - Block 5 - beschlossen. Prora soll also komplett privatisiert werden. Und genau hieran erhitzen sich die Gemüter. Denn der Koloss von Prora hat eine wechselvolle Geschichte. Unter Hitler als Massen-Feriendomizil für 20.000 Urlauber begonnen, nutzten ihn zu DDR-Zeiten NVA-Soldaten als riesige Kaserne. Nach dem Fall der Mauer blieb das Gebäude für zwei Jahrzehnte ungenutzt - dem Zahn der Zeit ausgesetzt. Jetzt also Luxus-Feriendomizil.

Die ehemalige Landrätin Kerstin Kassner lebt auf Rügen. Prora ist für sie eine Herzensangelegenheit. Vor zehn Jahren hatte sie die Immobilie für den Landkreis vom Bund erworben. Für einen Euro. Im Amt ist sie nicht mehr - doch ein Wunsch hat Bestand: Dass hier vor allem an die Vergangenheit erinnert wird.

Hier, denke ich, ist man in der historischen Verantwortung, diesem Gebäudekomplex auch wirklich eine sinnvolle Nutzung zuzuordnen. Dass man hier Begegnungsräume findet, dass man sich mit der Geschichte befassen kann.

Kerstin Kassner, ehem. Landrätin

Doch dafür fehlt dem Landkreis das Geld, deshalb soll nun auch dieses Gebäude verkauft werden. Der Plan: noch mehr Luxuswohnungen in Prora. Wir treffen uns mit Susanna Misgajski. Sie leitet das "Prorazentrum" - ein Museum, das die wechselvolle Geschichte Proras zeigt. Der Verein musste aus Block 5 raus, weil das Gebäude baufällig ist. Eine Rückkehr nach der Sanierung durch einen Privatinvestor ist mehr als fraglich. Die Umwandlung in eine Luxusimmobilie sei eine Katastrophe - auch für den Tourismus.

Denn es sind tausende, zehntausende von Touristen, die sich diesen Ort anschauen. Und natürlich ist es auch für unsere einheimische Bevölkerung ein wichtiger Ort. Man hat sowas vor der Haustür, man verschenkt einfach etwas, wenn man diesen Ort nicht als historischen Ort erhält.

Susanna Misgajski, Historikerin
Prora - Damals und Heute
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was die Historikerin meint, zeigt sie uns an einem bereits sanierten Gebäude. Ihrer Meinung nach entstellen die angebauten Balkone die ursprüngliche Architektur entscheidend. Den Investoren seien zu viele Zugeständnisse gemacht worden. Das gehobene Urlaubsgefühl der Bewohner soll nicht gestört werden. In den Blöcken eins bis vier ist das schon entschieden. Die Zukunft von Block 5 scheint auch besiegelt. Prora als Luxusdomizil, die Historie als Randnotiz – nicht allen gefällt das.

Ich bin selber Berufssoldat und kenne solche Gebäude überall in ganz Deutschland. Ich bin immer dafür, dass sowas immer erhalten bleibt, auch für die Nachwelt. Irgendwann verschwinden die ganzen Dinge. Wenn man das sich hier so anschaut, dann weiß niemand mehr, was war Prora, wann war das - das schaut nicht mehr danach aus.

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Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2016, 21:40 Uhr

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1 Kommentar

16.06.2016 17:01 Uaz.Pz.spezial 1

war selber in Prora
gab gute Zeiten und schlechte zeiten
sowas darf nicht weggewischt werden ist die deutsche geschichte mit Prora.