Exakt vom 18.09.2013 Prora – Betontraum mit Meerblick

Prora, der Koloss auf Rügen, soll wieder einmal wiederbelebt werden. Der zwischen 1935 und 1939 errichtete knapp fünf Kilometer lange Gebäuderiegel wird saniert.

NVA-Museum Prora
So hatten die Nazis die Zimmer für den Familienurlaub in Prora geplant Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Nazi-Organisation "Kraft durch Freude" wollte das schönste und größte Seebad der Welt errichten. 20.000 sollten hier gleichzeitig den Urlaub verbringen. Doch dazu kam es nicht mehr. Der Krieg verhinderte die Fertigstellung. In der DDR wurde Prora zumindest teilweise vollendet. Auf Wunsch Honeckers entstand in Prora eine NVA-Offiziershochschule. Nach der Wiedervereinigung übernahm die Bundeswehr den Komplex und stellte den Betrieb ein. Seither stehen die viereinhalb Kilometer Beton praktisch leer, wurden x-mal verkauft. Es passierte nichts.

Jetzt sind die Glücksritter und Anlageberater da und wollen Wohnungen verkaufen. Insgesamt sollen hier einmal 1.500 Wohnungen entstehen. Im Schnitt 3.000 Euro den Quadratmeter. Dafür wird mit Denkmalabschreibung gelockt. Um die Vorstellung vom Leben in Prora zu beflügeln, gibt es eine fertig eingerichtete Musterwohnung. Interessenten gibt es auch schon und die sind offenbar vom neuen Nutzungskonzept überzeugt.

Wir haben hier Strand, wir haben hier Natur. Wir haben hier Binz, wir haben hier Rügen. Es sind so viele Punkte, die hier reizvoll sind. Und die reichen uns."

"Die Idee, was ja hier geschaffen wurde, ist ja top. Ich meine, das ist Malle in 1930. Das ist visionär eigentlich, das ist ja nichts wofür man sich schämen muss. Das finde ich überhaupt nicht negativ.

Besucher der Musterwohnung

Weil nun das Rennen um die Interessenten eröffnet ist, sollen alteingesessene Mieter des Riesenbaus weichen. Das betrifft auch das NVA-Museum. Hier können sich die Besucher auf 1.500 Quadratmetern über das Bauwerk informieren. Doch dafür soll plötzlich in der Riesenanlage kein Platz mehr sein.

Ja, im Prinzip ist es ja so, dass sich sämtliche Einrichtungen, die sich hier über die Jahre etabliert haben, eine Kündigung erhalten haben. Wir sind der Meinung, dass wir uns auf jeden Fall nicht so einfach von der Bildfläche wegwischen lassen sollten.

Ingo Ohlrich, NVA Museum Prora

Selbst die optimistischen Immobilienverkäufer gehen davon aus, dass es mindestens zehn Jahre dauern wird, bis Prora komplett saniert ist. Das bedeutet für die Erstkäufer erst einmal ein Leben auf der Baustelle. Doch immerhin sollen etwa zwei Prozent der Wohnungen bereits verkauft sein. 98 Prozent sind also noch zu haben.

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2016, 19:22 Uhr

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